Zum Start der Segler kam der Wind wieder
25.07.2010 | VeranstaltungenTravemünder Woche: Wind und Welle für manchen Starter zu viel
Bei besten Wetter- und Windbedingungen, wolkig, aber trocken mit einer frischen Brise um fünf Beaufort – in Böen auch darüber hinaus, sowie einer kappeligen Welle schickte der oberste Wettfahrtleiter Walter Mielke am Sonnabend (24. Juli) Athleten in 18 Disziplinen zur 121. Travemünder Woche aufs Wasser. Es wurde ein arbeitsreicher Tag für die Seglerinnen und Segler, denn bis zu drei Wettfahrten standen auf den acht Regatta-Bahnen auf dem Plan. Herausragender Akteur aus deutscher Sicht war der Wismarer Jan Kurfeld im olympischen Finn-Dinghy mit zwei Siegen und einem zweiten Rang.
Bei den Multi Europeans der Hobie Cats wurden von zehn Wettbewerben bereits sieben Disziplinen ins Rennen geschickt, wobei gleich mehrere Einheimische vorne mitmischten. Und am Abend starteten dann auch noch erstmals in der Geschichte der Travemünder Woche die Tornados zu Showrennen direkt vor den Augen des zahlreichen Publikums in der Segel Arena Trave – mit einem würdigen Sieger. Denn bei dieser Premiere triumphierte der dreimalige Weltmeister Roland Gäbler mit seiner Ehefrau Nahid.
Einen fast perfekten Tag erlebte Jan Kurfeld: „Das war super heute: Nach Wochen mit Flaute endlich mal wieder Wind. Es war zwar anstrengend, hat aber richtig Spaß gemacht.“ Und schnell unterwegs war der Wismarer zudem. „Etwas ärgerlich war nur, dass ich im ersten Lauf den Sieg kurz vor der letzten Tonne, als der Pole Piotr Kula an mir vorbei gezogen ist, noch aus der Hand gegeben habe“, sagte Kurfeld, der bei gleichbleibenden Windbedingungen bis Dienstag einen Zweikampf mit Kula um den TW-Sieg erwartet. In der zweiten olympischen Disziplin, den 470ern, müssen sich die deutschen Nachwuchs-Akteure Jan-Philipp Hofmann/Felix Brockerhoff (Duisburg/Düsseldorf) trotz einer starken Serie mit zwei zweiten Rängen und einem Tagessieg hinter den zweimal siegreichen Weißrussen Daniil Adzintsov/Kiryl Meyer einreihen.
Im Kampf um europäische Titelehren bei den Hobies haben mehrere deutsche Crews ihre Anwartschaft auf eine Medaille angemeldet. Bei den Hobie Wildcats liegen Jörg Gosche/Hannes Pegel (Bremen) mit drei zweiten Plätzen in Lauerposition hinter den Italienern Vottorio Bissario/Lamberto Cesari, die vom Gardasee her Starkwind-Bedingungen gewohnt sind. Auf Rang drei hat der europäische Klassenboss Fritz-Rüdiger Klocke (Flensburg) mit Maren Odefey eine starke Ausgangsposition. „Die Bedingungen waren heute sicherlich an der Grenze des Machbaren. Einige Crews hatten Bruch. Daher hat sich das Feld etwas reduziert. Wir selbst sind sehr zufrieden, hatten auf eine gute Platzierung gehofft, aber Rang drei übertrifft die Erwartungen“, berichtete Klocke.
Im Feld der Hobie Tiger sind die Hohwachter Kai Wippersteg/René Bertheau auf Rang drei als beste Deutsche geführt. Gar auf Titelkurs liegen bei den Hobie Masters Knud Jansen/Anke Delius (Kiel) sowie FX-One-Akteur Michael Pallowitz (Dersau), während in den anderen Hobie-Disziplinen die ausländischen Gäste das Geschehen bestimmen. So auch bei den Hobie-Youth, wo die Franzosen Benjamin Deguine/Benjamin Roulant vorne weg segeln. Diese Überlegenheit musste auch der Lübecker Lokalmatador Malte Ebbecke anerkennen, der mit Felicitas Franke auf Platz 14 liegt. „Die Konkurrenz ist wirklich super stark, wir haben leider ein paar Dreher falsch erwischt, daher ist das Ergebnis noch ausbaufähig. Nach drei Rennen sind wir jetzt aber erst einmal ziemlich kaputt“, sagte Ebbecke.
Als Erste am TW-Starttag waren die kippeligen Gleitjollen der Int. Canoe-Klassen auf Bahn Beach mit ihrem Tagesprogramm durch. Bei mäßigen bis frischen Nordwestwinden in den Böen bis Stärke sechs hatten sich eh nur die Mutigsten aufs Wasser getraut. Mehrere hundert Zuschauer beobachteten auf der Nordermole deren spektakuläre Ab- und Anlegemanöver. Der Schwede Johann Elfström übernahm nach zwei Euro-Cup-Rennen die Führung im One Design, Martin Droll (Berlin) und Niklas Steimann (Klein Rönnau) teilen sich die Spitze im Taifun. „Nach zwei harten Rennen habe ich Schluss gemacht, damit die Fehlenden nicht gleich zu viel an Boden verlieren“, erklärte Wettfahrtleiter Hans-Herbert Hoffmann vom Norddeutschen Regatta Verein, der für Thorsten Rocksien eingesprungen war.
Zu hart waren die Bedingungen auch für viele Akteure in den Jollen, so dass hier nur wenige Crews auf die Bahn gingen und sich schon einmal ein Punktepolster für die kommenden Wettfahrttage anlegten. Herausragend aus deutscher Sicht waren die Klassen Contender, 505er und Korsar. Während der Potsdamer Andreas Voigt mit drei Siegen in drei Rennen eine makellose Serie bei den Contendern hinlegte, führen Helen Fischer/Lars Dehne (Berlin) ebenso souverän die 505er-Klasse an – vor dem deutschen Klassenboss Jürgen Waldheim (Berlin) mit Thomas Jung an der Vorschot. Und auch die Korsare Axel Oberemm/Gerd Linnemann (Berlin) durften sich als Dreifachsieger feiern lassen.
Auch die Dickschiffsegler auf der Seebahn absolvierten zum TW-Start drei Rennen auf Up-and-Down-Kursen (Am-Wind/Vorwind). Bei den großen Yachten der Klasse ORC I liegt die „ADAMAS“ von Jan Peters (Heiligenhafen) in Führung. In der ORC II bewies Lokalmatador Jürgen Klinghardt mit seiner Crew auf der „patent3“ beste Revierkenntnisse und führt das Feld an.



