Türkische Gewässer sollen sauberer werden
25.01.2010 | Reviere, UmweltPilotprojekt: Neue Schmutzwasser-Regeln für Boote, Gulets und Yachten.
Von Udo Hinnerkopf. In letzter Zeit wurde in Internet-Foren viel über die neuen Regeln zur Einführung von Schwarz- und Grauwassertanks an der türkischen Küste diskutiert und spekuliert. Offenbar ist nun tatsächlich eine “Blue Card-Regelung” verabschiedet worden. Die türkischen Environment Protection Association (TURMEPA) wurde beauftragt das Programm umzusetzen.
Ab 1. März 2010 sollen im Golf von Fethiye-Göcek folgende Bestimmungen gelten.
Das Gebiet soll zum Wasserpark erklärt werden. Das heißt:
- Tankpflicht für Schwarz- und Grauwasser (was ist das genau: Dusch- und Pantry-Schmutzwasser?, Anmerkung der Red.) soll eingeführt werden und das Ablassen in den Buchten etc. soll verboten werden
- Alle Boote, die dieses Revier befahren, müssen eine Blue Card haben
- Außer in den Häfen sollen nicht mehr als 1.112 Boote in diesem Bereich fahren dürfen (vermutlich pro Tag, Anmerkung der Red.).
- Einlaufen zu historischen Plätzen wie Hamam Bay soll verboten werden.
- Ankern in besonders ausgewiesenen Buchten ebenfalls, um das ökologische Unterwasser-System zu schützen. Nur ausgelegte Muringbojen sollen benutzt werden dürfen.
- Die maximale Liegezeit in den Buchten soll auf 11 Tage begrenzt werden.
- Die Geschwindigkeit soll auf maximal 6 Knoten festgelegt werden.
- Laute Musik soll in Zukunft verboten sein.
- Grillen und Kochen an Deck soll verboten werden (Feuergefahr durch fliegende Funken).
- Tauchen soll in besonders ausgewiesenen Buchten ebenfalls untersagt werden.
Die Blue Card
Alle Boote, Gulets und Yachten, gewerblich oder privat und in allen Größen, müssen den Blue-Card-Bestimmungen entsprechen. Es soll keine Untergrenze in Schiffsgröße oder -Kapazität geben. Einleiten von Abwasser soll im gesamten Gebiet zwischen Gökova- und Fethiyegolf untersagt werden. Abwasser wird definiert als Schwarzwasser, Bilgenwasser, Ballastwasser und Brühe.
Die Ausstellung und Aushändigung der Blue Card soll von den Hafenbehörden und Marinas durchgeführt werden. Alle Yachten müssen demnach eine Blue Card für 70 TL kaufen, und sie vor dem Abpumpen in den Häfen vorzeigen. In die Blue Card wird das Datum und das Volumen der abgepumpten Mengen eingetragen.
Für kleinere Yachten sind angeblich nur Schwarzwassertanks erforderlich, in die aber auch Grauwasser geleitet werden muss (eine genaue Definition “kleinere Yachten” und von “Schwarzwasser” und “Grauwasser” ist nicht bekannt, Anmerkung der Red.). Ausländische Yachten werden angeblich nicht von den Behörden auf Tanks überprüft werden. Gulets, Boote und Yachten unter türkischer Flagge dagegen werden jährlich überprüft, bevor sie die Fahrerlaubnis erhalten. Boote unter ausländischer Flagge werden lediglich nach der Blue Card befragt, um zu sehen, ob die rechtliche Abfallentsorgung gemacht wurde. Wenn das Boot über einen längeren Zeitraum unterwegs war und keine bestätigte Entsorgung gemacht wurde, sollen Strafen erfolgen.
Einrichtungen zum Abpumpen
Zwischen Bodrum und Fethiye soll es 30 Abpumpstationen geben. Die Abpumpstationen in Betrieb sollen auf der Website von TURMEPA aufgelistet werden. Bis März 2010 soll es rund 120 Abpumpeinrichtungen zwischen Bodrum und Fethiye geben. Alle Häfen und Marinas müssen Depots zur Annahme der Abfälle haben. Für jede Tonne Abfall sollen 30 Euro berechnet werden.
Überwachung
Die Küstenwache und Kontrollboote der Region Mugla sollen die Überwachung übernehmen. Die Höhe der Strafen ist noch nicht bekannt. Die Regierung unterstützt diese Regionaliniative in vollem Umfang.
Das Ganze ist ein Pilotprojekt, das in der Mugla Region umgesetzt werden soll. Später soll es auf das gesamte türkische Küstengebiet übertragen werden.
Das Pilotprojekt beginnt am 1. März 2010.
Viele Fragen sind offen
Es gibt viele Unklarheiten und Zweifel. Die Organisatoren müssen noch ein paar Probleme lösen, so einfach wird das nicht durchzusetzen sein. Klar ist aber, dass etwas geschehen muss, denn die Verschmutzung in den Golfen, insbesondere im Golf von Fethiye, ist nicht zu übersehen.
Zur Zeit werden noch alle schwimmende Objekte als “Schiffe” bezeichnet, vom Super-Tanker und Kreuzfahrtschiffe bis zu kleinen Yachten und Fischerbooten. Die Verordnungen unterscheiden noch nicht nach Größen und Nutzung der “Schiffe”. Szenekenner sind der Meinung, dass die Durchsetzung Jahre dauern wird. In der Vergangenheit wurden allerdings Boote recht drastisch wegen geringer Vergehen bestraft. Deshalb empfiehlt es sich dringend die Sache ernst zu nehmen.
Klar ist: Wir können uns nicht einerseits darüber beschweren wie das schönste Revier der Welt Gefahr läuft zur Abwasserhalde zu verkommen und uns andererseits darüber beschweren, wenn die Behörden versuchen, den Trend zu stoppen. Wir müssen unseren Beitrag dazu leisten.
Quelle: www.insidersegeln.de/
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