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Vom Gerichtssaal auf die Regattabahn

8.02.2010 | Regatta

Der 33. America´s Cup ist auch ein Duell modernster Technologien.

Titelverteidiger Alinghi 5 und der Herausforderer BMW Oracle Racing 90 kämpfen bereits zwei über zwei Jahren in Gerichtssälen um die Auslegung von Regeln zum 33. America´s Cup und haben jetzt das Duell aufs Wasser verlagert.

Die beiden Yachten, die ab 8. Februar um 10.06 Uhr gegeneinander antreten werden, sind wahre Hightech-Wunder, bei denen die Konstrukteure bis an die Grenzen der Physik gingen und bei einer Yacht sogar auf ein herkömmliches Segel verzichtet haben. Die Gemeinsamkeit, die beide Yachten haben, sind die gewaltigen Ausmaße der Konstruktionen und dass die Schwimmer, die Struktur beider Yachten und die Masten zu einem Großteil aus Kohlefaser bestehen. Kein anderes Material bietet bei so wenig Gewicht eine solche Stabilität und auch die notwendige Flexibilität bei den zu erwartenden Kräften, die auf die Yachten einwirken werden.

Die Unterschiede liegen in den Konstruktionen, denn es tritt als Herausforderer um den Prestigepokal die „USA 17“ von Larry Ellison unter der Flagge des Golden Gate Yacht Club aus San Francisco als ein Trimaran an, bestückt mit einem Flügelsegel aus starren Elementen. Die „Alinghi 5“ von Ernesto Bertarelli als Verteidiger des Pokals wird unter den Insignien der Société Nautique de Genève starten, ein Katamaran mit Doppelrumpf und 3DL-Segel der Firma North Sails. Der US-Trimaran ist 27 Meter breit, 30 Meter lang und mit einem über 60 Meter hohen Mast bestückt, mehr als doppelt so hoch wie das Brandenburger Tor, der ein neuartiges Flügelsegel trägt, das im Prinzip wie eine Flugzeugtragfläche funktioniert. Der Alinghi-Katamaran mißt 27 Meter Breite und 35 Meter Länge und ist mit 1.000 Quadratmeter Segelfläche ausgestattet. Die Boote sollen mit bis zu 80 Kilometern pro Stunden buchstäblich über das Wasser fliegen können (www.mediamaritim.de/blog/regatta/america´s-cup-kampf-der-giganten/#more-5660).

Auf dem Wasser können sowohl die Alinghi als auch BMW Oracle theoretisch Geschwindigkeiten bis zu 40 Knoten erreichen, das sind fast 75 Stundenkilometer. Das Problem dabei ist dass beide Yachten ihre maximale Geschwindigkeit schon bei 10, 15 Knoten Wind erreicht haben. Die Yachten sind in der Lage, die dreifache Windgeschwindigkeit als Top-Speed zu erreichen. Beide Konstruktionen kommen also bei relativ wenig Wind schnell an ihr Limit, es drohen strukturelle Probleme.

Russell Coutts spricht vom „Kampf der Titanen“. Der neuseeländische Segel-Heroe und Geschäftsführer des amerikanischen Teams BMW Oracle Racing findet nicht nur das eigene Boot bemerkenswert, auch vor dem des Schweizer Konkurrenten und Titelverteidigers Alinghi hat er höchsten Respekt: „beide Boote gehören zu den coolsten, die jemals gebaut wurden.“ Die Zeitspanne, die zu den verworrensten, am meisten vergifteten der mehr als 150 Jahre währenden Pokalgeschichte zählt, bringt zwei der interessantesten und allem Anschein nach die schnellsten Rennmaschinen aller Zeiten hervor (www.mediamaritim.de/blog/regatta/america´s-cup-erster-punkt-an-alinghi/#more-5643). Gemeinsam haben Verteidiger Alinghi und Herausforderer BMW Oracle Racing mehr als eine halbe Milliarde Euro in ihren Traum vom Sieg investiert. Ihre spektakulären Mehrrümpfer entstanden mithilfe von Raumfahrttechnologie, den klügsten Design-Köpfen und den besten Seglern der Welt.

Wer das Duell für sich entscheidet, wird auch die Regeln für den nächsten America’s Cup bestimmen können. Coutts erklärte, dass sein Team wieder eine Herausforderer-Regatta mit kleineren Einrumpfern favorisiere. “Der Cup war immer ein Rennen der Herausforderer. Die Mehrrümpfer sind spektakulärer, aber auch viel teurer.” Alinghi will dagegen auch künftig auf Katamarane setzen.

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