America´s Cup: Erster Punkt an Alinghi
4.02.2010 | Recht, RegattaJury lehnte die Beschwerde der amerikanischen Herausforderer ab.
Mit der Ablehnung der Beschwerde wegen der Position und der Menge von Alinghis Wasserballast rückt die Wahrscheinlichkeit näher, dass das 33. Duell um den America´s Cup termingerecht am 8. Februar vor Valencia starten kann. Dann können die beiden Streithähne ihren bisher in Gerichtssälen ausgetragenen Kampf aufs Wasser verlegen (www.mediamaritim.de/blog/regatta/schlacht-der-milliardare-kann-beginnen/#more-5605).
Der US-Herausforderer BMW Oracle Racing hatte den Schweizern zuletzt vorgeworfen, mit Wasserballast vor allem ihre Wasserlinienlänge künstlich auf die maximal erlaubten 90 Fuß (etwa 27,5 Meter) senken zu wollen, um dann in den Rennen mit weniger Ballast von einer längeren Wasserlinie zu profitieren. Alinghis Vertreter stritten die Vorwürfe ab.
BMW Oracle Racings Sprecher Tom Ehman sagte: “Wir sind nicht ganz mit der Entscheidung einverstanden, akzeptieren sie aber.” Alinghis Skipper Brad Butterworth sagte: “Wir begrüßen das Engagement der Jury und ihre Entscheidungen für den Sport.”
Der Streit um den Wasserballast war der (bisher) letzte Einspruch der Amerikaner. Auch zu vorherigen Beschwerden gab es eine Entscheidung derfünfköpfigen internationalen Jury, dass die organisierende Institution des America’s Cup (OA), die Société Nautique de Genève (SNG), mit der Festsetzung einer Startzeit für das Rennen auf 10.06 Uhr korrekt handelt. Es gibt keine Bestimmung in der Deed of Gift, die besagt, dass eine Startzeit vom Challenger abgesegnet werden muss. Und sogar falls es eine solche gäbe, ist die OA verpflichtet die Startzeit festzulegen, weil es kein Agreement gibt zwischen Defender und Challenger.
Die Jury entschied weiter, dass die Deed of Gift jede andere widersprüchliche Regel überstimmt und die SNG wird die Notice of Race (NOR) und die Sailing Instructions (SI) anpassen, um dies weiter zu stärken. In einer weiteren Entscheidung bestätigte die Jury, dass das Rennkomitee der SNG verantwortlich ist, zu bestimmen, ob ein Rennen gestartet oder fortgesetzt wird und sich dabei an die entsprechenden sicherheitstechnischen und rechtlichen Regeln halten muss. Dies wird in der Notice of Race (NOR) reflektiert.
Alinghi kam dagegen nicht mit dem Vorhaben durch, ein generelles Windlimit von 15 Knoten festzuschreiben. Es wurde beschlossen, die Entscheidung, ob gesegelt wird und ob ein Rennen fortgesetzt wird dem Wettfahrtleiter Harold Bennett zu überlassen. Dieser muss dabei zwischen Fairness des Wettkampfes und Sicherheit der Segler abwägen.
Der Einsatz von Laser- oder anderen Messgeräten an Bord wurde erlaubt, womit BMW Oracle seinen Winddetektor nutzen darf. Außerdem ist es nicht verboten, Substanzen ins Wasser zu leiten, die den Widerstand des Rumpfes verringern. Vorausgesetzt allerdings, dass diese Substanzen nach allen anwendbaren Gesetzen erlaubt sind. Bei den strengen heutigen Umweltauflagen dürfte es daher schwierig werden, eine Genehmigung für irgendeine solche Substanz zu bekommen.
Egal, was ab Montag vor Valencia passiert, dem Gericht wird die Arbeit nicht ausgehen. Trotzdem darf man sich als Sportfan freuen, denn Alinghi und BMW Oracle duellieren sich mit Rennyachten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat: 30 Meter lang und 60 Meter hoch sind die gigantischen Mehrrumpfboote. Russell Coutts, dreifacher Gewinner des America’s Cup und heute CEO von BMW Oracle, spricht von einem „Kampf der Titanen“. Und BMW-Oracle-Sprecher Tom Ehman sagte bei einem Besuch in Zürich: „In 100 Jahren werden sie nicht über den Rechtsstreit diskutieren und auch nicht über den America’s Cup 2007, sondern darüber, wer 2010 in diesen enormen Booten gesegelt ist.“
Neben TV-Eurosport (www.mediamaritim.de/blog/regatta/americas-cup-2010-live-bei-eurosport/#more-5569) wird auch das Schweizer Sportfernsehen SSF die Regatten am 8., 10. und eventuell 12. Februar live (ab 10 Uhr) übertragen.



