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„Walross IV“ auf Zwischenstopp in Ushuaia

2.03.2010 | Institution/Verein

„Willkommen in Ushuaia – der südlichsten Stadt der Welt.“

Seit 2008 befindet sich das Ausbildungsschiff des Akademischen Segler-Vereins Berlin (ASV) auf Weltreise. Nach sechs Wochen nonstop über den stürmischen Pazifik fiel kurz vor Mitternacht des 17. Februar 2010 fiel Anker vor dem Yachtclub AFASyN in der Bahia Ushuaia, wo Chile und Argentinien im Süden auslaufen, nach einem klassischen, perfekt vorbereiteten Segelmanöver ohne Motor.

Die insgesamt 5500 Seemeilen, die Schiff und Besatzung ohne Ankerstopp und Landgang von Neuseeland gesegelt sind, haben ihre Spuren überlassen. Jetzt genießen die zehn Seefahrer festes Land unter den Füßen in der südlichsten Stadt der Welt. In den vergangenen Wochen mussten sie alle Wetterverhältnisse ertragen, die der Pazifik zu bieten hat: Von Windstärke zwölf bis zu totaler Flaute – die ausgerechnet vor dem berüchtigten Kap Hoorn herrschte.

Eingangs des Beagle Channels fiel die Hauptmaschine aus. Wir waren gezwungen, in einem teilweise engen Fahrwasser, gesäumt von hohen, schneebedeckten Bergen gegenan zu kreuzen. Noch dazu ohne Großsegel. Nicht ganz einfach bei wechselnden Windstärken bis 40 kts scheinbarem Wind und Flaute, gerade in Engen von drei Kabellängen. Sonnenschein und ein phantastisches Panorama ließen unsere Sorgen über eine Nachtankunft in Ushuaia zunächst in den Hintergrund treten. Da das Fahrwasser ortsüblich nicht betonnt und wenig befeuert ist, planten wir zunächst, die Nacht in einem geeigneten Ankerplatz abzuwarten bzw. auf der chilenischen Seite Puerto Williams als Nothafen anzulaufen. Mit unserem Shoreteam wurden schon entsprechende Informationen ausgetauscht.

Nachdem wir ca. 17:00 vor Puerto Williams standen, entschlossen wir uns, die Nachtankunft in Ushuaia zu wagen und weiterzusegeln. Die Entscheidung wurde zunächst von einem NNW Wind mit bis zu 25 kts unterstützt, der uns eine Rauschefahrt bis 10 kts bescherte. Der Wind stand nicht die ganze Zeit durch und flaute zum Glück vor Ushuaia auf ein laues Lüftchen von 8 kts ab. Mit einem eleganten Bogen segelten wir in die Bahia Ushuaia ein und ließen um 22:54 Ortszeit vor dem Yachtclub AFASyN den Anker fallen.

Die ganze Crew hat während der gesamten Passage wie ein Mann zusammengestanden und laufende Segelwechsel vorgenommen, um die `Walross` die 13 Stunden, vom Ausfall der Antriebsmaschine an bis zur Ankunft in Ushuaia, sicher durch den Beagle Channel zu segeln. Meist standen Dieter oder Rainer am Ruder und hielten den aus dem Navigationsschapp angegebenen Kurs. Vor der Einfahrt in den Beagle Channel hat der Schiffer mit Sven am Kartentisch detailliert die Karten und Handbücher durchgearbeitet. Er konnte sich während der gesamten Passage einschließlich der Nachtankunft in Ushuaia auf Sven verlassen – der `tickte` in Bezug auf die Navigation inzwischen exakt wie der Schiffer selbst. Mit seiner überzeugenden Darstellung im Navischapp hat Sven ihm die Entscheidung erleichtert, doch nicht über Nacht einen Ankerplatz aufzusuchen oder Puerto Williams als Nothafen anzulaufen, sondern bis Ushuaia weiterzusegeln. Claus war sehr zufrieden mit seiner gesamten Mannschaft, die in dieser kritischen Situation hervorragend zusammenarbeitete. Ein schöner Abschluß der Seereise.

Anschließend haben wir im Cockpit gesessen und mehr als ein Bier zu uns genommen. Der nächste Tag begann um 14:00 mit dem Frühstück. Rainer, Hans und Claus hatten um 12:00 als `Frühausteher` schon einmal die Segellast ausgeräumt. Irgendwann war auch die restliche Crew wieder ansprechbar.

Pünktlich nach dem Frühstück um 15:30 tauchte Roxanne vom AFASyN auf, um der `Walross` bei der Einklarierung in Argentinien zu helfen. So trottete die Crew kurze Zeit später geschlossen in Zweier Reihe hinter Roxanne in die Prefectura Naval, um die Formalitäten abzuwickeln. Erstaunlich, dass uns der Beamte nicht sofort aus seinem Büro geschmissen hat – zehn duschfreie Segler, die einen dezenten Puma-Geruch in seinen Räumen verbreiteten, waren sicherlich nicht unbedingt sein tägliches Klientel.

Viele Grüße von Bord, Claus und die Walross-Crew

„Walross IV“ ist die hochseegängige Vereinsyacht des Akademischen Segler-Vereins. Das Schiff wurde 2006-2007 in Berlin und Glückstadt gebaut. Konstruiert wurde das Schiff vom Designer Georg Nissen aus Laboe bei Kiel. Das 16,95 m lange Schiff ist als hochseetaugliche Fahrtenyacht (performance cruiser) konzipiert – für weltweite Fahrt unter allen Wetterbedingungen. Walross IV hat für 10 Personen feste Kojen an Bord.

Nachdem einige Pannen die Rückreise über ein halbes Jahr lang verzögerten, soll die “Walross IV” im Sommer endlich wieder Deutschland erreichen.

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