Neue Hauptmaschine für “Roald Amundsen”
1.02.2010 | Ausbildung, Bootsbau, OldtimerTrotz Schnee und Eis gehen die Umbauarbeiten bei offenem Deck am Segelschulschiff weiter.
Das Segelschulschiff “Roald Amundsen” mit Heimathafen Eckernförde wird derzeit in Rostock mit einer neuen Hauptmaschine ausgerüstet. Der Einbau erfolge trotz Dauerfrost unter freiem Himmel, wie Andreas Wolf vom Verein “Leben Lernen auf Segelschiffen” sagte. Für das Heraushieven des alten Antriebs und den Einbau der neuen Maschine sei extra das Deck aufgeschnitten worden. Um die Temperaturen für die Arbeiter erträglich zu halten, laufe der Schiffsdiesel für die Bordheizung “rund um die Uhr”.
Mit einem Schwerlastkran wurde das Hauptteil des Acht-Zylinder-Antriebs eingesetzt, in den nächsten Tagen folgen kleinere Bauteile. Die Vorgängermaschine war bereits 50 Jahre im Dienst und sehr störanfällig, wie Maschinist Wolf sagte. Das neue baugleiche Aggregat sei zwar ebenfalls nicht fabrikneu, jedoch generalüberholt. Die Hauptmaschine soll die Brigg in gleicher Art und Weise wie die Vorgängerin antreiben, wenn der Wind einmal ausbleibt.
Mitte Februar sollen die Arbeiten nun endgültig abgeschlossen sein, nachdem durch einen längeren Werftaufenthalt in Kiel der Zeitplan bereits durcheinander gekommen ist. „Eigentlich sollten wir um diese Zeit in Richtung Kanaren unterwegs sein“, sagt Bootsfrau Tina Wiese, die seit zehn Jahren zur Stammcrew gehört. Dann aber hatte der Werftaufenthalt des Seglers in Kiel viel länger gedauert als erwartet. „Wir haben viereinhalb Tonnen Muscheln vom Schiffsboden abgekratzt und ein paar Löcher entdeckt. Das musste ebenso repariert werden wie ein paar Tanks, war alles nicht geplant“, erzählt die 32-Jährige.
Durch die Eigenarbeit der Vereinsmitglieder spare der Verein „Leben Lernen auf Segelschiffen“ eine Menge Geld, sagt Hauptmaschinist Andreas Wolf. Allein für den neuen Schiffsantrieb von Kloska DMR sei lange gespart worden. Er ersetze die 60 Jahre alte Maschine, die robust und zuverlässig ihren Dienst getan habe. „Wir wollten eine baugleiche, auch wegen dem Sound“, erklärt der 49-Jährige. Um den neuen Antrieb in das Schiffsgehäuse zu bugsieren, musste Wolf das obere Deck aufschneiden. Durch das 1,60 Meter mal 1,20 Meter große Loch und ständig offene Türen ist es kalt im Schiff. Mit dieser Kälte, die einige Arbeiten verzögere, habe aber niemand rechnen können.
Nach Erprobungsfahrten Richtung Heimathafen Eckernförde segelt der 50 Meter lange Zweimaster Ende Februar zu den Kanaren und weiter nach Nordamerika. Damit aber der nach der Rostocker Liegezeit geplante Törn Richtung Nordamerika mit 30 Trainees planmäßig stattfinden kann, muss sich die Crew sputen und ihr Schiff vor Dauer-Frostschäden bewahren. »Den Segeln tut die Kälte nicht gut. Wir hätten sie gern reingeholt, aber das Anschlagen der drei Segel für die Überfahrt nach Rostock hat schon einen Tag gedauert. Das können wir uns jetzt nicht leisten«, sagt Tina. Bedenken hat sie auch wegen des Eisganges im Hafen. »Die Schollen kratzen mächtig an der Außenhaut, da ist der frische Lack schnell wieder ab.« Ob die »Roald Amundsen« gemäß ihrem Namenspatron denn nicht auch für Eisgewässer gebaut sei? »Das Schiff hat sogar eine Eisklasse, nämlich durch einen verstärkten Bug. Aber das wollen wir mal nicht ausprobieren”, sagt Maschinist Wolf.
Im Sommer wird die Brigg auf den Großen Seen in Nordamerika kreuzen.




Montag, 1. Februar 2010 9:31
Ein höchst interessanter und aufschlussreicher Artikel – vielen Dank!
Mittwoch, 17. März 2010 16:19
[...] Mitsegeln kann man bei der Roald Amundsen natürlich auch! Und wer mehr über “Emma” erfahren möchte, klickt hier: Neue Hauptmaschine für “Roald Amundsen” [...]