Das segelnde Klassenzimmer ist zurück
30.04.2009 | Ausbildung, Großsegler, Institution/VereinNach sechs Monaten aus See: Empfang für die segelnden Schüler in Hamburg.
Mathe in der Biskaya, Vokabeln unter karibischer Sonne und Biologie im Dschungel von Costa Rica. Am Samstag, den 2. Mai kommen 24 Schüler aus ganz Deutschland zurück nach Hamburg und beenden das Abenteuer „High Seas High School“ – Schule auf hoher See. Sechs Monate lang haben sie auf dem Zweimast-Segelschiff „Johann Smidt“ des Vereins Clipper DJS e.V. als dem „segelnden Klassenzimmer“ gelebt und gelernt.
Die „High Seas High School“, das „segelnde Klassenzimmer“ geht am Samstag, den 2. Mai im Hamburger Sandtorhafen zu Ende. Gemeinsam mit der holländischen „Astrid“, dem zweiten Schiff des diesjährigen Projekts, legt der Schoner „Johann Smidt“ in dem Museumshafen an und etwa 200 Eltern, Geschwister und Freunde nehmen 43 Atlantiküberquerer und Karibiksegler zwischen 14 und 19 Jahren in Empfang.
Zum Begrüßungskomitee im neuen Museumshafen Sandtorkai in der Speicherstadt gehört auch Christina Rau, die Witwe des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. Außerdem wird der Dreimaster „Amphitrite“ dem Schwesterschiff des Vereins auf der Elbe entgegensegeln und die „Johann Smidt“ am Freitag Nachmittag in Höhe Cuxhaven willkommen heißen.
Bastian Hagmeier aus Kaltenkirchen war begeistert von der Idee, ein halbes Jahr Schule unter Segeln zu erleben. „Er hat mich nicht lange zu überzeugen brauchen“, sagt Vater Volker Hagmeier. Mittlerweile fragt er sich, ob er demnächst seinem Sohn zu Hause eine Hängematte aufhängen soll, damit die Schiffsbewegungen ein wenig länger zu fühlen sind. Der 16-jährige Bastian wollte sich der Herausforderung stellen, auf begrenzten Raum für längere Zeit mit vielen Menschen zusammen zu sein und Kontakte zu knüpfen. Er ist im vergangenen Oktober an Bord des Traditionsseglers „Johann Smidt“ des Vereins Clipper Deutsches Jugendwerk zur See (DJS) e.V. gegangen. „Das Projekt der Hermann-Lietz-Schule auf Spiekeroog passt zu den Zielen des Vereins, Jugendsegeln und die Jugendarbeit zu fördern“, sagt Nikolaus Kern, Vorsitzender des Vereins Clipper. Er hat die Schüler auf einer Etappe begleitet und eine enorme Entwicklung bei ihnen festgestellt.
Knapp vor Ende der Abenteuerreise ist Bastian in Gedanken schon beinahe auf dem nächsten Segeltörn. Seine Mitschülerin und Mitseglerin Karen Eckhoff hat vor dem inneren Auge zunächst als Ziel, das Abitur zu machen, denn das stand beim Ablegen noch nicht ganz fest. Mit einem großem Fragezeichen „Was kommt jetzt?“ haben beide sich verabschiedet. „Und es war ein sehr bewegter Abschied“, erinnert sich Volker Hagmann. Gerd Eckhoff hat noch im Ohr, dass seine Tochter sich gleich zu Anfang im Herbst den Titel „Goldreiher“ gegeben hatte, denn sie wurde auf der ersten Etappe sofort seekrank. Nach Hause schrieb sie: „Es ist erst der zweite von 198 Tagen und es besteht noch die Chance, den Titel abzugeben“. Doch die Zeiten von Seekrankheiten sind längst vorbei.
Erfahrene Seeleute und Maschinisten haben dazu beigetragen, dass die Schüler nicht nur Mathe, Spanisch und Bio unter blauen Karibikhimmel lernen, sondern jetzt auch etwas von Navigation, Generatoren und Segelführung verstehen.
Schon in den Tagebuch- und Logbuchberichten war die Begeisterung der Schüler zu lesen. Sie haben zweimal den Atlantik überquert, bei Wind und Wellen die Schulbank gedrückt und Exkursionen an Land unternommen. Bastian Hagmeier und Karen Eckhoff bezeichnen beide den langen Aufenthalt in einem Dorf in Costa Rica als den Höhepunkt des Halbjahres. Karen war begeistert von dem engen Kontakt zu der fremden Kultur. „Leute, die Wasser aus dem Fluss trinken, so einfach leben und dabei glücklich leben, das ist faszinierend“, berichtet sie.
Zum Ende dieses ungewöhnlichen Schuljahres aus praktischen Lehrinhalten, ungewöhnlichen Orten zu lernen und Erfahrungen an Bord fürs Leben, haben beide Schüler Veränderungen an sich selber bemerkt. Karen ist überzeugt, dass sie einiges gelernt hat und in ihren Zielen bestärkt nach Hause kommt. Bastian ist dadurch, dass er kaum Kontakt zu den Eltern hatte, unabhängiger geworden, meint er. Dabei hat er viele neue Freundschaften in allen besuchten Ländern geschlossen und dadurch eine enorm hohe Handy-Rechnung. Vater Volker Hagmeier ist überzeugt davon, dass alle Teilnehmer vor den Mitschülern zu Hause nun einen Vorsprung haben und über seinen Sohn meint er: „Da ist ein junger Mann draus geworden!“
Am Donnerstag, 30. April legt „Johann Smidt“ gegen 15.00 Uhr in Cuxhaven an und läuft am Freitag, 1. Mai gegen Mittag wieder aus. Besuche an Bord sind in Cuxhaven nach Absprache möglich. „Johann Smidt“ und „Astrid“ werden am 2. Mai 2009 von 10.00 bis 12.00 Uhr zur offiziellen Begrüßung im Sandtorhafen in Hamburg festmachen. Dazu sind Vertreter der Medien herzlich eingeladen. Anschließend verholen die Schiffe nach Harburg in den Binnenhafen.



