Segeln im Familienverbund
27.02.2009 | AllgemeinEin Ausschnitt aus dem aktuellen Buch des Weltumseglers Jimmy Cornell.
Der international bekannte englische Segelbuchautor, Jimmy Cornell, hat mit seinem neuesten Werk ein lesenswertes autobiografisches Buch für alle vorgelegt, die das Segeln lieben. In „Sehnsucht nach der See“ wird von ihm auch das Thema des Familiensegelns ausführlich behandelt. Jimmy Cornell weiß wovon er schreibt. Immerhin ist er 200.000 Meilen gesegelt. „Das Buch hätte ich gerne vor meiner ersten Weltumseglung gehabt“, sagt Cornell selbst zu seinem neuesten Werk.
„Das wichtigste und schwierigste Unterfangen ist, deinen Traum in die Tat umzusetzen. Die Höhepunkte kommen von selbst.“ (Klaus Girzig)
Sechs wundervolle Jahre habe ich (Jimmy Cornell) in engster Gemeinschaft mit Gwenda und unseren beiden Kindern Doina und Ivan verbracht. Diese glückliche Verbindung dauert bis heute an. Daher ist es kein Wunder, dass ich die Familie als ideale Konstellation auf einem Fahrtenboot betrachte. Es gibt in der Tat viele ähnliche Beispiele. Herausragend unter meinen Segelfreunden sind in dieser Beziehung: Erick und Muriel Bouteleux, die mit ihren Kindern auf Calao die Welt bereisten, die drei Generationen auf Duen, auf der Albert und Dottie Fletcher, ihre Kinder und Enkel 14 unglaubliche Jahre lang weltweit unterwegs waren, und nicht zuletzt Arthur und Germaine Beiser. Beide sind nun Mitte 70 und segeln immer noch, so wie sie es vor über 50 Jahren praktiziert haben.
Die Entscheidung zum Aufbruch
„Weder das Boot noch die Menge an Ausrüstung, die du hast, zählt wirklich. Steig einfach aus und lebe deinen Traum. Der tatsächliche Aufbruch war das schwerste, was wir jemals getan haben.“ (Carlton DeHart)
Die Entscheidung, dem Leben an Land den Rücken zugunsten eines Lebens auf See zu kehren, kann eine enorme Belastung für eine Ehe sein. Selbst die harmonischsten Beziehungen sind davon ernstlich betroffen. Mir sind einige solche Beispiele während meiner Tätigkeit
als Rallyeorganisator begegnet. Gelegentlich wurde ich um Rat gebeten, wie man zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung kommen könnte. Allzu oft stammt die ursprüngliche Idee, auf große Fahrt zu gehen, vom Mann. Es gibt für mich keinen Zweifel daran, dass der Forschungsdrang, die Liebe zum Abenteuer und die willentliche Auseinandersetzung mit der Natur typisch männliche Eigenschaften sind. In meinem Fall war es mein Verlangen die Welt zu sehen, dem meine Familie zu folgen hatte. Es war ein Glücksfall, dass Gwenda selbst auch abenteuerlustig war und Reisen liebte. So war meine Aufgabe, sie vom Aussteigen aus dem Alltag und Aufbruch ins Blaue hinein zu überzeugen, nicht sehr schwierig. Nach dem, was ich später beobachtete, war Gwenda in dieser Hinsicht außergewöhnlich. Viele Frauen, die ich traf und die mit ihrem Partner segelten, waren mehr oder weniger widerwillig bei der Sache. Einige waren mutig genug zuzugeben, dass dies der Preis sei, den sie für das Weiterbestehen ihrer Ehe zahlen müssten. Es gab auch Männer, die ihren Traum nicht aufgeben, aber gleichzeitig ihre Ehe aufrechterhalten wollten. Sie fanden eine Lösung, die beide Parteien zufrieden stellte. In den meisten Fällen lief das darauf hinaus, alle langen Törns mit Freunden oder angeheuerter Crew zu segeln; die Frau kam nur zu den Cruising-Etappen hinzu. Fast immer war das ein machbarer Kompromiss, und ich traf mehrere Fahrtenyachten, die auf diese Weise vergnügt um die Welt segelten. Bei jeder der Um-die-Welt-Rallyes gab es Ehefrauen, die es vorzogen, ihrem Mann per Flugzeug von Ort zu Ort nachzureisen und so längere Passagen auf hoher See vermeiden. Doch gelegentlich kann auch der beste Wille der Welt das Widerstreben des einen oder anderen Partners, einen Kompromiss einzugehen, nicht überwinden. Das beste Beispiel in diesem Zusammenhang ist das eines australischen Teilnehmers an der Millennium Odyssey. Als er von der Weltumsegelung in Form einer Fahrtengemeinschaft las, teilte er seiner Frau mit, dass er gerne daran teilnehmen würde. Diese widersetzte sich vehement, doch er ließ sich nicht von seinem Plan abbringen.
„Mein ganzes Leben lang bin ich ein verantwortungsvoller Familienvater gewesen. Aber jetzt sind die Kinder erwachsen, und es geht uns finanziell gut. Ich denke, es ist höchste Zeit, dass ich etwas für mich selbst tue.“ Darauf erwiderte die Frau: „Entweder das Boot oder ich.“ „In dem Fall ist es, so leid es mir tut, das Boot.“ Und er war auf und davon.
Es gibt aber auch einige Ausnahmen, die mir begegnet sind. Die bemerkenswerteste war der Fall einer Frau, die ich in Tahiti traf. Sein ganzes Leben lang hatte ihr Mann davon geträumt, auf Weltumsegelung zu gehen. Als der Ruhestand näher rückte, begann er mit dem Bau seines Traumbootes. Unglücklicherweise brachte sein vorzeitiger Tod diesen Traum zu einem traurigen Ende. Doch seine Frau wollte den Herzenswunsch ihres Mannes nicht aufgeben und beschloss, das Boot fertig bauen zu lassen. Als ich ihr begegnete, war sie mit ihrem Sohn schon das zweite Jahr unterwegs. Sie hatte den Traum ihres Mannes zu ihrem eigenen gemacht.
Niemals habe ich ein besseres Beispiel an Beharrlichkeit, allen Widrigkeiten zum Trotz aufzubrechen gesehen als im Falle eines siebzigjährigen ARC-Teilnehmers. Er war von seinem Arzt ermahnt worden, wegen seines Herzleidens die riskante Atlantiküberquerung abzublasen. Unverdrossen fuhr er mit seinen Vorbereitungen fort, doch dann ereilte ihn einen Skiunfall. Dieses Mal bestand sein Arzt darauf, dass er die Reise absagen müsste. „Wenn ihr alle so besorgt um meine Gesundheit seid, dann müsst ihr alle, also du selbst, der Kardiologe und der Orthopäde eben mitsegeln, denn ich fahre los, komme was wolle!“, sagte er zu seinem Arzt. Und so kam es.
Mit einigen Familienmitgliedern und seinen drei Leibärzten ging er auf große Fahrt. Vielleicht wäre ein besserer Titel für dieses Kapitel gewesen: „Die Entscheidung, aufzubrechen und weiterzufahren.“ Denn viele Reisen kommen zu einem frühzeitigen Ende, weil einer der Partner zu dem Entschluss kommt, dass das nicht die Art Leben ist, die sie oder er führen will. Die gute Beziehung zu seinem Partner ist ein entscheidender Faktor, und man sollte niemals eine Reise antreten, wenn man irgendwelche Zweifel an der Stärke der persönlichen Beziehung hat. Vielen Menschen öffnet das Segelleben grausam die Augen, und sie müssen feststellen, dass sie ihren Partner vorher kaum gekannt haben. Das trifft besonders zu, wenn beide Partner an Land anspruchsvolle Berufe hatten und nur wenige Stunden pro Tag miteinander verbrachten. 24 Stunden lang auf engstem Raum zusammen zu sein hat Auswirkungen auf jede Partnerschaft. Eine Frau bemerkte zynisch, dass das Leben an Bord ein gutes Mittel sei, Menschen auseinander zu bringen. Oftmals führt die passive Rolle, die einige Frauen bei der ursprünglichen Entscheidung gespielt haben, im Verlauf der Reise zu Problemen. Dadurch wird nicht nur die Fortsetzung der Fahrt gefährdet, sondern auch die Beziehung selbst.
Ich war in der glücklichen Lage, mein Leben lang auf Gwendas Unterstützung zählen zu können, doch seit einiger Zeit scheint selbst ihre unendliche Toleranz erschöpft zu sein. Die Entscheidung, die zweite Aventura bauen zu lassen, verursachte keine Probleme zwischen uns, da ich niemals plante, zu einer langen Reise aufzubrechen. Die dann doch folgende Weltumsegelung, die größtenteils im Rahmen der Um-die-Welt-Rallye Europa 92 stattfand, ergab sich vorrangig aus der Notwendigkeit, eine permanente Operationsbasis für unsere Mitarbeiter zu schaffen. Doch als ich mit Aventura III ankam und sie entsprechend ausrüstete, war Gwenda klar, dass ich wiederum ernsthaft eine große Reise im Sinn hatte. Ganz offen erklärte sie mir, dass ich diesmal nicht auf ihre volle Unterstützung zählen könne. Das verstand und akzeptierte ich. Daher begleitete sie mich auch nicht auf meinem Törn in die Antarktis, doch als Ivan und ich unsere Reise über den Pazifik von Chile nach Alaska antraten, stieß Gwenda auf den Osterinseln zu uns und segelte die ganze Strecke bis Tahiti mit. Bei den Törns in Alaska und Britisch-Kolumbien war sie ebenfalls dabei. Wir hatten die gleiche Abmachung während Aventuras kürzlich beendeter Weltumsegelung. Gwenda ließ die meisten Ozeanüberquerungen aus, begleitete mich aber auf allen Segeltörns zwischen den Inseln. Wir haben beide von dieser Situation profitiert, und der Erfolg dieser Vereinbarung ist ganz allein Gwenda zuzuschreiben, die – wenn auch widerstrebend – weise einsah, dass ich ein hoffnungsloser Fall war. Niemals würde ich den Segelvirus aus meinem Blut bekommen, und so fügte sie sich ergeben in ihr Schicksal.
Der Entschluss auszusteigen hat eine so schwerwiegende Bedeutung für das Leben des Einzelnen, dass ich die Diskussion nicht auf meine persönlichen Erfahrungen begrenzen, sondern Kommentare und Ratschläge von anderen Seglern in der gleichen Situation einbringen möchte. Carlton DeHart schrieb in diesem Zusammenhang: „Meine wichtigste Hand- lung war die Entscheidung, es zu tun, alle Verbindungen zu lösen, aufs Boot zu steigen und loszusegeln. Zu viele Menschen planen ihr ganzes Leben lang die große Reise, brechen aber nie auf, aus welchen Gründen auch immer.“
Einige der Segler, die ich befragte, versuchten, die Angelegenheit realistisch anzugehen. Glynn Beauchamp zum Beispiel gab zu bedenken, dass Langstreckensegeln anstrengend und manchmal sogar langweilig sei. Einige Paare beschlossen, auf langen Etappen Crew mitzunehmen, um an Bord Hilfe zu haben.
Ideales Alter
„Es gibt kein ideales Alter, aber ich weiß, dass hier und heute der beste Zeitpunkt ist, aufzubrechen, denn morgen kann es schon zu spät sein.“ (Jimmy Cornell)
Diese Auffassung vertrat ich vor vielen Jahren, und ich vertrete sie noch heute. Viele Um-die-Welt-Rallyes ziehen pensionierte Segler um die sechzig an, die endlich die Gelegenheit ergreifen, etwas zu unternehmen, was ihnen in ihrem von Terminen diktierten Leben bisher versagt blieb. In der Millennium Odyssey hatten wir drei Skipper dieses Schlages dabei. Innerhalb von wenigen Monaten erhielt jeder von ihnen die Diagnose, dass er an Krebs erkrankt sei. Sie mussten zur Behandlung nach Hause zurückkehren, während ihre Crews mit Hilfe anderer Rayllye-Teilnehmer die Reise fortsetzten. Zwei der Skipper stießen wieder zur Flotte, der dritte konnte nur die Abschlusszeremonie in Rom besuchen. Sie alle versicherten, wie glücklich sie seien, dass sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnten, aber auch, wie sehr sie bedauerten, dass sie es nicht schon früher getan hätten. „Was immer du machen und wann immer du aufbrechen willst, schieb es nicht auf die lange Bank.“ Weise Worte von Carlton DeHart.
Obwohl es vermutlich kein ideales Alter gibt, war im Nachhinein gesehen unsere Entscheidung, mit 35 aufzubrechen, richtig. Wir beide waren in guter physischer Verfassung, und auch das Alter unserer Kinder passte zu unserer sechsjährigen Reise.
Segelnde Paare
Eine Boot ist nicht der Ort, um eine schlechte Beziehung zu kitten, weder mit einem Partner, einem Kind oder einem Freund. Wenn jemand dich an Land irritiert, wird das an Bord nur schlimmer. Manche Menschen sind emotional nicht für das Leben auf beengtem Raum geschaffen. Sie sind nicht schwierig oder Eigenbrötler, sie sind einfach keine Bootsleute.
Saundra Gray
Saundra segelt schon seit vielen Jahren mit ihrem Mann Charlie. Sie waren mit ihren Kindern unterwegs und nahmen an der America 500 und der Millennium Odyssey teil. Sie sind eines der außergewöhnlichsten Paare, die mir je begegnet sind. Ihre Kommentare und Ratschläge für andere Segler zeugen von herausragendem Realismus und gesundem Menschen- verstand. Im Vorhergehenden habe ich einige der Probleme erörtert, mit denen segelnde Paare möglicherweise konfrontiert werden. Doch ich möchte ausdrücklich betonen, dass es sehr viel mehr glücklich verlaufende Geschichten gibt. Zu den bemerkenswerten Paaren gehören Bob und Judy Hall sowie Betty und Duke Marx, die wie Saundra und Charlie bei der America 500 und der Millennium Odyssey mitgesegelt sind. Wir sind schon seit über 15 Jahren befreundet und haben viele angenehme Stunden miteinander verbracht. Dies sind Beispiele für sich perfekt verstehende Segelpaare. In Judys Worten: „Wir segeln sehr gerne miteinander und haben eine wunderbare enge und liebevolle Beziehung.“ Lois und Don Babson, ebenfalls Teilnehmer an der Millennium
Odyssey, sagten: „Wir segeln als Paar und sind glücklich über unsere enge Verbindung.“
Dottie und Albert Fletcher sind ein weiteres ausgezeichnetes Beispiel für eine dauerhafte Verbindung. Auch Erick und Muriel Bouteleux sind ein Beispiel für Harmonie, ebenso wie Jody und Carlton DeHart.
Marcia Davock betonte, dass in bestimmten Situationen Frauen mehr Ausdauer hätten als Männer, wohingegen Saundra Gray zugab, dass Situationen vorkämen, in denen es nicht leicht sei, sie nur zu zweit zu meistern. „Wir genießen es, allein auf dem Boot zu sein, aber bei langen Etappen, insbesondere bei rauem Wetter, ist es schön, zwei helfende Hände zu haben. Es kann jedoch auch Unstimmigkeiten durch die Extra-Crew geben, da sich die Beziehung zwischen zwei Menschen verändert, wenn ein dritter dazukommt.“
Mangelnde Segelerfahrung kombiniert mit der Angst vor einem langen Törn kann ernsthafte Konsequenzen haben. Das war der Fall bei zwei Vätern, die sich aus der Ferne große Sorgen über ihre Verantwortung gegenüber ihren Familien machten. Einer von ihnen kam physisch und psychisch erschöpft in der Karibik an, weil er einige Nächte aus lauter Angst vor dem bevorstehenden Landfall nicht geschlafen hatte. Der andere Skipper war nach dem Törn all seiner Illusionen beraubt. Er hatte Frieden auf See gesucht, aber nur Unbehagen gefunden. Sein Entschluss stand fest, die Reise bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu beenden. Das war ein schmerzliches Erwachen für jemanden, der 30 Jahre von diesem Törn geträumt, aber sich nie mit den praktischen Aspekten davon befasst hatte. Ironischerweise hatte seine Frau, die sich nur ungern zu dieser Reise veranlassen ließ und es nur seinem langgehegten Wunsch zuliebe machte, Gefallen am Segelleben gefunden, und es widerstrebte ihr sehr, einfach aufzugeben.
Arbeitsteilung
Das Teilen von Verantwortung ist wichtiger Bestandteil einer harmonischen Beziehung, und eine faire Arbeitsteilung ist auf See genauso wichtig wie an Land. Während des ersten Sommertörns auf Aventura I kamen wir überein, dass es sinnvoller sei, wenn Gwenda am Ruder stand und ich als der körperlich Kräftigere mich um Leinen, Anlegen und Ankern kümmerte. Mit der Zeit wurde Gwenda im Umgang mit dem Boot sehr geschickt. Wir hielten dieses System während unserer gesamten Reise aufrecht, sahen eine solche Praxis auf anderen Booten aber eher selten. In Fidschi trafen wir Susan und Eric Hiscock. Unter anderem sprachen wir beim Abendessen auf unserem Boot über die Aufgabenverteilung an Bord. Susan gab dazu ein paar scharfe Kommentare ab. Ihr Tenor war: „Männer sind einfach Machos, sie wollen alles unter Kontrolle haben.“ Tatsächlich beobachteten wir viele Situationen, in denen ein stämmiger Mann vom Steuerrad aus lauthals Befehle erteilte, während seine zierliche Frau mit einem riesigen Anker kämpfte oder versuchte, das Boot vom Kai abzuhalten.
Das Thema Arbeitsteilung faszinierte mich so sehr, dass ich bei einer Umfrage in der Millennium Odyssey wieder darauf zurückkam. Meine früheren Untersuchungen ergaben, dass Frauen gewöhnlich zu einer zweitrangigen, oft passiven Rolle verdammt waren. Doch in meiner letzten Umfrage zeigte sich, dass die Aufgaben inzwischen mehr nach Fähigkeiten als nach den traditionellen Verhaltensmustern, die immer noch das Landleben bestimmen, verteilt wurden.
„Einige Tätigkeiten werden aufgeteilt, andere nicht. Jeder von uns tut das, was er am liebsten macht oder am besten kann. Ich als Frau kümmere mich um die Verproviantierung, Kommunikation und Navigation, gehe Wache und steuere das Boot in brenzligen Situationen, wenn männliche Kraft anderswo gefragt ist”, schrieb Judy Hall.
Segelnde Kinder
Zu Beginn unserer Reise war Doina sieben und Ivan fünf. So konnten sie aktiv am Bord-leben teilnehmen und waren auch alt genug, um die Orte zu schätzen, die wir besuchten. Bei unserer Rückkehr war Ivan elf und Doina fast vierzehn. Sie war damit ein oder zwei Jahre über das beste Alter für diese Art Leben hinaus. Ich befragte Doina einmal zu diesem Thema und sie sagte, dass das größte Problem für ein Kind, das lange Zeit dem Landleben entwöhnt war, die Wiedereingliederung in normale Verhältnisse sei. „Die Schwierigkeit lag nicht so sehr darin, dass es nicht einfach war, sich wieder dem Leben an Land anzupassen, sondern dass die anderen Kinder nicht in der Lage waren, mich als eines von ihnen akzeptieren. Ich war einfach ganz anders als sie. Für Ivan war es genauso schwierig. Kinder können sehr grausam sein.“
Da Kinder von Natur aus sehr anpassungsfähig sind, können selbst die ganz kleinen mit dem Leben an Bord zurechtkommen. In all den Jahren bin ich mehreren Kindern begegnet, die während der Reise ihrer Eltern geboren wurden und ohne Probleme in einer solchen Umgebung aufwuchsen. Wie wir selbst herausfanden, begannen die Schwierigkeiten erst mit der Pubertät.
Unsere Erfahrungen mit der Erziehung von Kindern an Bord waren sehr positiv. Mir sind jedoch mehrere Familien begegnet, wo das nicht der Fall war. Dabei lag der Fehler immer bei den Eltern, die entweder die Angelegenheit zu sorglos handhabten oder nie ernsthaft darüber nachdachten, was am besten für ihr Kind wäre. Ein Beispiel dafür ist ein kleiner Junge von etwa eineinhalb Jahren, der mit seinen Eltern an einer der Um-die-Welt-Rallyes teilnahm. Die Eltern legten die Haltung an den Tag: „Lass das Kind ohne Zwänge aufwachsen.“ Demzufolge war der Junge noch nicht sauber und lief immer mit nacktem Popo oder vollkommen unbekleidet herum. An einigen Orten, die wir mit der Rallye besuchten, wurde ein derartiges Verhalten nicht gern gesehen.
Einige der Kinder waren verwöhnt und ungezogen und meistens so unbedacht wie
ihre Eltern. Am schlimmsten waren Jungen zwischen 15 und 18, die offensichtlich frustriert waren, weil sie keinen Umgang mit Gleichaltrigen hatten, was in diesem Alter so wichtig ist. Gewöhnlich waren das auch die Kinder, deren Erziehung von den Eltern vernachlässigt wurde, entweder weil sie sich damit nicht befassen konnten oder wollten, vielleicht aber auch, weil sie aufgrund ihrer eigenen mangelnden Erziehung dazu nicht in der Lage waren. Der größte Nachteil für solche Kinder ist vermutlich, dass sie kein soziales Verhalten lernen, wie es in einer großen Schule mit anderen Heranwachsenden der Fall wäre.
Jody DeHart, deren siebenjährige Tochter mit der Familie zwei Jahre lang um die Welt tourte, sagte: „Die Pros überwiegen die Kontras so stark, dass die Nachteile eigentlich nicht ins Gewicht fallen. Kinder an Bord lernen, sich selbst mit Lesen, Basteln und Schularbeiten zu beschäftigen und zwar auf eine Weise, die Kinder in der Schule und mit einem Fernseher zu Hause nicht nachvollziehen können. Sie lernen, wie man aus Büchern Wissen erwirbt, was ihnen ihr ganzes restliches Leben lang zugute kommt, wie man unterwegs schnell Freunde findet und wie man mit Erwachsenen umgeht, wenn keine anderen Kinder da sind. Sie sehen, dass ihre Eltern oft schwierige Entscheidungen zu treffen haben.“
Jody gehörte zu den Eltern, die ihre Verantwortung ernst nahmen. Saundra Gray, die mit ihren Kindern unterwegs war, berichtet von ”vielen Erziehungserfolgen an Bord von Booten. Bei manchen Eltern klappte es jedoch nicht so gut, nicht viel anders als bei sesshaften. Eine Segelfamilie ist wie eine Pionier- oder Entdeckerfamilie; sie muss selbstgenügsam, unabhängig und kreativ sein. Beide Partner müssen reife, gestandene Menschen sein, um das Leben mit Kindern auf See erfolgreich zu gestalten.“
Kinder, die an Bord eines Segelboots aufwachsen, sind normalerweise selbstbewusst und entwickeln sich unter richtiger Anleitung sehr gut. An unserem Esstisch war das Hauptthema meistens Politik. Kein Wunder, wenn der Vater Journalist ist und man täglich mit BBC-Nachrichten gefüttert wird. Ein weiteres großes Thema waren die Kultur und die Menschen des Landes, das wir gerade besuchten. Während diesen Tagen und aus den oftmals heißen Diskussionen haben Doina und Ivan gelernt, ihre eigene Meinung zu vertreten. Selbst heute, mehr als 30 Jahre später, sind Familienessen bei den Cornells immer noch
eine laute Angelegenheit.
Seit frühester Kindheit hat uns Ivan immer wieder mit seiner scharfen Beobachtungsgabe verblüfft. Ich werde niemals die peinlichen Momente vergessen, die er uns gleich beim Start von Aventuras erster Reise bereitete. Während wir uns auf die Fahrt durch die Biskaya vorbereiteten, hielten wir uns für ein paar Tage auf dem Fluss Fowey in Südwestengland auf. Freunde aus der Umgebung waren vorbeigekommen, um uns zu einer Muring zu lotsen. Wir saßen alle im Cockpit und unterhielten uns lebhaft. Ivan klopfte mir auf die Schulter. „Daddy, das Boot bewegt sich.“ „Natürlich bewegt es sich. Es ist schließlich ein Boot und kein Haus“, erwiderte ich recht ungeduldig und wandte mich wieder der Unterhaltung zu. Einige Minuten später stand er wieder neben mir. „Daddy, die Boote bewegen sich.“ „Boote? Welche Boote?“, fragte ich und schaute auf die anderen liegenden Schiffe. Entsetzt musste ich feststellen, dass wir es waren, die sich bewegten, nicht sie. Wir waren geslippt, da unsere Freunde die Muring nicht richtig belegt hatten, und während wir uns unterhielten, waren wir mit der auslaufenden Tide in Richtung See getrieben. Sofort ergriffen wir die entsprechenden Maßnahmen, aber alle hatten dank eines fünfjährigen Jungens rote Gesichter. Seitdem habe ich Ivan immer ernst genommen.
Schwimmen
Während wir die Zyklonsaison in Papua-Neuguinea verbrachten, wurden wir Zeuge einer schrecklichen Tragödie, die sich auf einem Nachbarboot ereignete. Ein unbeaufsichtigtes Kleinkind fiel ins Wasser und ertrank. Schon in früher Jugend haben wir Doina und Ivan Schwimmen beigebracht. Als wir zu segeln begannen, war der Unterricht leichter zu bewerkstelligen. In Bequia konnte Ivan schon ohne Hilfe um das Boot herumschwimmen und erhielt einen schönen Preis für seine Leistung. Vor kurzem wandte ich die gleiche Lehrmethode bei unserer Enkelin Nera an. Sie überraschte uns alle, als sie die ganze Bootslänge schwimmend zurücklegte, obwohl das Wasser recht kalt war und ihr Gesichtsausdruck deutlich zeigte,
wieviel Angst sie hatte. Angesichts einer solchen Entschlossenheit und Willenskraft war ich doch sehr beeindruckt von diesem sechsjährigen Mädchen. Zweifellos kommt sie nach ihrer Mutter, die immer eine gute Schwimmerin war. In den Tropen war nach Muscheln Tauchen Doina und Ivans Lieblingssport, und in Neuseeland gewann Doina die Schwimmmeisterschaft ihrer Schule. Nach unserer Rückkehr nach London entschied Doina, einem Tauchclub beizutreten, was damals noch eine sehr von Männern beherrschte Domäne war. Der Tauchlehrer sagte ihr, sie würde nur angenommen, wenn sie bewiese, dass sie unter Wasser schwimmen könne. Doina sprang ins Schwimmbecken und legte die gesamte Strecke bis zum nächsten Beckenrand unter Wasser zurück. Als sie am anderen Ende auftauchte, rief sie: „Reicht das?“ Es war genau die Lektion, die der Lehrer und seine Machokumpels verdient hatten.
Wie alles, was mit der See zu tun hat, war auch Schwimmen mein Leben lang eine große Leidenschaft von mir. Ich weiß, welches Tempo ich mir zumuten kann, werde kaum müde und kann unbeschwert stundenlang schwimmen. Während meiner Schulzeit verbrachten wir
einmal die Sommerferien in einem Ferienlager am Schwarzen Meer. Eines Tages kam meine
Mutter zu Besuch. Sie suchte den ganzen Strand nach mir ab. Als sie mich nicht finden konnte, fragte sie die Aufsicht: „Haben Sie zufällig Dragos gesehen?“ „Nein, er war den ganzen Morgen weg, wie immer. Ich würde mich nicht wundern, wenn er ertrunken wäre.“
Glücklicherweise war meine Mutter nicht zart besaitet. Sie setzte sich einfach an den Strand und wartete. Nach einer Weile tauchte ich wie Neptun aus den Wellen auf. Mein Körper war fast überall mit roter Antifouling-Farbe bedeckt, weil ich an diesem Morgen einem Fischer mit seinem Boot geholfen hatte. Zuerst dachte meine Mutter, es sei Blut. „Was um Himmels willen ist passiert? Bist du verletzt?“ „Nein, mach dir keine Sorgen. Es ist nur Farbe.“ Der Aufseher ging vorbei. „Oh, da bist du ja, du roter Teufel. Was hast du denn die ganze Zeit getrieben, ohne jemandem etwas zu sagen?“ „Ich habe vor der Küste eine flache Sandbank gefunden und habe mich den ganzen Morgen dort vergnügt.“ „Nächstes Mal sagst du Bescheid, oder du wirst nach Hause geschickt.“ „Ich hoffe, das ist nicht nötig“, fiel meine Mutter ihm ins Wort. „Dragos ist sonst so ein vernünftiger Junge.“ „Vernünftig? Der da? Der geborene Unruhestifter ist er.“
Erziehung auf See
Als Beitrag zur Erziehung von Doina und Ivan gab Gwenda ihnen, wenn wir an einem neuen Ort ankamen, zunächst einen geschichtlichen Überblick. Darüber hinaus besuchte sie wenn möglich eine Sehenswürdigkeit oder ein Museum in der Umgebung. Dann fertigte sie zwei Arbeitsblätter an. Als Hausaufgabe mussten die Kinder diese ausfüllen. Kurz nach unserer Ankunft in Iraklion, der Haupstadt von Kreta, besichtigten wir die minoischen Überreste in Knossos. Im alten Labyrinth unter dem Königspalast las Gwenda uns allen die Legende des Minotaurus vor. Die einzigartige Umgebung beeindruckte Doina und Ivan so sehr, dass sie diesen besonderen Tag nie vergessen haben. Als Doina acht war und Ivan sechs, verbrachten wir den ganzen Sommer in Griechenland. Damals wurde ihr Interesse an griechischer Mythologie und alter Geschichte geweckt, das Doina bis heute behalten hat. In Iraklion hatte Gwenda als Besuchsstätte das Museum für Altertum ausgesucht, das die besten Fresken aus Knossos beherbergte, die geschickt und sehr wirkungsvoll an den Wänden zur Schau gestellt waren. Eines Tages nahm sie die Kinder zwei Stunden vor dessen Schließung ins Museum mit, wo sie begannen, ihre Arbeitsblätter auszufüllen. Die Fragen waren nicht schwer, aber sie mussten sich die Ausstellungsstücke schon gut anschauen, um sie beantworten zu können.
„Wo befand sich das Fresko mit den Delphinen ursprünglich?“ Ivan kritzelte: Im Badezimmer der Königin. „Warum hatten die alten Kreter solche Angst vor dem Minotaurus und womit brachten sie ihn in Verbindung?“ Erdbeben, schrieb Doina. Die Kinder kopierten eifrig einige der Fresken, als die Museumsaufseherin kam und sagte, es sei Zeit zu schließen und sie müssten das
Museum verlassen. Beide begannen zu weinen und stießen hervor, dass sie nicht gehen wollten. Die Aufseherin wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte und holte ihren Chef. „Was haben Sie für wundervolle Kinder“, sagte er zu Gwenda. „Wir haben schon viele in unserem Museum weinen sehen, aber nie, wenn sie aufgefordert wurden zu gehen.“
Gwenda nahm ihre Aufgabe sehr ernst. Solange das Wetter nicht wirklich schlecht war, gab es Unterricht. Ich trug nur ein Fach dazu bei, und das war Navigation. Wenn sie auf See hart arbeiteten, hatten die Kinder sehr zu ihrer Freude im Hafen frei. Gwendas Bemühungen machten sich bezahlt, denn nach unserer Rückkehr konnten beide Kinder ohne Weiteres in das britische Ausbildungssystem eingegliedert werden und beendeten die Schule mit guten Noten.
In Chagos trafen wir eine österreichische Familie, die mit ihrer 40-Fuß-Yacht Mapopo bereits auf der vierten Weltumsegelung war und nicht ans Aufhören dachte. Wir ankerten in der Nähe des Strandes, wo die Österreicher aus toten Korallen einen Grill und einen Backofen gebaut hatten, und verbrachten ein paar angenehme Tage in ihrer Gesellschaft. Ihr Sohn Janni, der uns als erster bei unserer Ankunft begrüßt hatte, war fast immer mit uns zusammen. Ohne Scheu unterhielt er sich mit uns, wie das oft der Fall ist, wenn Kinder den Umgang mit Erwachsenen gewöhnt sind und Selbstbewusstsein an den Tag legen. Vom ersten Moment an war ich von seiner Höflichkeit und Reife beeindruckt. Skipper Hans erzählte mir, dass die Familie ihren Lebensunterhalt durch Jobs bestritt, die sich ihnen anboten. Er war professioneller Taucher und hatte seinen eigenen Kompressor an Bord. Mit dieser Arbeit verdiente er am meisten.
Schließlich kam das Gespräch auf ihre Zukunftspläne. Hans und Karin machten sich Gedanken über Jannis Ausbildung. Sie wollten nur ungern ihr angenehmes und zutiefst befriedigendes Wanderleben aufgeben. Ich hatte das Gefühl, dass sie das Thema so offen anschnitten, weil sie wussten, dass wir mit der gleichen Situation konfrontiert gewesen waren. Meine Antwort hierauf war, dass ein Kind, sobald es über zehn Jahre alt sei, der Junge oder das Mädchen die Möglichkeit haben sollte, zu einem geordneten Leben zurückzukehren. Es sollte eine richtige Ausbildung geben in einer Umgebung, wo Kontakte vor allem mit Gleichaltrigen eher die Regel als die Ausnahme seien. Mit einer Lebensweise fortzufahren, die den Eltern so gut gefiel, für das Kind aber vollkommen unpassend war, sei sowohl selbstsüchtig als auch verantwortungslos. Ich nannte ein paar Beispiele, wo die Erziehung der Kinder von den Eltern während des Umherziehens vernachlässigt wurde, weil diese sich nicht vom Seglerleben losreißen konnten. Mit Eintritt in die Pubertät begannen für diese Kinder ernsthafte Probleme, nicht nur mit ihren Eltern, sondern auch mit sich selbst. Wenn sie dann schließlich wieder an Land lebten, waren sie oft nicht in der Lage, sich in die Gesellschaft einzugliedern.
Für Gwenda und mich war die Ausbildung der Kinder nie in Frage gestellt, weil wir von Vornherein vorhatten, nach Beendigung unserer Reise wieder nach England zurückzukehren. Es hat nur doppelt so lange gedauert, wie wir ursprünglich geplant hatten. Unsere Probleme mit Doina begannen im Südpazifik, wo die einheimischen Mädchen früh entwickelt sind und, wenn sie die Pubertät erreichen, als geschlechtsreif gelten. Wir sahen oft, wie Einheimische Doina, die für ihr Alter schon sehr weit war, Avancen machten. Als wir einmal den Zug von Malaysia nach Thailand nahmen, um Bangkok zu besichtigen, kauften wir zwei Kinderfahrscheine für Ivan and Doina. Der thai- ländische Schaffner warf einen Blick auf Doina und sagte: „Das ist kein Kind, das ist ein Frau, also müssen Sie nachzahlen.“ Mein Protest war vergeblich, und ich musste einen neuen Fahrschein lösen. In Bangkok fiel mir auf, dass die meisten erwachsenen Frauen nicht so groß waren wie Doina mit zwölf. 1980, in Papua-Neuguinea, hatte sich die Situation mit unserer Pubertierenden derart zugespitzt, dass wir uns gezwungen sahen zu handeln. Wir setzten uns mit Doina zusammen und erklärten ihr unser Vorhaben.
„Doina, wir glauben, du bist auf dem Boot nicht mehr glücklich. Wir denken, es wäre besser für dich, nach England zurückzukehren, bei deiner Großmutter zu wohnen und dort die Schule zu besuchen.“ „Das ist so unfair! Ich habe diese Reise begonnen und will sie auch bis zum Ende mitmachen. Bitte schickt mich nicht fort!“ „Wie du willst.“ „Ich danke euch.“ Dann fügte Doina hinzu: „Aber ich will schon zur Schule gehen. Also versprecht mir, dass wir so schnell wie möglich nach Hause kommen.“ Und das taten wir auch, denn in weniger als einem Jahr waren wir wieder in England.
Unsere sechsjährige Reise scheint keine negativen Auswirkungen auf die Erziehung der Kinder gehabt zu haben, denn beide gingen nach der Schule auf die Universität. Doina studierte internationale Geschichte an der ‘London School of Economics’ und Ivan Computerwissenschaft am ‘University College’. Doina lebt heute im Westen von England und managt unsere Webseite ‘www.noonsite.com’. Ivan ist seiner Liebe zum Film gefolgt und hat bis vor kurzem für eine Londoner Produktionsfirma als Systemmanager gearbeitet. 2006 legte er ein Sabbatjahr ein und baute sich eine 26-Fuß-Yacht, die er in einem gemieteten Bahngebäude vollendete -nur ein paar Kilometer entfernt von dem Platz, wo ich 32 Jahre zuvor meine erste Aventura ausgebaut hatte. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!
Jimmy Cornell: „Sehnsucht nach der See“, Format 18 x 25 cm, 487 Seiten, über 300 Fotos, gebunden mit farbigem Schutzumschlag, ISBN 978-0-9556396-2-3, EUR 39,90.
Im Buchhandel oder über www.mediamaritim.de/shop



