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Winde an der Adria

9.05.2017 | Reviere, Wetter/Klima

Die vorherrschenden Winde gehören zur Schönheit der Adria.

Die Küste Kroatiens ist als Ziel von Nautikern in der ganzen Welt bekannt, und wie umfangreich auch Ihre Segelerfahrungen sein mögen, jedes Meer hat dennoch seine Geheimnisse. Das gilt natürlich auch für die Adria. Die hier vorherrschenden Winde gehören zur Schönheit der Adria, aber sie können auch Fallen sein für all die, die sich mit ihnen nicht auskennen und nicht zu beherrschen wissen. Wir erklären die unterschiedlichen Winde an der Adria und zeigen wie man diese am besten zum Segeln nutzt.

Beginnen wir mit dem gefürchtetesten Wind an der Adria, der Bora. Der Name ist abgeleitet vom Windgott Boreus. Die Bora ist ein unberechenbarer Wind, der vom Festland her in Böen weht. Sie ist relativ kalt und trocken, erreicht eine mäßige Stärke und dauert mehrere Stunden an. Sie reinigt die Luft, so dass die Sicht nach der Bora ausgezeichnet und das Wetter sonnig und heiter ist. Obwohl die Bora vor allem ein Winterwind ist, weht sie während des gesamten Jahres vor allem in den Morgenstunden und erreicht dabei eine mittlere Geschwindigkeit von 11 m/s. Weil sie von den Gebirgshängen zum Meer herunterweht, kommt sie am häufigsten aus nordöstlicher Richtung bzw. aus den Richtungen NNO, NO oder ONO. Auf dem offenen Meer wechselt die Bora häufig in nordwestliche Richtung. Das, wofür die Bora bekannt ist, ist ihre „Launenhaftigkeit“, die Tatsache also, dass sie häufig in Böen weht und dass sie genauso häufig ungestüm und unerwartet zu wehen beginnt, wobei die Windstöße von heulenden Geräuschen begleitet werden. Diese heulenden Windböen werden für eine oder mehrere Minuten von Windstille oder von schwächeren Winden unterbrochen. Im Sommer weht die Bora vor allem im Norden der Adria, und zwar dort, wo das Gebirge am schmalsten ist. Das Aufziehen der Bora erkennt man an der Wolkenkappe, die vor dem Beginn des Windes die Bergspitzen des Velebits oder des Biokovs bedeckt. Die Wellen, die die Bora verursacht, sind kurz und entfernen sich schnell vom Festland. Die zerspritzenden Wellenkämme verwandeln sich in weißen, sprühenden Meeresschaum, wobei starke Windschläge manchmal Wassertropfen durch die Luft schleudern können und so den so genannten „Meeresstaub“ produzieren.

Ein paar praktische Tipps, falls die Bora weht: Sollten Sie beim Segeln entlang der dem Festland zugewandten Inselküste auf eine Zone ohne Vegetation treffen, dann müssen Sie hier mit einer besonders starken Bora rechnen. Bei Bora zu segeln bedeutet, dass es Ihnen an Aufregung nicht fehlen wird, denn dies ist wirklich eine große Herausforderung, die Umsicht und Vorsicht erfordert – sowohl was die Vorbereitungen des Bootes als auch was die Mannschaft angeht. Vermeiden Sie also bei Bora möglichst das Segeln in der Nähe von windanfälligen Küstenabschnitten zum Beispiel den Kvarner, bereiten Sie sich auf mögliche Manöver vor, wappnen Sie sich mit Geduld, denn Sie müssen die Anordnung der Segel wahrscheinlich mehrfach verändern. Und vergessen Sie nicht, der Sicherheit den ersten Rang einzuräumen. Das Segeln mit kleinen Segelbooten empfehlen wir bei Bora nur wirklich ausgezeichneten Seglern.

Der Jugo ist ein südwestlicher Wind von gemäßigter Stärke, der vom Meer her in Richtung Festland entlang der gesamten kroatischen Adriaküste weht. Er weht aus den Richtungen OSO, SO oder SSO. Prinzipiell lässt sich sagen, dass Sie auf den Jugo häufiger treffen, wenn Sie in der südlichen Adria segeln. Da der Jugo zur Gruppe der Frühlings- und Herbstwinde gehört, die mit Regen und einer feuchten Atmosphäre verbunden sind, weht der Jugo im Sommer eher selten. Wenn er dennoch wehen sollte, dann können Sie ihn an folgenden charakteristischen Merkmalen erkennen: Der Wind weht ohne Unterbrechung und wird schrittweise stärker. Er produziert sehr schöne, lange Wellen ohne Rauschen und Schaum. Erst bei einem starken Jugo schlagen die Wellen auf die Küste und ziehen sich lärmend ins offene Meer zurück. Weil gleichmäßige Wellen und die ständig wirksame Kraft des stets aus der gleichen Richtung wehenden Windes den Jugo kennzeichnen, ermöglicht er allen Seglern die besondere Erfahrung einer dynamischen Fahrt auf dem Meer mit konstant vom Wind gefüllten Segeln, so dass das Segelboot eine sehr hohe Geschwindigkeit zu erreichen vermag.

Der Maestral ist ein für den Sommer an der Adria typischer Nordwestwind, für den außerdem ein schönes und stabiles Wetter charakteristisch ist. Nach der morgendlichen Windstille beginnt im Sommer fast schon gesetzmäßig in der Mittagszeit sein angenehmes Strömen, das sich verstärkend bis zum Sonnenuntergang dauert. Der Maestral kann eine Windstärke von 5 bis 6 erreichen. Am häufigsten weht er im Zadarer Kanal und im Kanal von Korcula. Der Maestral ist wie geschaffen für ein angenehmes, entspanntes Segeln ohne Manöver, weil er konstant, berechenbar und sanft weht. Und während Bura und Jugo – jeder auf seine Weise – die Segler in Aufregung versetzen und vor Herausforderungen stellen, garantiert Ihnen der Maestral den reinen Genuss, da Sie sich ohne Angst dem Meer einfach überlassen können. Weil mit dem Sonnenuntergang die Bedingungen für das Entstehen des Maestrals verschwinden, beginnt mit der ersten Dämmerung ein sanfter Nachtwind vom Festland her mit Windstärke 3 zu wehen, welcher wiederum mit dem Aufgang der Sonne in Windstille übergeht, die sich dann schließlich um die Mittagszeit in einen erfrischenden Maestral verwandelt. Obwohl die Adria nicht zu den gefährlichen Meeren zählt und das Segeln hier während des ganzen Jahres möglich ist, herrschen doch die günstigsten Bedingungen von Mitte Juni bis Mitte Oktober. Dann können auch die Skipper den Bootsurlaub in vollen Zügen genießen, die noch etwas weniger Erfahrung mit den Adria typischen Winden haben.

 

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Ein Kommentar

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