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Von Knechten, Bindungsstörungen und Schotten

27.04.2017 | Bootsbau, Institution/Verein, Sicherheit, Werften

DGzRS 20-Meter-KlasseSpezialschiff für die DGzRS für den küstennahen Bereich und auch bei geringen Wassertiefen.

Vor einigen Wochen haben die Schiffbauer auf der Fassmer-Werft damit begonnen, aus Hunderten von Aluminiumteilen den Rumpf des jüngsten Seenotrettungskreuzers zusammenzusetzen. Dabei lassen sie keine „Bindungsstörungen“ in den Schweißnähten zu, fixieren mit Knechten mehrere Bauteile miteinander und haben bereits einige Schotten aufgestellt.

Die nächste Einheit der 20-Meter-Klasse mit der internen Bezeichnung SK 39 ist für die Schleimündung mit Liegeplatz in Olpenitz vorgesehen. Voraussichtlich Mitte 2018 teilt die DGzRS ihre bisherige Doppelstation Maasholm. Der mit Festangestellten besetzte Seenotrettungskreuzer liegt ab dann im neuen Yachthafen Olpenitz. Das ebenfalls in Maasholm stationierte Seenotrettungsboot, das von Freiwilligen gefahren wird, hat seinen Liegeplatz auch künftig im dortigen Fischereihafen.

SK 39_1_webDer neue Seenotrettungskreuzer SK 39 wird wie SK 38 ein Schwesterschiff der bereits im Dienst befindlichen Einheiten EISWETTE/Station Nordstrand (Baujahr 2009), EUGEN/Station Greifswalder Oie (2009), THEODOR STORM/Station Büsum (2011) und PIDDER LÜNG/Station List (2013). Wie alle Schiffe der DGzRS wird er als Selbstaufrichter konstruiert.

Die Seenotkreuzer der 20-Meter-Klasse schließen die Lücke zwischen den Seenotrettungsbooten und den größeren Seenotkreuzern ab 23 Metern Länge. Die Anforderungen dieser kompakten Spezialschiffe liegen gezielt im küstennahen Bereich auch bei geringen Wassertiefen. Selbstverständlich verfügen sie dennoch auch unter extremen Wetterbedingungen im freien Seeraum über ein hohes Maß an Sicherheit – wie alle Rettungseinheiten der DGzRS.

SK 39_2_webMit einem Tiefgang von lediglich 1,30 Meter können die „Kleinen“ auch in Revieren eingesetzt werden, in denen größere Seenotkreuzer bereits auf ihr Tochterboot angewiesen sind. Aufgrund der kompakten Maße stehen nicht der Platz und die Tragfähigkeit für ein den Anforderungen der DGzRS gerecht werdendes Tochterboot zur Verfügung. Zugunsten des erreichbaren geringen Tiefgangs haben die Konstrukteure darauf bewusst verzichtet.

Stattdessen kommt in der für Seenotkreuzer typischen Heckwanne mit Klappheck ein offenes Arbeitsboot zum Einsatz. Mit diesem 30 Knoten (ca. 55 km/h) schnellen Boot verfügt die Besatzung dennoch über ein leistungsfähiges Einsatzmittel zur Assistenz bei Einsätzen beziehungsweise zum Befahren extremer Flachwassergebiete.

Bei der Wahl des Rumpfes griffen die Seenotretter auf eine im Prinzip bewährte Form zurück, die bereits für die ehemalige 19-Meter-Klasse (im Dienst von 1969 bis 2003) entworfen wurde. Durch Optimierung der Linien ist es gelungen, die außergewöhnlich gute Seetüchtigkeit trotz moderater Erhöhung der maximal erreichbaren Geschwindigkeit auf 22 Knoten (ca. 40 km/h) beizubehalten. Bewusst wurde auf eine noch höhere Geschwindigkeit verzichtet, da sich diese zu Lasten der Seetüchtigkeit und damit der Sicherheit hätte auswirken können.

SK 39_3_webDie 1.220 kW/1.660 PS starke Maschine ist weitgehend frei von Nebenaggregaten und steht damit ausschließlich für den Vortrieb zur Verfügung. Dies kommt den Manövriereigenschaften und vor allem ebenfalls der Betriebssicherheit zugute.

Ein ausgefeiltes hydraulisches System sorgt dafür, dass im Normalbetrieb immer ausreichend Energie für das elektrische Bordnetz, die Feuerlöschpumpe (2.300 Liter pro Minute Förderleistung) oder das Bugstrahlruder vorgehalten werden kann. Bei Ausfall der Hauptmaschine steht zudem ein hydraulischer Hilfsantrieb zur Verfügung, um den Seenotkreuzer sicher aus einem Gefahrenbereich und zurück in den schützenden Hafen zu fahren.

Die 20-Meter-Seenotkreuzer werden von einer drei Mann starken Besatzung gefahren. Auf ein Wohndeck, wie es auf größeren Seenotkreuzern eingerichtet ist, hat die DGzRS bei diesem Schiffstyp verzichtet. Die Besatzungen leben nicht an Bord, sondern in Stationsgebäuden in unmittelbarer Nähe der Liegeplätze. Innerhalb kürzester Zeit können sie die Seenotkreuzer besetzen und zum Einsatz auslaufen.

 

© Fotos: Martin Stöver

 

 

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