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So wird Segeln für Schüler attraktiv

4.05.2016 | Ausbildung, Institution/Verein, Projekte

Schuelersegeln_T8_BFM0589_webRund 10.000 Kinder in Schleswig-Holstein haben in 20 Partnerschulen segeln gelernt.

(Von Jochen Halbe) Seit über zehn Jahren brachte der Verein „Schüler Segeln Schleswig-Holstein e.V.“ über 10.000 Kinder und Jugendliche mit dem eigens dafür konstruierten „team acht“ auf das Wasser.

Entstanden ist die Idee im Jahr 2003 als die Stadt Kiel sich zum dritten Mal um die Ausrichtung der olympischen Segelregatten bewarb. Dafür hatte Professor Robin Kähler, der damalige Direktor des Sportzentrums der Christian-Albrechts Universität Kiel, ein Konzept erarbeitet, „um allen Schülerinnen und Schülern Kiels ein erstes Segelerlebnis zu ermöglichen“. Das Wichtigste – ein geeignetes Boot, das „ausreichend groß, faszinierend schnell und vor allem sicher“ war, gab es nicht auf dem Markt. Zusammen mit Dirk Lindenau von der gleichnamigen Kieler Werft und Professor Andreas Meyer-Bohe von der Fachhochschule Kiel entwickelte Kähler deshalb das Konzept des „team acht“ Segelbootes.

Nahezu zeitgleich hatte die Landesregierung in Kiel das Programm „Zukunft Meer“ ausgearbeitet, das die Vernetzung und Stärkung der maritimen Kräfte im meerumschlungenen Agrarland zum Ziel hatte, um Wirtschaft und Wissenschaft weiter zu entwickeln. Was lag da näher, als das Kieler Schülersegeln mit der Gründung des Vereins „Schüler Segeln Schleswig-Holstein“ auf das ganze Land zu übertragen. Die Folge: es wurde in das Landesprogramm aufgenommen.

Damit war eine Anschubfinanzierung für den Bau der Boote gesichert, doch ohne großzügige Sponsoren, Einzelpersonen wie Unternehmen aus Schleswig-Holstein, wäre das Projekt zum Scheitern verurteilt gewesen. Hinzu kommt das ehrenamtliche Engagement von Lehrerinnen und Lehrern beim Aufbau der heute sieben Stützpunkte in Flensburg, Eckernförde, Rendsburg, Kiel, Neustadt, Wedel und Timmendorfer Strand, wo die bislang neun gebauten und von Spendengeldern finanzierten Boote stationiert sind.

Schuelersegeln_T8_BFM0547_webDie Umsetzung des Bootkonzeptes wurde der Fachhochschule Kiel unter der Leitung von Professor Meyer-Bohe übertragen. Das Ergebnis, an dem etliche Schiffbaustudenten mitwirkten, ist ein Kielboot mit hohem Freibord, dessen Linien und Anhänge mithilfe Computer gestützter Strömungssimulationen (CFD) optimiert und in Modellversuchen im Umlauftank der Universität Kiel überprüft wurden. Ein wichtiger Punkt war auch, dass das Boot in Serie gebaut werden konnte.

Als Bauverfahren für das „team acht“ Boot wurde ein Epoxy-Sandwichlaminat mit geschlossenporigem PU-Schaum festgelegt, mit dem auch strukturelle Elemente wie die Bodenwrangen ausgeschäumt wurden, so dass das Boot unsinkbar wurde. Neben der üblichen CE Zertifizierung wurde zusätzlich eine Vollklassifizierung durch den Germanischen Lloyd ausgeführt, für die allein 40 Einzelpläne und ein 3D-Modell angefertigt werden mussten. „Da das Boot für den Schulbetrieb eingesetzt werden sollte, stand die Sicherheit für mich an oberster Stelle,“ begründet Meyer-Bohe diese Maßnahme. Auch wurden alle strukturellen Elemente in enger Zusammenarbeit mit dem GL optimiert, um eine einfache Konstruktion mit maximaler Festigkeit und einer minimalen Anzahl an Elementen zu erhalten.

Schon im November 2005 wurde das erste Boot nach einer Rekordbauzeit bei Knierim Yachtbau getauft und zu Wasser gelassen. Es war im Handauflegevefahren laminiert worden. Davor war ein Mock-up aus Holz und Styrodur entstanden, dann die Mutterformen für Rumpf und Deck, gefertigt mit der 30m CNC und dann die mit soliden Stahlrahmen ausgesteiften Negativformen.

Bei den folgenden Booten wurde das Vakuuminjektionsverfahren angewandt. Alle fertigen Kaskos wurden über zwölf Stunden bei 70 Grad ausgehärtet. Jedes segelfertig ausgerüstete Boot wird einem Krängungstest unterzogen, bevor es dann mit dem GL-Klassenzertifikat versehen ausgeliefert wird.

Die ersten sechs der neun bis jetzt ausgelieferten Boote stammen von professionellen Herstellern wie Knierim, Haindl aus Bremen und Mittelmanns Werft in Kappeln. Die bisher letzten drei Boote wurden im Berufsbildungszentrum Rendsburg von Schülern gebaut, unter tätiger Mithilfe eines Bootsbaumeisters, erfahrener Lehrer und der Klassifizierungsgesellschaft.

Auch wenn die Spendenbereitschaft derzeit ein bisschen stockt, kann Vereinsschef Klaus Karpen mit Stolz auf eine Erfolgsgeschichte verweisen. Rund 10.000 Kinder haben in 20 Partnerschulen segeln gelernt. „Wir stellen die Boote den Segel AGs in den Schulen zur Verfügung und die Schulen müssen für den Unterhalt aufkommen,“ erklärt Karpen das Prinzip. Dabei werden die Boote den Schulen nicht aufgedrängt. „Die müssen schon einen Antrag stellen und begründen, warum sie ein Boot haben möchten.“

Neben dem Unterricht vor Ort gibt es seit 2009 den jährlichen Schülercup, der auf wechselnden Revieren ausgetragen wird und zu dem sich die teilnehmenden Mannschaften qualifizieren müssen. 2015 wurde vor dem Olympiahafen Schilksee gesegelt. Da treffen dann unterschiedliche Teams aufeinander wie Anfänger von der Rendsburger Waldorfschule und die fortgeschrittenen Segler aus Wedel.

Für alle ist es in erster Linie „ein tolles Erlebnis“ und für Anfänger ein Anreiz, sich schon im Winter auf den achten Schülercup vorzubereiten.

Technische Daten „team acht“
Länge: 8,25 m
Breite: 2,70 m
Tiefgang: 1,83 m
max. Höhe: 11,70 m
Segelfläche: 32,5 qm
Gennaker: 42 qm
Verdrängung ca. 1,5 Tonnen
Preis: ca. 70.000 €
Zertifizierung Germ. Lloyd 100 A5 Sailing Yacht Cat. III

Mehr Informationen:
Info Verein Schüler Segeln Schleswig-Holstein
www.schuelersegeln-sh.de

 

 

 

 

 

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