Fehmarnbelttunnel: Baubeginn verzögert sich
27.04.2012 | Firmen, ReviereDie Bauarbeiten an der Fehmarnbeltquerung verzögern sich um ein Jahr.
Die deutsche Ostsee-Insel Fehmarn und die dänische Insel Lolland bleiben noch länger getrennt. Die Betreibergesellschaft Femern A/S teilte in Kopenhagen mit, dass der Baubeginn der rund 18 Kilometer langen festen Querung zwischen Deutschland und Dänemark voraussichtlich erst
Mitte 2015 anstatt Mitte 2014 erfolgen könne. “Der Bedarf an Koordinierung und Detailplanung ist höher, als wir erwartet haben“, wurde der Vorstandsvorsitzende von Femern A/S, Leo Larsen, zitiert. Die Verzögerung sei teilweise “den erheblichen Unterschieden geschuldet, die zwischen der deutschen und der dänischen Gesetzgebung und Verfahrensordnung bestehen“.
Ein Sprecher des dänischen Transportministers erklärte, dass ein etwas späterer Baustart keine Überraschung wäre. Genaueres wisse man noch nicht. „Es ist nichts Dramatisches. Die Vorbereitungen für das Baugesetz auf dänischer Seite laufen planmäßig weiter“, sagte er und verwies auf die in Deutschland üblichen Klagen gegen große Vorhaben wie am Fehmarnbelt. Im Detail bedeutet der neue Zeitplan, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Bauwerk und die Rampen in Dänemark im Mai 2013 beginnt, wie die
Firma mitteilte. So könne das in Dänemark erforderliche Baugesetz vom Parlament Ende 2014 verabschiedet werden. Zu diesem Zeitpunkt seien auch die Preise der Verträge für die Hauptbaulose bekannt. In Deutschland werden die endgültigen Anträge für das Planfeststellungsverfahren spätestens im August 2013 bei den zuständigen Behörden eingereicht. Der Planfeststellungsbeschluss wird dann für den Jahreswechsel 2014/15 erwartet. Im Herbst 2012 beginnt Femern A/S mit der Vorauswahl der Bauunternehmerkonsortien, die später zur Teilnahme an den Ausschreibungen für die Hauptbaulose eingeladen werden. Es wird erwartet, dass die Bauaufträge im Sommer 2015 erteilt werden.
Für die Gegner der Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark ist die Verzögerung keine Überraschung. “Das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange”, sagte der Vorsitzende des Aktionsbündnisses gegen eine feste Fehrmarnbeltquerung, Malte Siegert. “Wir vermuten,
dass neben dem als Begründung angegebenen stockenden Genehmigungsprozess auch geologische Schwierigkeiten im Fehmarnbelt eine gewichtige Rolle spielen”, sagte Siegert. Die Gegner des Tunnels kritisieren ein ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis und fordern deshalb, das Projekt aufzugeben.
Das seit 2008 unverändert auf 5,5 Milliarden Euro angesetzte Projekt soll nun Ende 2021 fertig sein. Geplant ist ein Tunnel, dessen Einzelteile in der Ostsee versenkt werden, mit elektrifizierter zweigleisiger Bahnstrecke und vierspuriger Autobahn. Finanziert wird das Projekt im wesentlichen von Dänemark und refinanziert durch Maut, weil das nördliche Nachbarland stärkere wirtschaftliche Interessen an dieser festen Verbindung hat als Deutschland. Der Bund finanziert die südliche Anbindung, die auf rund 800 Millionen Euro geschätzt wurde und unter anderem wegen der erwarteten Zunahme des Güterverkehrs in Schleswig-Holstein umstritten ist.





