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Segeln: Törn rund Seeland mit viel Kultur

5.04.2012 | Charter/Reise, Reviere

Die Insel der dänischen Könige ist reich an Kultur, Geschichte und Atmosphäre.

Von Klaus Bartels. Den Dänen wird nachgesagt, die Italiener des Nordens zu sein. Viele deutschen Segler, die häufig Kurs Norden steuern, haben diese dänische Lebensart kennen und lieben gelernt. Dass es jedoch auch Häfen im dänischen Königsreich gibt, die baulich wie landschaftlich stark an Italien erinnern, wissen nur wenige. Wir haben mit Praestö im Südosten der dänischen Hauptinsel Seeland eine solche Marina gefunden und feiern nach einem typisch dänischen Essen (Scholle mit Butterkartoffeln) im „Skipperkroen“ direkt am Hafen einen italienischen Abend an Bord der Charteryacht „Bernadette“. Es gibt auf der knapp 15 Meter langen Swan 48 italienischen Rotwein. Vermutlich war es der Wein, der an Reisen in Hochburgen früher europäischer Kultur erinnert. Jedenfalls wird beschlossen den reinen Segeltörn in eine Kulturreise unter Segeln zu verwandeln. Ausstaffiert mit jeder Menge Prospekten über Land und Leute aus dem örtlichen Touristenbüro des Städtchens Praestö soll das nächste Ziel Kopenhagen sein, die Stadt, die 1996 den Titel einer europäischen Kulturhauptstadt führen durfte.

Vor uns liegt ein knapp 50 Meilen langer Törn. Mit einer großen Yacht wie der Swan 48, die bei gutem Wind locker acht Knoten (knapp 15 km/h) läuft, ist das kein Problem. Der durch die Größe bedingte Tiefgang der „Bernadette“ von gut 2,30 Metern zwingt Skipper Walter Wichmann allerdings zum vorsichtigen Manövrieren aus der schmalen Fahrrinne, die von Praestö in die Fakse Bucht führt. Ein südwestlicher Schiebewind ermöglicht uns, an der freien Küste den großen, Spinnaker zu setzen. Die Navigation ist einfach, denn schon von bald zeigen uns die über den Horizont ragenden Pfeiler der Sundbrücke zwischen Dänemark und Schweden, wo unser Ziel liegt.

Sieben Stunden schiebt der Wind die Swan mit gurgelndem Schaum vor dem Bug in Richtung Norden. Wir beschließen in Anbetracht der stattlichen Größe der Yacht, nicht direkt in den engen Kopenhagener Stadthafen Christianshavn zu segeln, sondern in dem genauso ruhigen ehemaligen Lotsenhafen des Vorortes Dragör festzumachen. „Von hier ist man per Linienbus in einer halben Stunde im Kopenhagener Zentrum,“ weiß der Skipper.

Was macht man nun mit dem riesigen Angebot einer ehemaligen Kulturhauptstadt, wenn nur ein Tag zur Verfügung steht? Wir legen unseren Stadtkurs fest und besuchen das „Dansk Design Center“ in dem die Geschichte des dänischen Designs dargestellt wird, die „Ny Carlsberg Glytotek“ mit Meisterwerken abendländischer Kultur und das „Statens Museum“, die dänische Nationalgalerie. Am Abend sind wir zwar müde, aber sicher, die richtige Auswahl getroffen zu haben. Bedauert wird auf der „Bernadette“ allerdings , dass wir bei unserem Kopenhagenbesuch nicht das traditionelle Jazzfestival mit jeder Menge Life-Konzerten genießen können, was gut in unseren Kulturtörn hineingepasst hätte. Den Termin merken wir uns aber für das nächste Mal vor. Im Jahr 2012 ist der Termin: 6.7.-15.7.2012.

Zum Kulturtrip rund Seeland gehört der Besuch „Louisianas“, des weltweit bekannten Museums der modernen Kunst im Ort Humlebaek. Mit einer Segelyacht gehört man zu den privilegierten Besuchern, denn unmittelbar neben der großen Anlage mit Ausstellungshallen und Skulpturenpark befindet sich ein Yachthafen. „Die Swan ist zu groß für den kleinen, gemütlichen Clubhafen“, meint Skipper Walter allerdings und verweist auf die engen Liegeplätze im Hafenplan. Wir segeln jedoch direkt an Humlebaek vorbei, das zusammen mit vielen anderen kleinen wie an einer Perlenschnur aufgereihten Küstenorten zwischen Kopenhagen und der nördlich davon gelegenen Stadt Helsingör zu so etwas wie die Cote d’Azur Dänemarks gehört. Schon von weitem erkennen wir die Silhouette des aus Shakespeares Hamlet bekannte Schlosses Kronborg. Der Yachthafen befindet sich direkt neben dem ehemaligen Königssitz.

Von Helsingör bis ins „Louisiana“ benötigt ein Pendelbus gerade einmal 15 Minuten. Für den Museumsbesuch lassen wir uns dann mit sechs Stunden viel mehr Zeit und sind gleichermaßen von der Atmosphäre wie von den Ausstellungen begeistert.

Als Gegenpol zur modernen Kunst geht es am nächsten Tag zur Besichtigung des Schlosses Kronborg mit seinen Sammlungen aus der Renaissance- und Barockzeit. Dieser Blick in die Vergangenheit unseres Gastlandes macht Neugierig auf noch mehr Kulturgeschichte. Da bleibt nur noch die Stadt Roskilde mit ihrem weltberühmten Wikingermuseum. Und was ist passender, als die Wikinger auf eigenem Kiel zu besuchen. Skipper Walter muss erst einmal auf die Seekarte blicken, um festzustellen, ob die Tiefe im Roskilde Fjord für die „Bernadette“ ausreicht und gibt dann ein verhaltenes „ok“. Es wird ein durch mittlerweile östliche Winde schneller Törn um die Nordspitze Seelands herum bis zur Einfahrt des Roskilde-Fjords und dann geht es durch enge Fahrwasser 20 Meilen in Richtung Süden. Bis auf den Skipper, der mit der Seekarte vor den Augen angespannt versucht, Untiefen zu umschiffen, genießen alle entspannt die langsame Fahrt auf dem ruhigen, flussähnlichen Fjord. Wir verstehen nun allerdings, warum der Mann am Ruder von dem Plan, eines der größten Wikingermusen der Welt mit der „Bernadette“ zu besuchen nicht sonderlich begeistert war.

Mehr Informationen zu Zielen auf Seeland unter http://sjaelland.info

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