Bootsbau Knierim: „Nichts weiter als gute Boote bauen“
12.03.2012 | Bootsbau, WerftenErfolgsgeschichte mit individuellen Hightech-Booten und Industrieformbau.
Als im Frühjahr 2002 wieder Leben in die ehemalige Papierlagerhalle am Nordostseekanal einzog, ahnten wohl weder die Kieler Stadtväter noch die deutsche Bootsbaubranche, dass am 7. März eine Erfolgsgeschichte begann. An dem Tag wurde die KNIERIM Yachtbau GmbH als moderne Nachfolgerin des traditionsreichen Laboer Familienbetriebs von 1965 gegründet. 26 individuelle Hightech-Boote wurden seitdem unweit der Holtenauer Schleuse zu Wasser gelassen, darunter der erste deutsche America’s Cupper und der größte Solarkatamaran der Welt. Zwei weitere, außergewöhnliche Segelyachten sind derzeit in Bau und lassen mehr als 70 Mitarbeiter zuversichtlich in die Zukunft schauen.
„Wir wollen nichts weiter, als gute Boote bauen.“ So lautete das Credo von Bootsbaumeister Gunnar Knierim und Kaufmann Steffen Müller, als die beiden Geschäftsführer gemeinsam an den Start gingen. Und diese einfache, aber prägnante Philosophie gilt bis heute. Der Name Knierim steht für Leidenschaft, Innovation und Hightech. Höchste Belastbarkeit bei geringem Gewicht, millimetergenaue Designtreue und ein außergewöhnliches Finish sind die Markenzeichen. Wer hier seine Traumyacht verwirklichen lässt, will kein Serienboot von der Stange. Auftraggeber sind Eigner mit ganz eigenen Vorstellungen vom Leistungspotential bis zum Interieur. Ob karge Rennziege für den Regattakurs oder komfortables Reiseschiff für die Weltumseglung – die Kundenwünsche werden gelebt.
Voriges Jahr verließen der Performance Cruiser „Excalibur“, eine 15,33 Meter lange J/V 50, und eine Elliott 57 Sport mit einer Länge von 17,40 Meter die Werfthallen. „Uns verbindet eine nunmehr auch zehn Jahre währende enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der viele der Regatta-, Cruising- und auch Motoryachten der gehobenen Art in Hochtechnologie und erstklassiger Handwerkskunst entstanden“, schrieb Torsten Conradi, CEO des Bremerhavener Yachtkonstruktionsbüros judel/vrolik & co in seinen Glückwünschen. Nie habe sich das verantwortliche Management bequem zurück gelehnt, sondern sei neuen Herausforderungen immer mit Aufgeschlossenheit und Fachkompetenz entgegen getreten.
„Hochzeit“ feiert die Belegschaft immer dann, wenn Deck und Rumpf einer Yacht zusammengeklebt werden. Das war wenige Tage vor dem Firmenjubiläum wieder der Fall, als die Ker 50 für einen norddeutschen Eigner erstmals Form und Gestalt eines vollständigen Boots annahm. Der reinrassige Racer stammt aus der Feder des gefragten Designers Jason Ker. Die Komposit-Bauweise ist State of the Art: Kohlefaser-Prepreg mit Nomex-Honigwaben als Sandwichkern. Nach der Fertigstellung im Mai soll die Rennyacht ihre Feuertaufe auf Kurzwettfahrten und klassischen Mittelstrecken bestehen. Das nächste Projekt ist eine Botin 65, ebenfalls eine Rennyacht ähnlich der V.O.70, allerdings mit Hubkiel und auf Langstrecken ausgelegt.
Die jüngste „Hochzeit“ verlief einmal mehr millimetergenau. Das ist sowohl gewicht- als auch zeitsparend, weil Nacharbeiten überflüssig sind. Schließlich werden Rumpf und Deck wie auch Ruder, Kiele, Schotten und andere Strukturteile bei KNIERIM seit 2005 im eigenen Unternehmenszweig Tooling von hochmodernen 5-Achs-Maschinen selbst gefräst. Zwei der drei CMS-Poseidon-Fräsen sind mehr als 30 Meter lang, 8,50 Meter breit und vier Meter hoch. Sie leisten außerordentlich präzisen Formbau für Windrotorblätter, in der Luft- und Schifffahrt sowie großer Industrieteile und Decksausrüstung von Megayachten. Inzwischen ist das längst ein bedeutendes “Standbein von KNIERIM, seit kurzem nicht nur durch positive Urformen, sondern auch als direkte Negativform der so genannten DFT-Technologie (Direct Female Tooling). Als Präsident des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbands lobte Torsten Conradi das DBSV-Mitglied: „Mit der Einführung der großen 5-Achs-Fräsen im eigenen Haus hat Knierim sowohl den Rumpfbau, aber auch den vieler wichtiger Formteile wie Deck, Kiel und Ruder in punkto Genauigkeit auf eine neue Qualitätsstufe gehoben.
Schon das erste Neubauprojekt, der 26-Meter-Maxiracer „UCA“, sorgte vor zehn Jahren für Aufsehen. Der Kieler Unternehmer und ehemalige Arbeitgeberpräsident Klaus Murmann, der sich auch in der Werft engagierte, ließ ihn für die Transatlantikregatta DaimlerChrysler North Atlantic Challenge bauen, bei der er 2003 – mit Gunnar Knierim und Steffen Müller an Bord – schnellster Teilnehmer war. Seitdem haben viele Neubauten große Aufmerksamkeit nach Kiel gelenkt, allen voran die „Germany I“, die Yacht der ersten deutschen America’s Cup-Kampagne nach mehr als 150 Jahren, die 2006 von der Gattin des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler vor dem Kieler Yacht-Club getauft wurde. Einen großen Bahnhof gab es auch vor zwei Jahren beim Stapellauf des von KNIERIM maßgeblich mit konzipierten Solarkatamarans „TÛRANOR Planet Solar“, der aufgrund der Maße in einer bei HDW angemieteten Halle auf dem Ostufer der Kieler Förde zusammengebaut wurde. Mit 31 Metern Länge und 15 Metern Breite ist es bis heute das größte nur von Sonnenenergie angetriebene Wasserfahrzeug der Welt, die sie derzeit gerade umrundet.
Für Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig steht die Erfolgsgeschichte von Knierim Yachtbau sinnbildlich für die Stärke der Kieler Unternehmensstruktur: „Knierim ist ein mittelständisches Unternehmen par excellence, das mit einer hochqualifizierten Mitarbeiterschaft Hightech made in Kiel produziert. Dort wird sehr deutlich, dass die maritime Wirtschaft in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt eine herausragende Rolle spielt.“ Mit den Prestigeprojekten wie der „Germany I“ bis zum Solarkatamaran habe Knierim Kiel weit über Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. „Und bei Knierim wurden und werden immer die Zeichen der Zeit erkannt. Mit der Fünf-Achs-Frästechnik für den industriellen Formbau hat sich das Unternehmen auch in der Windkraftindustrie, aber auch bei HDW und anderen maritimen Unternehmen einen Namen gemacht“, so Albig weiter.
Die große Geburtstagsfeier wurde aus gutem Grund auf den Sommer vertagt. „Wir haben im Moment schlichtweg zu viel zu tun“, erklären die Geschäftsführer. Durch die eng verzahnte Zusammenarbeit mit namhaften Zulieferern und ausgewählten Subunternehmen profitieren davon auch andere Firmen aus der Region. Außerdem befindet sich auf dem mehr als 20.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände ein Winterlager, das ab März allmählich zu Ende geht. Manche Yachten bekommen vorher noch ein Refit, Reparaturen, Umbauten oder eine neue Lackierung – alles made by Knierim in der Uferstraße 100 am Kanal.
Mehr Informationen:
KNIERIM Yachtbau GmbH
www.knierim-yachtbau.de





