Erste Ergebnisse zur Nordsee-Forschungsfahrt
2.09.2010 | AllgemeinWissenschaftler: Keine Anzeichen für Abschwächung der Klimaerwärmung.
Der lange und kalte Winter hat auch in der Nordsee seine Spuren hinterlassen. Insbesondere die Deckschicht des Meeres ist in diesem Jahr weniger warm als im Vorjahr, erklärte Ozeanograph Holger Klein des Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Leiter einer 18-tägigen Forschungsfahrt nach seiner Rückkehr in Hamburg. Allerdings sei dies kein Zeichen für eine Abschwächung der klimabedingten Erwärmung der Nordsee, sondern Folge der natürlichen Schwankungsbreite, die die langfristigen Klimaänderungen überlagert. Denn mit einem Mittelwert von 15 °C lagen die Temperaturen der Nordseeoberfläche für den Monat Juli noch immer um 0,7 °C über dem langjährigen Mittel der Jahre 1971-1993, erläuterte Klein.
Eine erste vorläufige Analyse der Rohdaten zeige, dass die oberflächennahe warme Deckschicht des Meeres in der südlichen und zentralen Nordsee 2010 weniger mächtig ist als in den Jahren zuvor. Auch der Übergang von der wärmeren Deckschicht zur kühleren Bodenschicht, die sogenannte Thermokline, ist weniger abrupt als 2009. Die flachen südöstlichen Gebiete der Deutschen Bucht mit maximalen Wassertiefen von 30 bis 40 Metern, die meistens vertikal homogen bis zum Boden erwärmt sind, zeigen teilweise eine Schichtung mit einer kühleren Bodenschicht auf.
Auf jeden Fall setze sich ein Erwärmungstrend fort, der seit über 20 Jahren anhält – auch wenn eine Quantifizierung des gesamten Wärmeinhalts der Nordsee für dieses Jahr erst nach sorgfältiger Datenaufbereitung möglich ist. Seit 1987 setzt sich die Warmphase in Nord- und Ostsee fort, obwohl Kalt- und Warmphasen normalerweise in einem etwa 8 bis 12 Jahre andauernden Zyklus wechseln.
Das gecharterte Forschungsschiff PELAGIA, mit dem die diesjährige Gesamtaufnahme der Nordsee durchgeführt wird, kehrt erst am 5. September 2010 nach Hamburg zurück. Bis dahin werden noch detaillierte meereschemische Untersuchungen in der Deutschen Bucht unter der Leitung von Meereschemikerin Dr. Sieglinde Weigelt-Krenz durchgeführt.



