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Yachttransporte: Die Last mit der Überbreite

1.09.2010 | Allgemein

Mehr als zwei Millionen Kilometer sind im Jahr unterwegs.

Von Klaus Bartels. Der Mann mag die Weihnachtszeit nicht und auch keine Baustellen. Für Uwe Schriever (44), Chef eines des führenden deutschen Yachttransportunternehmens sind Baustellen und die Wochen vor Weihnachten Inbegriffe der Geschäftsschädigung. Baustellen – ob auf Autobahnen, Bundes- oder Kreisstraßen – sind Schuld daran, dass die Fahrer seiner 16 Yacht-Spezialtransporter für überbreite Lasten teilweise weite Umwege fahren müssen, und während der Weihnachtszeit muss er ein teures Extrakommando zusammenstellen, dass die niedrig hängende Weihnachtsbeleuchtung entfernt und dann wieder aufhängt, damit die häufig über fünf Meter hohen Yachttransporter passieren können.

Mehr als zwei Millionen Kilometer sind die Sattelschlepper von Uwe Schriever Yachttransporte mit Firmensitz in Kropp bei Rendsburg in Schleswig-Holstein im Jahr unterwegs. Und dabei gilt für jeden Kilometer absolute Vorsicht, denn die Fahrer und Helfer wissen, dass die Fracht empfindlich und in der Regel sehr teuer ist.

Die Hauptroute der deutschen Yachttransporte führt von der Ost- und Nordsee zum Mittelmeer und zurück. Denn immer mehr Eigner lassen ihre Segel- und Motoryachten vom im Sommer oftmals kühlen Norden zum Mittelmeer, dem Wassersportrevier mit Sonnengarantie, chauffieren.

Der gelernte Bootsbauer Uwe Schriever, der sich seit 1992 hauptberuflich mit dem Transport von Yachten beschäftigt und viele andere deutsche Transportunternehmen können Eignern eine interessante Rechnung aufmachen. Eine zwölf Meter lange und 3,20 Meter breite Yacht von der Ostsee zum Mittelmeer zu bringen, kostet hin und zurück rund 7000 Euro. “Das ist erheblich weniger als eine gleich große Charteryacht in der Hauptsaison im Mittelmeer für vier Wochen kosten würde”, so Schriever. Da seine Firma bei Segelyachten auch das fachgerechte Ab- und wieder Aufriggen anbietet, können Eigner sogar ein startklare Schiff am Mittelmeer übernehmen. Das ganze dauert in der Regel vier Tage.

Komplizierter wird es, wenn Werften, das sind die Hauptkunden von Uwe Schriever, seine Dienste für ihre großen Yachten anfordern. Nicht ohne Stolz verweist er auf den erfolgreich abgeschlossenen Transportauftrag einer Motoryacht vom Typ Sunseeker Predator 75. Das gute Stück ist 23 Meter lang, nahezu fünf Meter breit und wiegt 35 Tonnen. Außerdem ragt diese Yacht auch auf dem hydraulisch absenkbaren Spezialtransporter noch 5,30 Meter in die Höhe.

Die Luxusyacht sollte von Hamburg, dem Sitz des deutschen Importeurs, zur Düsseldorfer Bootsmesse gebracht werden. Für normale Transporte ist das eine Strecke von rund 420 Kilometern. Als die Yacht ihr Ziel erreicht hatte, waren über 700 Kilometer auf dem Tacho. Schriever und seine Mitarbeiter hatten erst auf der Generalstabskarte und dann beim Abfahren und Vermessen der Strecke einen Weg gefunden, der ohne niedrige Brücken und Stromleitungen dafür aber mit breit ausgelegten Straßen und Kurven den Transport ermöglichte.

Transporte dieser Art  müssen unter anderem von den zuständigen Polizeidirektionen und den Kreis- und Landesbehörden genehmigt und von der Polizei begleitet werden und dürfen nur nachts stattfinden, wenn die Straßen leer sind. Dabei ist die kostenpflichtige Zusammenarbeit mit den Behörden nach Schrievers Angaben in der Regel unproblematisch. Sie sorgen beispielsweise dafür , dass auf Antrag des Transporteurs Straßenschilder abgebaut und in engen Straßen Halteverbotsschilder aufgestellt werden, damit die überbreite Last rollen kann. Im Fall des Sunseeker-Transports hatte Schrievers tagelange Vorbereitung fast zu einem perfektem Ergebnis geführt. Es musste nachträglich nur ein Verkehrsschild abgesägt und vier PKW, deren Besitzer ihre Fahrzeuge trotz Halteverbotsschilder abgestellt hatten, mitten in der Nacht abgeschleppt werden.

Manch anderer Transport barg erheblich mehr Überraschungen. Als der  Bootstransporter eine knapp 17 Meter lange Segelyacht vom Typ X-56 “kurz” einmal vom Gelände der Hamburger Bootsausstellung “hanseboot” zum Freihafen bringen wollte, wurden aus den 9 Kilometern im Stadtplan im Endeffekt mehr als 300. Dabei war weniger die Länge, sondern vielmehr die Höhe von über 5,30 Metern das Problem. Immer wieder landeten die Vorauskommandos bei der praktischen Planung des Transports in einer Sackgasse für den Transport. Schlussendlich wurde ein machbarer Weg aus der Stadt Hamburg heraus weit ins Bundesland Niedersachsen hinein und von dort wieder zurück zum Hamburger Hafen gefunden.

In der Regel werden Transporte mit Überbreite (über 3,50 Meter) in Deutschlands möglichst auf Autobahnen geführt. Ganz anders ist es beispielsweise in Frankreich. Dort sind Autobahnen für Schriever und seine Kollegen tabu. Und es gibt noch einen Unterschied: Während in Deutschland nur Nachts überbreite Lasten transportiert werden dürfen, sieht die gesetzliche Regelung in Frankreich den Tagestransport vor. Das führt oftmals dazu, dass die Spezialtransporter mitten in die “rush-hour” kommen.
Kein Wunder, dass Uwe Schriever und seine Fahrer stundenlang über Transporte auf engen Gassen durch französische Städte und Dörfer berichten können, bei denen manchmal nicht einmal ein Fahrrad an einer Hauswand lehnen durfte, damit der Sattelschlepper passieren konnte.

Adressen von Yachttransporteuren gibt es beim Deutschen Boots- und Schiffbauer Verband

Tel.: 040/ 30706790

www.dbsv.de/

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