Tolles Finish – Yann Guichard siegt in Kiel
30.08.2010 | AllgemeinBei der Extreme Sailing Series konnten deutsche Teams nicht punkten.
Schon einen Tag vor Ende der Extreme Sailing Series in Kiel hatten sich Yann Guichard und seine französische Groupe Edmond de Rothschild ganz elegant und mit stabilen Leistungen in die Spitzenposition geschoben.
Diesen Platz konnte ihnen auch am letzten Tag niemand streitig machen, so dass das Quartett Yann Guichard, Hervé Cunningham, Pierre Pennec und America`s Cup-Sieger Thierry Fouchiet als viel bejubelte und gefeierte Sieger die dritte Station der Extreme Sailing Series™ in Kiel beenden konnten.
Der 36 Jahre junge Skipper Guichard der Groupe Edmond de Rothschild setzte seine am Freitag begonnene Aufholjagd fort und brachte den Gesamtsieg am Sonntag in sechs Wettfahrten bei der einzigen deutschen Station der internationalen Segelserie unter Dach und Fach. „Ich bin wirklich glücklich und danke meinem Team – die haben einen Super-Job gemacht,“ sprudelte der überglückliche Guichard hervor, der beeindruckt war von der deutschen Etappe: „Phantastisch – das Publikum hier – man hört die Leute schreien und klatschen!“ Von Donnerstag bis Sonntag pilgerten rund 65.000 Zuschauer an die Kiellinie und trotzten auch gelegentlichen Regenschauern. Diese und trockene Abschnitte, drehender Wind und Böen machten die Bedingungen trickreich für die Flotte der neun Boote.
Allein drei Tagessiege fuhr das französische Team heraus und beendete die Stippvisite in KIEL.SAILING CITY mit 167 Punkten auf dem ersten Platz. Das doppelt gewertete letzte Rennen des Tages sicherte sich der Nord-Atlantik-Rekordhalter Guichard ebenso wie den Sieg in der ersten Wettfahrt am Sonntag. Gesamtplatz zwei ging nach 23 Wettfahrten und einer spannenden Aufholjagd am letzten Tag an Mike Golding (Großbritannien) mit dem Ecover Sailing Team. Noch vor dem omanischen Team The Wave, Muscat von Skipper Paul Campbell James (Großbritannien).
Yann Guichard hält damit auch weiterhin die Gesamtführung in der europaweiten Segelserie, die nun nach Italien weiter zieht. Vom 23. bis 26. September wird die vierte Etappe erstmals in Trapani ausgetragen, bevor es vom 9. bis 12. Oktober in Almeria in Spanien ins Finale geht.
Schreie auf dem Wasser, Super-Gedrängel an den Tonnen und ein lautes Krachen – die nötige Prise Drama gab es auch in sechs Tages-Wettfahrten am Sonntag. So knallte das Red Bull Extreme Sailing Team des Österreichers Roman Hagara auf den linken Rumpf des omanischen Teams The Wave, Muscat. Wegerecht hatten die Österreicher – ärgerlich waren alle – und weitersegeln konnten beide Teams, weil der Schaden glücklicherweise gering blieb.
Super-frech und pfiffig fuhr das Wirsol Team Germany im zweiten Rennen den ersten Sieg heraus. Vom Fleck weg kam die junge Crew von Trainer Roland Gäbler gut ins Rennen, gab keinen Meter her und segelte kurz vor dem Ziel auch noch an der britischen Ecover vorbei. Das gab zwar einen Protest von Skipper Mike Golding, der sich benachteiligt sah, aber selbst Golding musste lachen – so lautstark war die Begeisterung der Zuschauer über diesen „Coupe de Fortune“ des jungen deutschen Teams, das sich artig bei den jubelnden Fans bedankte. Golding augenzwinkernd: „Da bin ich ja froh, noch Zweiter geworden zu sein….“
Trainer und Skipper Roland Gäbler freute sich für „seine“ Jungs: „Das war mal gut für die Psyche.“ Steuermann Tino Mittelmeier, der freitags noch mit sich selbst gehadert hatte, war am Sonntag wieder mit sich im Reinen: „Das war unser erklärtes Ziel, hier auch einmal zu gewinnen.“
„Ich bin ja schlicht begeistert wie die Leute hier die deutschen Teams angefeuert haben,“ freute sich Roland Gäbler, langjähriger Konkurrent von Hagara/ Steinacher im Olympia-Circuit. Die beiden deutschen Teams gewinnen weiter an Erfahrung. „Ansätze von Frechheit waren ja schon da,“ resümmierte Gäbler, der sein Wirsol Team Germany von außen unterstützt. „aber es ist auch klar, dass die Jungs hier auf Profis getroffen sind, die mehr die Ruhe weg haben und einfach ihre Routine ausspielen.“ Das Kieler Publikum – immerhin haben sich etwa 65.000Zuschauer dieses Spektakel nicht entgehen lassen – verdiente sich überall Bestnoten: „Cowes war schon toll, aber das hier ist richtig schön mit den vielen Zelten an der Kiellinie und den ganzen Besuchern,“ sinnierte Doppel-Olympiasieger Roman Hagara (Österreich), der vor gar nicht so langer Zeit mit Vorschoter Hans Peter Steinacher etliche Kieler-Woche-Regatten bestritt – nur dort ohne Publikum.
Johannes Polgar, Skipper des Audi Sailing Team Germany, und seine Crew mussten am letzten Wettfahrttag die deutschen Kollegen vom Wirsol Team Germany noch vorbeiziehen lassen, gleichwohl hat das Team um den einzigen Katamaran-Segler eine bemerkenswerte Leistung abgeliefert. „Ich möchte mich auch direkt beim Kieler Publikum bedanken, das war wirklich toll diese Unterstützung.“ Teamchef Oliver Schwall dankte Veranstalter OC Events und KIEL.SAILING CITY und war begeistert: “Ich denke, das war ein Riesenereignis für jeden, der dabei war. „Sailing Series™ ist der Weg wie man Segelsport präsentieren sollte.“ Das Audi Sailing Team Germany war mit einer Wildcard erst am Montag in den Extreme Sailing Series™ Circuit eingestiegen und konnte vor der ersten Wettfahrt exakt 1,5 Stunden trainieren. Nicht viel für ein professionelle Serie.
Die Extreme Sailing Series™ ist eine europaweite Profi-Regattaserie auf 40 Fuß (gut zwölf Meter) langen, baugleichen Rennkatamaranen. Mit 100 Quadratmetern Segelfläche am Wind und einem 78-Quadratmeter-Gennaker. Bei einer Masthöhe von 19 Metern sind die acht Meter breiten, 1.250 Kilogramm leichten Zweirümpfer ausgereizte Hightech-Sportgeräte. Geschwindigkeiten von mehr als 40 Knoten (rund 70 km/h) direkt unter Land sorgen stets für ein hohes Zuschauer- und Medieninteresse.
Endstand 3. Etappe Extreme Sailing Series™ in Kiel:
1. Groupe Edmond de Rothschild, Yann Guichard (FRA), 167 Punkte
2. Ecover Sailing Team, Mike Golding (GBR), 142
3. The Wave, Muscat, Paul Campbell James (GBR, Oman), 128
4. Oman Sail Masirah, Loick Peyron (FRA/ Oman), 125
5. The Ocean Racing Club, Mitch Booth (NED/ Slowenien), 125
6. Red Bull Extreme Sailing Series, Roman Hagara (AUT), 99
7. Groupama 40, Tanguy Cariou (FRA), 92
8. Wirsol Team Germany, Tino Mittelmeier/ Roland Gäbler (GER), 67
9. Audi Sailing Team Germany, Johannes Polgar (GER), 61
Gesamtstand Extreme Sailing Series™ nach drei Etappen:
1. Groupe Edmond de Rothschild, 22 Punkte
2. The Wave, Muscat, 20
3. Ecover Sailing Team, 19
4. Red Bull Extreme Sailing, 10
5. Oman Sail Masirah, 17
6. Groupama 40, 9
7. The Ocean Racing Club, 8
8. Team GAC Pindar, 3
c) Fotos: Paul Wyeth (2), Sascha Klahn/Audi Sailing Team Germany (1)



