Schiff und Hafen: Gemeinsam zu einer besseren Ökobilanz
19.08.2010 | AllgemeinHamburg Messe und Congress: gmec 2010 vom 7. bis 8. September 2010
Die EU-Schwefelrichtlinie für im Hafen liegende Schiffe und die neuen Schwefelgrenzwerte der IMO für Nord- und Ostsee bestimmen derzeit die Umweltagenda der Schifffahrtsbranche. Sie führen zwar einerseits zu geringeren Emissionen, verursachen aber andererseits bei der maritimen Wirtschaft höhere Kosten und zusätzliche Investitionen. Diese Richtlinien zeigen, wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Schiff und Hafen beziehungsweise Meer und Land sind. Auf dem weltweit ersten maritimen Umweltgipfel gmec – global maritime environmental congress, der am 7. und 8. September 2010 anlässlich der SMM im Congress Center Hamburg stattfindet, werden namhafte Branchenexperten über die ökologischen Auswirkungen der Schifffahrt auf Hafenstädte, Küstenregionen, lokale und regionale Gebiete diskutieren. Mit dabei sind unter anderem Emanuele Grimaldi, CEO der gleichnamigen italienischen Reederei und Eddy Bruyninckx, Managing Director der Antwerp Port Authority.
In Häfen und küstennahen Regionen haben die Schadstoffemissionen der Schifffahrt große Auswirkungen auf die Menschen, die dort leben, arbeiten und Urlaub machen. Seit Januar 2010 gilt deshalb für Schiffe, die länger als zwei Stunden in einem EU-Hafen liegen, ein Schwefelgrenzwert von 0,1 Prozent. Die EU-Richtlinie bewirkt somit eine Reduzierung der Emissionen in Häfen um bis zu 70 Prozent. Dr. Matthias Ruete, Generaldirektor für Mobilität und Verkehr bei der Europäischen Kommission wird auf dem gmec 2010 zu diesem Thema Stellung nehmen.
Die Schwefelvorgaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO sehen seit dem 1. Juli 2010 einen Grenzwert von einem Prozent für die Nord- und Ostsee vor. Beide Meere wurden von der IMO zu Emissionssondergebieten erklärt, so genannten „Sulphur Emission Control Areas“ (SECA). Ab 2015 werden diese Grenzwerte noch mal herabgesetzt – erforderlich ist dann der Einsatz von Marinediesel mit nur 0,1 Prozent Schwefelgehalt (MGO). Währenddessen behält die IMO in anderen Fahrtgebieten die global geltenden Grenzwerte von derzeit 4,5 Prozent Schwefelgehalt bei. 2012 wird dieser Wert dann auf 3,5 Prozent heruntergestuft. Ein derartiges Ungleichgewicht ist nicht vereinbar mit der Idee eines gemeinsamen europäischen Marktes. So werden beispielsweise Volkswirtschaften wie Finnland und Schweden einseitig mit deutlich höheren Transportkosten belastet.
Schwefelgrenzwerte für Nord- und Ostsee gefährden „Motorways of the Sea“
Die SECA-Schwefelbestimmungen der IMO werden zwangsläufig die dortigen Frachtkosten erhöhen. Nach Angaben einer kürzlich veröffentlichten Studie im Auftrag der Europäischen Reedervereinigung ECSA ist durch die MGO-Verpflichtung in Fahrtgebieten der Nord- und Ostsee mit einem Anstieg der Treibstoffkosten um bis zu 40 Prozent zu rechnen. Gütertransporte werden dadurch, so die Befürchtung, zurück auf den dann günstigeren Verkehrsträger Straße gedrängt. Zwar werde die von Schiffen verursachte Verschmutzung laut Studie zurückgehen, die Zunahme des Güterverkehrs auf der Straße werde den positiven Effekt allerdings zunichtemachen und gar zur Einstellung einiger Linienverkehre führen. Die Folge: Der Verschmutzungsgrad wäre sogar höher als zuvor, da die Vorteile des Massentransportmittels Schiff nicht mehr zum Tragen kämen.
Ein Widerspruch, denn seit längerer Zeit propagiert die Politik aus ökologischen Gründen eine verstärkte Verlagerung von Landtransporten aufs Wasser. So hat die EU-Kommission bereits 2001 in ihrem Weißbuch zur Europäischen Verkehrspolitik die Einrichtung von so genannten „Meeresautobahnen“ (Motorways of the Sea) empfohlen. Mit Unterstützung zahlreicher EU-Förderprogramme verstärkten viele Reedereien in den vergangenen Jahren ihre Short-Sea-Aktivitäten. Beispielsweise hat die italienische Grimaldi Group 2005 die Malta Motorways of the Sea Ltd. für Verkehre zwischen Spanien, Italien, Tunesien und Libyen gegründet. Emanuele Grimaldi, CEO der Reederei-Gruppe, ist Chairman des gmec. Er wird beim gmec auf die Auswirkungen der Emissionsvorschriften auf die Kurzstreckenseeverkehre eingehen.
Hafenbehörden und Terminalbetreiber in der Verantwortung
Auch auf der Landseite wird mit zahlreichen Maßnahmen zur Verbesserung der maritimen Umweltbilanz beigetragen. So wird in vielen Häfen beispielsweise über den Aufbau einer landseitigen Energieversorgung für Schiffe nachgedacht. „Strom aus der Steckdose“ soll den Einsatz von Hilfsdieseln im Hafen und damit die Emissionen deutlich reduzieren. Allerdings ist für die Versorgung mit Landstrom eine aufwendige Umrüstung der Schiffe notwendig, und auf der Landseite muss die nötige Infrastruktur geschaffen werden. Ein Kritikpunkt: Der Schadstoffausstoß wird nicht vermieden, sondern lediglich vom Hafen in das Umland, wo der Strom in den Kraftwerken produziert wird, verlagert. Eddy Bruyninckx, Managing Director der Antwerp Port Authority wird auf dem gmec 2010 über die Vor- und Nachteile des Landstroms referieren. Im Hafen Antwerpen kommen bereits seit 2009 Landstromanschlüsse zum Einsatz.
Auch die Verwendung von Flüssigerdgas (LNG) ist seit kurzem in der Schifffahrt erlaubt. Obwohl LNG ökologisch sinnvoll ist – Schwefeldioxidemissionen werden um 100 Prozent, Stickstoffoxidemissionen um bis zu 70 Prozent und Kohlenstoffdioxidemissionen um bis zu 25 Prozent reduziert, sind auch hier Probleme zu überwinden: Neben technisch neuen Schiffen ist der Aufbau einer neuen Versorgungslogistik und Infrastruktur in den Häfen erforderlich.
Währenddessen setzen Terminalbetreiber verstärkt auf energieeffiziente Umschlagstechnologien. Christian Maaß, Staatsrat der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in Hamburg, wird auf dem gmec auf nachhaltige Hafentechnologien eingehen. Mit an Bord des international besetzten Expertenforums ist außerdem Alfons Guinier, Generalsekretär der Europäischen Reedervereinigung ECSA, der unter anderem die Entsorgung von Schiffsabfällen thematisieren wird.
gmec 2010
Der global maritime environmental congress (gmec) ist der erste branchen- und länderübergreifende Kongress, der sich auf Top-Entscheider-Ebene mit dem Thema „Maritimer Umweltschutz“ auseinandersetzt. Der maritime Umweltgipfel findet vom 7. bis 8. September 2010 anlässlich der Weltleitmesse der Schiffbauindustrie SMM (7. bis 10. September 2010) in Hamburg statt. Im Mittelpunkt des gmec stehen die ökologischen Herausforderungen für die maritime Industrie und die Chancen nachhaltigen Handelns für die Wirtschaftskraft der Branche. Vertreter der IMO (International Maritime Organization), der Europäischen Kommission, aus Politik, Hafenwirtschaft, Schifffahrt und Schiffbauindustrie werden den Status quo der maritimen Umweltmaßnahmen analysieren und Ziele diskutieren, die umweltpolitisch wegweisend für die globale maritime Industrie sein können. Der Kongress steht, wie die SMM auch, unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel und wird künftig alle zwei Jahre in Hamburg abgehalten.
Weitere Informationen zum Kongress sowie zur Anmeldung, Teilnahme sowie Akkreditierung finden Sie im Internet unter www.gmec-hamburg.com



