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Standort auf See: Wahr oder nicht wahr

17.08.2010 | Allgemein

Die Kreuzer-Abteilung informiert über Risiken der GPS-Navigation.

Noch vor wenigen Jahren war gute Kartenarbeit und das ständige Mitkoppeln an Bord die wichtigste Voraussetzung für die Positionsbestimmung auf See.

Heute sind mit GPS-Geräten Positionsfehler geringer als zehn Meter zu erzielen, die jedoch von kaum einer Seekarte unterstützt werden. Immer mehr Freizeitskipper, aber auch Kapitäne der Berufsschifffahrt verlassen sich blindlings auf ihre Geräte, die so viele Stellen hinter dem Komma noch anzeigen. Wer allerdings schon mal wochenlang in der Karibik eine auf den ersten Blick nicht erkennbare GPS-Störung (vermutlich wegen eines NATO-Manövers oder wegen des Kosovo-Krieges) erlebt hat, wird auch weiterhin die Kartenarbeit als Backup-System behalten: Abwechselnd liegen oftmals die Breiten- und Längenangaben um etwa zehn Seemeilen “daneben”. GPS ist und bleibt ein militärisches System.

Keines der Global Navigation Satellite Systeme (GNSS) verfügt nach KA-Angaben über eine Immunität gegen Störungen. Sie können unabsichtlicher, natürlicher oder aber absichtlicher Natur sein. Sie können an Bord erkennbar sein – aber auch nicht.

Über mögliche Ursachen, Risiken und Folgen hat die Kreuzer-Abteilung (KA) des DSV ein Merkblatt zusammengestellt: www.kreuzer-abteilung.org/

Zur Problematik der ausschließlichen Navigation mit GPS ein Kommentar der Zeitschrift „boote“: „Auch in der Navigation ist das Gegenteil von „wahr“ mit dem Begriff „falsch“ belegt (und nicht „magnetisch“). So ist der Magnetkompasskurs ein ”falscher“ Kurs, der Kartenkurs dagegen ein ”wahrer“ Kurs. Nun aber zum GPS: Beim GPS gibt es nur „wahre“ Kurse und „wahre“ Orte. Wenn der Navigator eine Seekarte benutzt, deren „Datum“ auf WGS84 basiert, stimmen Karte und GPS in allen navigatorischen Angaben (Kurse, Koordinaten etc.) überein. Der aus einer solchen Karte übernommene Waypoint ist ein „wahrer“ Ort, dessen Koordinaten exakt mit den Koordinaten übereinstimmen, die man dem GPS-Gerät an dieser Stelle entnehmen kannst. Steuert man einen solchen Waypoint an, zeigen sowohl die in die Karte eingetragene Kurslinie als auch das GPS den übereinstimmend „wahren“ Kurs zu diesem Waypoint an. Nun gibt es Seekarten, die auf einem anderen „Datum“ als WGS84 basieren. Die aus solchen Karten entnommenen Koordinaten stimmen nicht mit den GPS-Koordinaten überein! Obwohl in diesen Karten inzwischen durchweg die Abweichung von GPS84 angegeben wird, sind viele Skipper zu faul, diese vom GPS abweichenden Koordinaten in WGS84- Koordinaten umzurechnen. Im Grunde arbeiten sie dann in zwei verschiedenen Systemen und kommen auch niemals wirklich exakt dort an, wo sie eigentlich hinwollen (die Abweichung ist aber meistens nicht so extrem, dass das zwangsläufig in die Katastrophe führt!) Trotzdem ist es bei Navigation mit GPS eine Nachlässigkeit, mit Koordinaten von Waypoints zu arbeiten, die den GPS-Daten (WGS84) nicht entsprechen (das führt zwangsläufig zu Fehlern!). Damit ist nur die Methode sicher, bei der die Navigation mit GPS grundsätzlich nur auf WGS84 basierten Koordinaten beruht. Übrigens war der Waypoint-Atlas für Kroatien von Karl-Heinz Beständig aus dem Delius Klasing Verlag der erste für dieses Revier, der alle Waypoints in WGS84 berechnet hat. Das war damals sehr hilfreich, weil die kroatischen Seekarten auf dem „Eastern European Datum“ basierten (und teilweise noch basieren) und somit nicht GPS-kompatibel waren (und teilweise noch sind).“

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