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Segeln zu den Robinson-Inseln

6.08.2010 | Allgemein

Es gibt für Segler viel zu entdecken in der dänischen Ostsee. Sogar unbesiedelte Inseln.

Von Klaus Bartels. Die Insel Hjelm wirkt von der Ferne mit ihren hohen bewaldeten Steilufern auf Crews von Segelyachten hoch und unnahbar. Ähnlich müssen Fletcher Christian und die weiteren Meuterer der „Bounty“ beim Anblick von Pitcairn Island im Pazifik empfunden haben, die bekannterweise diese Insel als Zufluchtort wählten. Sie wurden dort nicht entdeckt. Hjelm kann auch von deutschen Urlaubsseglern entdeckt  werden. Die Insel liegt nicht in den Weiten des Südpazifiks, sondern in der dänischen Ostsee. Das dänische Eiland hat sogar weitere Gemeinsamkeiten mit Pitcairn zur Zeiten der „Bounty“-Meuterer. Hjelm, rund fünf Kilometer von Jütland entfernt im Kategatt gelegen, ist nicht besiedelt.

Immer mehr Segelcrews ankern vor der Küste, um einmal Robinson zu spielen und zu sehen, wie die Natur sich ein bis vor wenigen Jahren noch bewohntes und bearbeitetes Stück Land zurück erobert. Hjelms Wald wird langsam zum dichten Urwald. Segler, die vor der Insel den Anker geworfen haben, können sich über einen in der Regel menschenleeren Strand an der Südseite erfreuen, müssen allerdings auf den Wind achten, denn die fast kreisrunde Insel bietet keine schützende Bucht. Bei mehr Wind schaukeln die Yachten in der Kattegattwelle und zerren an den Ankerketten.

Sehr viel ruhiger liegen Segel- und Motoryachten dagegen vor Kyholm, einer kleinen Insel im Schutz der großen Kategattinsel Samsö, nur knapp 20 Kilometer südlich von Hjelm. Wie Hjelm gehört auch Kyholm zu einem knappen Dutzend unbesiedelter Inseln in der dänischen Ostsee. Der Anker sollte auf der Nordseite mit ihrem tieferem Wasser fallen, bevor die Crew sich mit dem Beiboot an Land begibt. Hier wandert man durch eine Allee knorriger Apfelbäumen, die von hüfthohem und mit Diesteln durchwachsenen Gras bewachsen ist. Die Allee macht deutlich, dass auch hier einmal Menschen lebten. Tatsächlich war Kyholm bis zum Juli 1859 besiedelt. Die Insel wurde über 40 Jahre lang als Quarantänestation genutzt, die von allen Seeschiffen angelaufen werden mussten, die Dänemark aus Übersee ansteuerten. Hier arbeiteten einmal über 100 Menschen. Es gab ein Krankenhaus für 40 Seeleute und mehrere Packhäuser. Und sogar bis zu 400 Soldaten waren vorher auf Kyholm stationiert, als die Insel von 1805 bis 1814 als Festung diente. Heute treffen Segler nur noch auf ein paar meckernde Schafe, die Kyholm als Sommerweide nutzen und erkennen ein paar Mauerreste. Alles was man wegtransportieren konnte, war vom dänischen Staat versteigert worden. So wurden ein paar Häuser im nahen Hafen von Ballen auf Samsö aus Ziegelsteinen von Kyholm gebaut.

Auf ihrem Törn zu den Robinson-Inseln Dänemarks sollten Crews in Ballen auf Samsö beim Kaufmann am Hafen Proviant einkaufen, denn auch beim nächsten Ziel gibt es nichts weiter als Natur pur. Es ist die Insel Aebelö im Norden von Fünen, knapp 40 Kilometer von Ballen entfernt. Ein paar Pfähle und einige Mauerreste erinnern an der Westseite der Insel, dass hier einmal Menschen lebten, die einen Hafen gebaut hatten. Aebelö ist sich seit einigen Jahren selbst überlassen und empfängt die wenigen Segler, die an Land gehen mit einem mächtigen Buchen- und Eichenwald, aber auch jeder Menge stechfreudiger Mücken. Glücklicherweise sind die Quälgeister nur im Wald aktiv und nicht am Strand, der sich bestens zum Grillen anbietet. Aebelö ist übrigens die einzige Robinsoninsel in Dänemark, für die Besucher nicht unbedingt ein Boot benötigen. Es gibt einen sogenannten Wattwanderweg, der über die kleinere Insel Draet bis nach Fünen führt. Allerdings ist es eine sportliche Herausforderung, kilometerweit durch zum Teil hüfthohes Wasser zu wandern. Verlaufen kann man sich nicht, da der Wanderweg im Wasser durch Seezeichen kenntlich gemacht wurde.

Crews die auf der Westseite ankern und von westlichen Winden mit höheren Wellen überrascht werden, können ihre Boote gefahrlos um Aebelös Nordkap steuern und dann auf der dann ruhigen Ostseite den Anker werfen. Von hier führt der Kurs Richtung Osten um das Kap Fyns Hoved herum, um die nächste unbesiedelte Insel zu erreichen. Um vor Romsö ankern zu können, müssen gute 60 Kilometer gesegelt werden. Die Insel liegt nur wenige Kilometer von Fünen entfernt im Großen Belt. Die letzten Bewohner haben Romsö im Jahr 1973 verlassen. Seitdem übernimmt der sich ausbreitende Wald das Kommando. Die besten Ankerplätze finden Segler im Südwesten im Schutz einer flachen Sandbank. Wer mit dem Beiboot zum nahen Strand übersetzt, kann in einem Urwald spazieren gehen und wird dabei auf Rehe und Dammhirsche stoßen, die genauso verdutzt über das Treffen zu sein scheinen wie die Segler selbst.

Es gibt viele weitere in der Regel kleinere, menschenleere Inseln in der dänischen Ostsee, von denen einige als Naturschutzgebiete ausgewiesen wurden und nicht betreten werden dürfen. Man findet Dänemarks Robinson-Inseln am besten auf genauen Seekarten. Dort sind auch die besten Ankerplätze ausgewiesen und die Küstenabschnitte bezeichnet, die nicht betreten werden dürfen.

Segelrevier voller Inseln

Dänemarks Inselreich
In Dänemark gibt es offiziell 442 namentlich bekannte Inseln. Die meisten von ihnen befinden sich in der Ostsee. In den dänischen Ostseehäfen werden jährlich über 100.000 deutsche Yachten gezählt, deren Crews dort festmachen, um zu übernachten. Beliebte Törns sind Umrundungen der großen Inseln wie Fünen, 145 Seemeilen oder Seeland rund 220 Seemeilen. (1 Seemeile misst rund 1,85 km).

Unbewohnte Insel in Deutschland
Die Insel Vilm bei Rügen galt zu DDR-Zeiten als Honeckers Privat-Eiland mit einem Regierungsgästeheim. Seit 1936 ist sie Landschaftsschutzgebiet und darf heute nur noch unter Führung von Naturschützern in Gruppen von höchstens 30 Personen betreten werden. Der Inselhafen gilt heute als Nothafen.

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