Der Meister der Kleinschifffahrt
28.07.2010 | AllgemeinHamburg und die Unterelbe im Küstenschiffahrts-Museum in Wischhafen.
Der vergessene Maler Geo Wolters (1866 – 1943) wird in einer Ausstellung im Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum in Wischhafen gewürdigt.
Wohl niemand hat die Kleinschifffahrt auf der Unterelbe so liebevoll dargestellt wie der Hamburger Künstler Geo Wolters, der einzige deutsche Marinemaler, der auch ein Kapitänspatent hatte.
Der Sohn des Hamburger Rechtsanwaltes und Bürgerschaftsabgeordneten Dr. jur. Georg Wolters interessierte schon früh für Malerei. Nach der Militärzeit wandte er sich ganz dieser Kunst zu und nahm Malunterricht bei den renommierten Hamburger Künstlern Rudolf Hardorff und Friedrich Wilhelm Schwinge. In Paris studierte er an den bekannten Akademien Julian und Colarossi, sowie 1904 an der Akademie in Antwerpen.
Als Volontär auf einer kleinen Bootswerft studierte Wolters die Bauweise der dort gebauten Ewer, Tjalken und Jollen auf das Genaueste. Nach und nach wurde er als Marinemaler bekannt und stellte erstmals auf der großen Frühjahrsausstellung 1895 in der Hamburger Kunsthalle eines seiner Gemälde aus.
Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges endete für Geo Wolters ein sehr erfolgreicher Lebensabschnitt. Als Marinemaler war er inzwischen anerkannt, und als Regattasegler war er bekannt und hatte viele Rennsiege eingefahren. Der Enkel Joachim Wolters zählt im seiner Familienchronik allein 375 erste Preise auf, die sein Großvater gewonnen hat. Geo Wolters war Mitglied in verschiedenen Yachtclubs und Segelvereinen, der bekannteste von ihnen war der Kaiserliche Yachtclub in Kiel, dem er ein Leben lang angehörte. 1901 ließ Wolters sich von dem renommierten Hamburger Yachtkonstrukteur und Bootsbauer Max Oertz eine 9m lange Yacht bauen, deren Segelanordnung er selbst ausgetüftelt hatte.
Legendär sind die Regatten mit dem amerikanischen Rennschoner WESTWARD unter dem Kommando von Charly Barr, bei denen der Künstler als Navigator und taktischer Berater an Bord war. Die Yacht gewann auch gegen die kaiserliche METEOR alle neun Rennen, was Wilhelm II. nicht erfreute. Als Geo Wolters in finanziellen Nöten ihm später im holländischen Exil einige Bilder anbot, schickte der abgedankte Kaiser diese umgehend mit dem Vermerk zurück „Segeln kann Er, malen jedoch nicht“.
Die Militärzeit im Ersten Weltkrieg verbrachte Wolters als Leutnant beim Freiwilligen Motorboot-Korps an verschiedenen Einsatzorten. Er erlebte das Kriegsende in Belgien und konnte sich von dort nach Hamburg durchschlagen, wo für ihn eine schwierige Zeit begann: Er war gesundheitlich angeschlagen und niemand interessierte sich für seine Kunst. Er arbeitete als Schuppenaufseher im Hafen, um seine Familie zu ernähren. Trotz Krankheit und wirtschaftlicher Not gab es auch freudige Ereignisse; alte Freundschaften halfen durch schwere Zeiten. 1941, zu seinem 75. Geburtstag, widmete die Zeitschrift „Die Yacht“ Geo Wolters einen längeren Artikel, hob darin seine Regattaerfolge hervor, würdigte aber auch seine Arbeit als Marinemaler.
1943 schrieb Geo Wolters an seinen Sohn, dass es mit den Aufträgen gut ginge, er aber leider nicht mehr so viel arbeiten könne. Am 3. November 1943 starb er.
Eine Übersicht über das Werk von Geo Wolters gibt es nicht, ein Verzeichnis wurde nicht geführt. Großzügig hat er auch zahlreiche Werke verschenkt. Durch den Segelsport sind etliche seiner Bilder auch nach England, wo er Freunde und Bewunderer hatte, gegangen. Zu seinem Œuvre gehören Ölgemälde, Gouachen und Aquarelle, Federzeichnungen und Radierungen. Wolters’ Bedeutung als Maler konzentriert sich vor allen Dingen auf Hamburg und die Unterelbe, wo ein direkter Bezug zur Berufsschifffahrt besteht und wo seine Darstellungen der Ewer, Schniggen, Tjalken und Kutter, alle seemännisch korrekt abgebildet, hoch geschätzt werden. Das wichtigste Werk dürfte die aus 20 Radierungen bestehende Kunstmappe „Kleinschiffahrt der Unterelbe“ aus dem Jahre 1925 sein, die das Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum für seinen Bestand erwerben konnte und die es nun in einer speziellen Geo Wolters Ausstellung zeigen wird. Die Ausstellung wird als Leihgaben auch farbige Arbeiten beinhalten. Sie wird die erste allein Geo Wolters gewidmete Ausstellung seit Jahrzehnten sein.
Feierliche Ausstellungseröffnung: Freitag, 30. Juli 2010 um 20.00 Uhr
Geo Wolters, Der Meister der Kleinschifffahrt
30. Juli bis 14. November
Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum
Unterm Deich 7
21737 Wischhafen
Täglich außer montags 10- 12 Uhr und 13- 18 Uhr
ab 1. Oktober nur noch sonnabends, sonntags und an Feiertagen



