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An Bord des fliegenden Trimaran

9.07.2010 | Allgemein

Das schnellste Segelschiff der Welt beeindruckte auf der Kieler Förde.

Von Klaus Bartels. Der französische Konstrukteur und Skipper Alain Thébault zeigt mit seinem Trimaran „Hydroptère“ die neue Dimension des Segelns.

Ab 15 Knoten Fahrt (knapp 30 km/h) erfolgt ein wenig Fahrstuhlgefühl, denn der „Hydroptère“ hebt sich aus dem Wasser und gleitet nur noch auf seinen kleinen Kufen darüber hinweg. Dann ist festhalten angesagt. Bei etwa 23 Knoten Wind beschleunigt der Hightech-Trimaran in kurzer Zeit auf 38 Knoten (70 km/h) – nur mit der Kraft des Windes. Segeln mit jedem anderen Boot ist dagegen fast so statisch wie Schachspielen. Am beeindruckensten ist der Beschleunigungsfaktor. Man glaubt in einem Sportwagen zu sitzen. Der hat allerdings bequemere Sitze, als die kargen Decks und das Trampolin zwischen Hauptrumpf und den Auslegern des „Hydropters“.  Crew wie Mitsegler müssen sich festhalten. Man könnte darüber philosophieren, ob dieser Trimaran noch ein Boot ist, denn seine Geschwindigkeit erzielt der Trimaran nicht beim Schwimmen, sondern beim Fliegen übers Wasser.

Zum ersten Mal lief das schnellste Segelschiff der Welt einen deutschen Hafen an. “Kiel ist dafür die beste Adresse”, so der französische Skipper und Konstrukteur des 21 Meter langen Trimarans  „Hydroptère“, Alain Thébault. Er stattete der Kieler Woche, der größten Regattaveranstaltung der Welt, einen Besuch ab und lud zu Probefahrten ein.

Am 4. September des  vorigen Jahr gelang Thébault und seiner Crew im Mittelmeer eine für Segelboote bisher unglaubliche Geschwindigkeit. Die Logge zeigte auf einer Strecke von 500 Metern durchgehend 51,36 Knoten. Gesegelt wurde bei einer Windgeschwindigkeit von nur rund 30 Knoten. Der Trimaran ist also fast doppelt so schnell wie der Wind. 500 Meter sind die Minimalanforderung für die Anerkennung einer Weltbestleistung nach Vorgaben des World Sailing Speed Record Council. Kurze Zeit später glitt der Trimaran, der mit 24 Meter Breite auf einer Strecke von einer Seemeile im Durchschnitt mit 50,17 Knoten über das Wasser. Dabei wurde umgerechnet kurzzeitig auch die 100 Stundenkilometergrenze (über 54 Knoten) überschritten. Damit schreibt dieser futuristische Trimaran Segelgeschichte. Der nur knapp sechs Tonnen wiegende, hochfest Leichtbau wird am Wind von einer Segelfläche von 250 Quadratmetern angetrieben. Wie auf einer modernen Segelyacht nutzen Thébault und seine Crew Foliensegel und Winschen auf ihrem High-Tech-Segler. Ansonsten hat der „Hydropère“ kaum etwas mit herkömmlichen Mehrrümpfern zu tun und unterscheidet sich sogar erheblich von den fast gleich großen Regatta-Trimaranen der französischen ORMA-Klasse.

Herzstück des aus extrem leichtem, aber hochfesten Karbon und Kevlar gebauten „Hydroptères“ ist ein leistungsstarker Zentralcomputer, der über 50 Sensoren steuert, die die stark belasteten Teile überwachen. Kein Wunder, dass die erste Crew des Profiseglers aus ehemalige Testpiloten der französischen Luftwaffe bestand.
Auch sonst griff der Skipper des Trimarans auf die Luftfahrt zurück. Er konnte beim Bau und der Ausrüstung des High-Tech-Bootes auf die Hilfen des europäischen Luftfahrtkonzern EADS (Airbus) und das Logistikunternehmen Alstrom setzen, die er als Sponsoren gewann.

Letztlich waren es auch Wissenschaftler der Universität von Lausanne und Ingenieure des Schweizer Americas-Cup-Teams Alinghi, die dem „Hydroptère“ beim Ritt über die Wellen die „Sporen“ gaben. Sie modifizierten die Ausleger des Bootes. Diese wurden den Schwimmern von Wasserflugzeugen nachempfunden. Das Boot wird jetzt weniger belastet bevor die Gleitfahrt beginnt und kann auch besser die Kraft der Wellen abwettern.

Mit der Idee von einem über der Wasseroberfläche segelnden Boot hatte sich bereits Frankreichs Segleridol Eric Tabarly Ende der 70er Jahre beschäftigt.
Tabarly, der durch einen Unfall ums Leben kam, scheiterte vor Jahren wie viele andere an der Realisierung des Traumes unter Segel auf Kufen zu gleiten, denn die Segelboote waren durch die damaligen Bootsbaumaterialien viel zu schwer.

Erst in den 90er Jahren versprachen neu entwickelte leichte, aber besonders feste Bootsbaumaterialien wie Karbon und Kevlar einen erfolgreichen Vorstoß in die neue Dimension des Segelns. Alain Thèbault stellte 1994 seinen 20 Meter langen Trimaran “Hydroptère” vor. Das Schiff hatte schon damals eine Segelfläche von rund 250 Quadratmetern. “Hydroptère” hob sich zwar schon bei Windstärken um vier Beaufort aus dem Wasser, er war allerdings zu fragil und zerbrach bei einer Geschwindigkeit von 35 Knoten. Auf den 6 Meter langen und 250 Kilogramm schweren Foils und den 12 Meter langen Querverstrebungen lasten bis zu 45 Tonnen.

Auch 1998, vier Jahre nach dem ersten Desaster, war die Konstruktion noch nicht ausgereift. Der “Hydroptère” hob sich diesmal schon bei drei Beaufort auf seine rund drei Meter hohen Kufen, war aber für die Crew kaum noch zu beherrschen und drohte wieder auseinander zu brechen.
Alain Thèbault gab jedoch nicht auf und konnte die Probleme mit Hilfe der neuen Sponsoren beseitigen.

Auf dem pfeilschnellen Segeltörn über die Kieler Förde demonstrierte Alain Thébault als Steuermann wie ausgereift jetzt sein Trimaran ist. Er saß entspannt, mit einem Lächeln im Gesicht jeweils am Luv-Steuerrad auf einem der Schwimmer, gab der siebenköpfigen Crew Trimmanweisungen und steuerte im Zickzackkurs als „Allesüberholer“ durch Regattabahnen, Zuschauerboote und Frachtschiffe, die in die Förde ein oder ausliefen. Der sympathische Mann, der 20 Jahre an dieser Idee arbeitete, hat es geschafft und lässt andere an seiner Freude darüber teilhaben.  Auf der Rauschefahrt über die Förde war der „Hydroptère“ eindeutig der Star des gesamten Geschehens und hat den Titel des meist fotografierten Schiffes der Kieler Woche errungen. Manche Berufs- und Hobbyfotografen waren allerdings zu langsam. Bevor sie reagieren konnten war Alain Thébault bereits vorbeigezischt. Während der diesjährigen Woche stellte er auch einen Segelgeschwindigkeitsrekord für die Kieler Förde auf: 42 Knoten.

Auch in Kiel wurde deutlich: Die Zusammenarbeit mit den High-Tech-Unternehmen an der zur Zeit modernsten Segelyacht der Welt war erfolgreich und läßt einiges erwarten.

Thèbault will weitere Segelrekorde knacke , zum Beispiel auch die bestehenden Transatlantikrekorde. Dafür entsteht zur Zeit eine mit 30 Metern Länge sehr viel größere Version des „Hydroptères“. Thèbault geht davon aus, dass er mit dem neuen Trimaran in weniger als 40 Tagen die Welt umsegeln kann.

Technische Daten
Länge über Alles (inkl. Bugsprit): 21 m
Breite über Alles: 24 m
Wasserlinie: 18,12 m
Gewicht: 4,8 t
Länge Zentralrumpf: 18,28 m
Länge eines Schwimmers: 6,20 m
Länge eines Foils: 6,00 m
Gewicht eines Foils: 240 kg
Ruder: 3,30 m
Masthöhe: 27 m
Mastfläche: 15,5 qm
Segelfläche am Wind: 256 qm
Segelfläche gesamt: 400 qm

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3 Kommentare

1

[...] Der Franzose Alain Thébault arbeitet bereits seit 1985 mit seinem französisch-schweizerischen Team an einem “fliegenden” Segelschiff, das kaum noch Wasser verdrängt, sondern mittels Foils (Kufen) über das Wasser fliegt, und so Geschwindigkeiten von 100 km/h erreichen kann. 2009 stellte die Crew mit dem 18 Meter großen l’Hydroptère Weltrekorde auf 500 Metern und einer Seemeile auf. In Deutschland war der l’Hydroptère dieses Jahr auf der Kieler Woche zu erleben, mit Leichtigkeit segelte die Crew 42 Knoten (www.mediamaritim.de/blog/personality/an-bord-des-fliegenden-trimaran/#more-8019). [...]

2

Schnell + achaisches Design + super Material
zeigt wieder Frankreich und seine Freiheit zum ungesicherten Experiment.
( wie ja auch das Auto Citoen-DS 1957 seiner Zeit weit voraus war)

Interessant koennten die interdisziplinaeren
Entwicklungsschritte sein.
Als modellhaftes “Innovations-Konzept” an sich.

Dazu würde ein anderes Segelkonzept die
Max-Vitesse noch wesentlich steigern koennen!

Selbst suche ich eine Uni , die ein schnelles Explorer-Segelschiff als interdisziplinäres Projektidee aufnehmen würde.

Hochsicher-schnell- global autark – autonom.
Quasi als weltweite Forschungs Plattform einer Uni. Grundformen dazu existieren.
Ohne die Hydrodynamik eines Schiffes alleine
und damit die allzu monoton-denkenden deutschen Schiffbauer innerhalb des Projektes überbewerten zu wollen. Auch hier kann der WEG schon EIN Ziel an sich sein.

Freue mich dazu auf anregende Ideenmails oder dazupassende Bloggs.
W.L / Hamburg mail: creatorium@hotmail.com

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[...] war mit seinem futuristischen Hightech-Trimaran Hydroptère bereits mehr als 50 Knoten schnell (www.mediamaritim.de/blog/2010/07/09/an-bord-des-fliegenden-trimaran/#more-8019) und will den Tri weiter perfektionieren. Sein Ziel ist es, die Erde in 40 Tagen zu [...]


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