Noch eine Weltumseglung beendet
16.06.2010 | AllgemeinBernt Lüchtenborg strandet vor der chilenischen Küste und verliert die Yacht.
348 Tagen nach seinem Start in Cuxhaven ist auf der Webseite des sehr umstrittenen Weltumseglers Bernt Lüchtenborg zu lesen: „Die SY Horizons ist am Eingang des Beagle-Kanals (Chile) an die Felsen getrieben worden und dort zerschellt. Bernt Lüchtenborg wurde aufgrund eines Splitterbruchs des Vorderarms ins Krankenhaus gebracht. Er ist soweit wohlauf und wird später nähere Informationen abgeben.”
Es scheint, dass die “Horizon”, das Boot von Lüchtenborg, nach stürmischen Wetter der Kapregion in den Beaglekanal eingelaufen ist und dort auf eine Flaute traf. Lüchenborg berichtete von einem Motorproblem, aufgrund dessen das Schiff manövrierunfähig wurde und auf einen Felsen trieb. Lüchtenborg sendete ein Notsignal, das von den lokalen Behörden in Puerto Williams aus der Bahia Cook nahe Ushuaia aufgefangen wurde. Sie schickten ein Suchflugzeug, das bald darauf Sichtkontakt meldete. Die “Horizons” war auf die Felsen gespült worden. Als kurze Zeit später das Patrouillenboot “Sibbald” am Ort des Geschehens ein traf, war das Schiff schon halb gesunken. Der Skipper befand sich in Sicherheit an Land. Er wurde von den Chilenen an Bord genommen und später per Helikopter nach Puerto Williams in ein Krankenhaus geflogen. Eine Wunde an der rechten Augenbraue wurde behandelt und der Splitterbruch des Unterarms, den er vor ein paar Tagen im Sturm bei einem Knockdown seiner Yacht erlitten hatte.
Der letzte Eintrag von Bernt Lüchtenborg am 63.Seetag, bevor es zur Strandung kam: Es ist bitter, die erkämpften Meilen wieder hergeben zu müssen, noch schlimmer das Gefühl in der Nacht fast das Schiff zu verlieren! Bei Schauerböen von 60kn die in die Ankerbucht fegen, stecke ich zu 50m Kette, 30m Leine. Dennoch bricht der Anker aus dem Grund. Nach neuem Ankermanöver wiederholt sich der Horror, doch als ich Leine und Kette an Bord habe, (mit gestauchtem Handgelenk!) fehlt die Ankerpiek. Vermutlich unter einem Fels vom gewaltigen Winddruck abgerissen. Irre durch die Nacht in schweren Schauerböen die mir am Scherenschnitt der Isla Noir den Rest an Orientierung nehmen. Wohin? Der Orkan gibt mir keinen Raum zum Nachdenken. Es gilt die Nacht zu überleben und dem Verstand zu folgen. Mit meiner Handverletzung und der zu reparierenden Aries laufe ich vor dem Wind nach Ushuaia ab. Bin unsagbar enttäuscht wg. der Unterbrechung. Andererseits lebt dieser unglaubliche Törn von den Geschichten des Abenteuers sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Damit umzugehen, fertig zu werden. Aufgeben ist zu einfach. Morgen durch die Gletscherwelt Feuerlands, dann in Ushuaia reparieren, ein anständiges Asado, Mund abwischen und weiter Kurs West !!
Gestartet war Bernt Lüchtenborg Ende Juni 2009 zu einer doppelten Solo-Nonstop-Weltumsegelung, jeweils in entgegengesetzte Richtungen (www.mediamaritim.de/blog/allgemein/aufbruch-in-ein-segel-abenteuer/#more-3224). Allerdings musste er im Dezember 2009 eingestehen, dass er nicht ständig alleine an Bord seines Schiffes war. Kurz vor Weihnachten stoppte ihn ein Wal. Damals musste er einen neuseeländischen Hafen anlaufen. Lüchtenborg hat sich in der Vergangenheit eher durch den geringen Wahrheitsgehalt seiner Geschichten hervorgetan. Damit hatte er die Seglerwelt gegen sich aufgebracht und seine weitere Reise wurde in den Medien nicht weiter verfolgt. (www.mediamaritim.de/blog/personality/luchtenborg-reise-wird-als-bluff-angesehen/#more-5511). Es wird sich wohl schwer rekonstruieren lassen, was wirklich passiert ist, da die Angaben Lüchtenborgs zur Ursache und zum Ablauf der Havarie Fachleuten zufolge nicht sehr schlüssig seien. Tragisch ist jedoch, dass Lüchtenborgs nach einem Totalverlust in den 90er Jahren bei Kuba jetzt bereits sein zweites Schiff verloren hat.



