Abby Sunderland: Ungebrochener Optimismus
15.06.2010 | AllgemeinNach der Bergung von ihrer Segelyacht schmiedet die 16-Jährige schon wieder Pläne.
Nach einem Notruf am vergangenen Donnerstag um 13 Uhr GMT im Indischen Ozean wurde eine groß angelegte Rettungsaktion ausgelöst. Zirka 1.800 Seemeilen südöstlich der Réunion-Inseln hatte die Einhand-Weltumseglerin in einem Telefonat von Bord ihrer „Wild Eyes“ mit ihrem Vater von schwerem Wetter mit neun Meter hohen Wellen und von Wind mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Knoten berichtet. Dann brach die Verbindung ab.
Die Rettungszentrale auf den Réunion-Inseln (CROSS) bestätigte den Empfang eines Notsignals südlich der Insel Saint Paul so dass eine Suchaktion nach Suche der jungen Amerikanerin eingeleitet wurde an der sich ein Flugzeug der Australischen Marine sowie mehrere Schiffe beteiligten. Auch die australische Behörde für Meeressicherheit (AMSA) reagiert sofort und schickte von Perth aus am frühen Freitagmorgen ein Flugzeug in das Unglücksgebiet. An Bord des gecharterten Airbus der australischen Fluglinie Qantas waren elf so genannte „Air Observer“, die Ausschau nach der Vermissten halten sollten und die Abby schließlich orten und einen Funkkontakt zu der Seglerin herstellen konnten.
Nach eigenen Angaben hielt sich die Seglerin im Inneren ihrer 12 Meter großen Segelyacht auf, als plötzlich eine Böe das Schiff traf und der Mast brach.
Inzwischen wurde Abby nach drei Tagen auf See ohne größere Verletzungen von einem Fischerboot aus dem Indischen Ozean gerettet. Die Rettung war nicht ganz einfach. Die französischen Schifffahrtsbehörden erklärten, der Kapitän des Fischerbootes in der in stürmischen See vom ausgesetzten Beiboot ins Meer geschleudert worden war und musste selbst von seiner Crew geborgen werden. Die australische Küstenwache gab eine Warnung an alle Schiffe in der Region heraus, dass Abbys Boot noch in den Wellen treibe. Eine Bergung erscheint angesichts der Wetter- und Wasserverhältnisse sowie der großen Distanzen als zu aufwendig.
Sie habe ein paar blaue Flecken davongetragen, sei aber gesund, erklärten ihre Eltern nach einem Telefongespräch mit ihrer Tochter in Kalifornien. “Ich werde auf jeden Fall noch einmal um die Welt segeln oder es wirklich noch einmal versuchen. Ich weiß nicht, wann ich die nächste Gelegenheit bekomme, aber ich habe mir die Umseglung der Welt seit Jahren gewünscht und werde das irgendwann auch tun”, sagte Abby dem TV-Sender ABC nach ihrer Rettung.
Bezahlen muss die Familie Sunderland zumindest der australischen Regierung nichts für die Rettung. Das Land verzichte großzügig darauf, Abbys Eltern eine Rechnung zu präsentieren, sagte Australiens Transportminister Anthony Albanese.
Abby war bereits seit dem 23. Januar von Kalifornien aus unterwegs, wollte den Weltrekord als jüngste Solo-Weltumseglerin brechen. Ein Schaden an Bord zwang sie zu einer Unterbrechung in Kapstadt (www.mediamaritim.de/blog/personality/aus-fur-abby-sunderland/).
Abbys Bruder Zac Sunderland hielt im vergangenen Jahr kurz den Rekord des jüngsten Solo-Weltumseglers bevor der Brite Mike Perham seine Reise abschloss (www.mediamaritim.de/blog/rekorde/weltumsegler-werden-immer-junger/#more-5560). Im Mai wurde auch er von Jessica Watson überflügelt, die wenige Tage vor ihrem 17. Geburtstag nach erfolgreicher Weltumseglung nach Australien zurückkehrte (www.mediamaritim.de/blog/personality/weltumsegelung-australiens-neue-heldin/).
Mit der Havarie der 16-jährigen Seglerin Abby Sunderland bekommen die Diskussionen um den Sinn solcher Rekordversuche neue Nahrung. Abbys Eltern verteidigen den Rekordversuch: „unabhängig vom Alter hätten schon viele Menschen gerettet werden müssen“, so ihr Vater Laurence Sunderland, ein Bootsbauer und Segellehrer. Er erklärte dem Fernsehsender NBC, dass seine Tochter schon vor Beginn ihrer Reise tausende Kilometer allein gesegelt sei. „Sie hat ihr halbes Leben auf Booten verbracht.“ Sie habe im Indischen Ozean einfach eine schlechte Welle erwischt. Nur weil es “harte Wellen gibt und manchmal Leute gerettet werden müssen”, könne ja wohl nicht das Segeln verboten werden. Außerdem sei seine Tochter Abby ja unbeschadet aus der ganzen Sache herausgekommen. Und Laurence Sunderland fügte hinzu: “Wie viele Jugendliche sterben jedes Jahr bei Autounfällen. Sollen wir ihnen deshalb verbieten zu fahren?”
Doch manche Kritiker in den USA lassen dies nicht als Entschuldigung gelten – und attackieren die Eltern. „Ich kann nicht glauben, dass die Gerichte bisher nicht wegen Kindesgefährdung ermittelt haben,“ schreibt ein Leser der „Los Angeles Times“. Ein anderer fordert den Entzug des Sorgerechts, und ein weiterer fügt sarkastisch hinzu: „Sie war auf dem falschen Boot (einer Rennjacht) in der falschen Region (dem südindischen Ozean) zur falschen Jahreszeit (Winter). Abgesehen von diesen kleinen Details war es eine gut geplante Reise.“ Auch Segelexperten wie Buchautor Derrick Fries warnen: „Abby hatte diesmal pures Glück. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir eine Tragödie vor uns haben.“ Übervorsichtig seien viele Eltern, was ihre Kinder angeht, schießt Vater Sunderland zurück und behauptet: Riskante Abenteuer könnten auch „gesund“ für Heranwachsende sein.



