Weltumsegelung: Routenplanung und Realität
4.06.2010 | AllgemeinVon dem Lebenstraum, die Welt mit dem eigenen Schiff zu erkunden
Michaela und Volker Kissling haben sich einen Traum erfüllt. Sie kündigten Jobs und Versicherungen und sind seit einigen Jahren mit ihrer 13,90 Meter langen Yacht AMEL MARAMU 46 „La Gitana“ auf Weltreise. Zur Zeit sind die „Seezigeuner“, wie sie sich selbst nennen, sie auf Fiji. Sie wollen auf ihrer Reise aber nicht nur Land und Leute sowie ihre Lebensweisen kennenlernen sondern wollen auch in alltäglichen Dingen helfen.
„An vielen Orten auf der Welt fehlt es am Nötigsten und an vielen für uns selbstverständlichen Dingen. Die Liste der fehlenden Dinge ist unendlich lang – und je weiter man sich von der Zivilisation entfernt, desto länger wird die Liste. So haben wir uns mit dem Projekt SAIL2HELP zum Ziel gesetzt, an jedem ihrer Ankerplätze Soforthilfe zu leisten, soweit es möglich ist, denn als Segler kann man eine Menge an Ausrüstung mitführen, die
vor Ort einen hohen „Atollwert“ hat“ beschreiben die Seezigeuner ihre Aufgaben. SAIL2HELP wird zum einen aus dem privaten Budget für die Weltumsegelung finanziert, zum anderen über den Verkauf von Dokumentarfilmen, Kalendern oder Fotobüchern sowie Spenden (www.mediamaritim.de/blog/allgemein/kalender-sudseetraume/#more-5005).
Was bisher geschah
Nach knapp viermonatiger Renovierung von LA GITANA sind wir endlich am 26. 8.2005 in Hyères in Südfrankreich zur Weltumseglung gestartet. Zunächst ging es zur Shake-Down-Cruise erstmal auf die Balearen. Eigentlich wollten wir mindestens vier Wochen im Mittelmeer segeln bevor es dorthin gehen sollte.
Mitte September 2005 hatten wir Südspanien erreicht, wo die Farewell-Party stattgefunden hat. Anschließend ging es über Gibraltar nach Portugal und von dort auf einen Abstecher nach Marokko. Nach 2 Wochen Rundreise durch Marokko segelten wir auf die Kanaren, von wo wir am 1. Januar 2006 den Sprung über den großen Teich in die Karibik gewagt haben. Dort haben wir ein paar einsame Ankerbuchten gesucht und wenige gefunden, bevor uns im Juni 2006 die Hurrican-Saison langsam Richtung Südamerika getrieben hat. In Trinidad haben wir nicht nur eine äußerst inaktive Hurrican-Saison 2006 abgesessen, sondern auch einige Arbeiten an LA GITANA vorgenommen.
Mit unserer Abreise aus Trinidad Ende August 2006 fingen die Höhepunkte unserer Reise erst so richtig an. Zunächst wagten wir ein Abenteuer und befuhren als eines der ersten Segelschiffe den Dschungel im Orinoco-Delta. Weiter ging es durch die Inselwelt Venezuelas, wo uns einsame Ankerbuchten mit herrlichem Wasser erwarteten. Los Testigos, Blanquilla, Tortuga, Los Roques und Las Aves zogen uns mit ihrer Ursprünglichkeit in ihren Bann. Es folgten die Niederländischen Antillen mit Bonaire, dem Tauch-, Kitesurf- und Funparadies sowie Curacao im November 2006.
Rechtzeitig vor dem Aufkommen des Winterpassats schlichen wir uns entlang der kolumbianischen Küste um das berüchtigte Cabo de la Vela ins fantastische Cartagena. Kolumbien nimmt uns mit offenen Armen auf und wir verbringen viel mehr Zeit dort, als wir ursprünglich planten. Unter anderem Weihnachten 2006 sowie den Jahreswechsel nach 2007.
Aber irgendwann mußten wir uns wieder losreisen, denn wir wollten ausreichend Zeit für die San Blas Inseln vor der Küste Panamas mitbringen. Und die knapp zwei Monate die wir Anfang 2007 in diesem echten Paradies verbrachten, waren noch zu kurz.
Auf den Tag genau 18 Monate, nachdem wir in Südfrankreich die Leinen zur Weltumseglung losgeworfen hatten, sind wir am 26. Februar 2007 am Panama-Kanal und damit am Ende von Atlantik und Karibik angekommen. Hier entschlossen wir uns spontan zu einem Kurzurlaub in Deutschland, um unsere Familie und unsere Freunde nicht noch länger unter Entzug zu setzen.
Die Durchfahrt durch den Panamakanal Anfang April 2007 war für uns ein Highlight. Denn jetzt haben wir endlich das Ziel unserer Träume vor dem Bug: Den Südpazifik mit seinen bezaubernden Inseln und Atollen.
Auf dem Weg dorthin machten wir den obligatorischen Stopp auf den Galapagosinseln und waren von der Natur und Tierwelt nahezu sprachlos. So müssen Mensch und Tier vor dem Sündenfall zusammengelebt haben.
Nach gut zweiwöchigem Intermezzo auf dem ecuadorianischen Archipel brachen wir zu unserer bisher längsten Segelstrecke auf. Über 3.000sm ging es quer durch den größten Ozean der Welt. Ein Erlebnis, das seinesgleichen sucht und seine schönen wie auch schwierigeren Momente hatte.
Der Landfall auf der Marquesas-Insel Fatu Hiva nach 20 Tagen auf See war jedenfalls etwas ganz Besonderes. Und das nicht nur aufgrund der langen Zeit auf dem offenen Meer. Die Menschen in den Marquesas haben uns mit offenen Armen und Herzen empfangen und die Natur war von einer überwältigenden Schönheit.
Da wir im Juli Besuch an Bord in Tahiti bekamen, ging es nach zu kurzer Zeit weiter durch die Tuamotus. Diese Gruppe von Atollen galt früher als der gefährliche Archipel. Wir fanden jedoch unser privates Traumatoll und verbrachten drei Wochen im Juli in nahezu absoluter Einsamkeit auf Tahanea. Wir lebten von dem, was uns die Lagune und die Motus spendierten und genossen die besondere Atmosphäre über und unter Wasser.
So gut hat es uns in Französisch Polynesien gefallen, dass wir unseren Plan spontan änderten, von Tahiti aus nach Chile zu segeln. Wir wollen unbedingt mehr Zeit in den Marquesas und in den Tuamotus verbringen und beschlossen, von Tahiti aus wieder durch die Tuamotus zurück zu den Marquesas zu segeln.
Doch zuvor besuchten wir in Ruhe und mit Familie an Bord die Gesellschaftsinseln und verlebten intensive und traumhafte Tage auf Bora-Bora und Huahine. Auf Raiatea wurde schließlich noch LA GITANA aus dem Wasser gehoben, um das Unterwasserschiff für die nächsten 18 Monate auf Vordermann zu bringen, bevor es Anfang September 2007 wieder gegen den Wind zurück nach Tahiti ging.
Dort angekommen bereiteten wir uns auf acht Monate ohne nennenswerte Versorgungsmöglichkeiten vor. Einkaufswagen auf Einkaufswagen wurde auf LA GITANA verstaut, alle Systeme wurden nochmals gründlich geprüft und einige defekte Teile repariert oder ausgetauscht.
Anfang Oktober verliessen wir dann endgültig die Flotille der Weltumsegler und machten uns bei leichten Winden mit Kurs Nordost auf den Weg zurück in die Tuamotus. Doch leider erwiesen sich die Wetterprognosen als nicht sehr zuverlässig und wir verwöhnten Downwind-Segler bekamen Gelegenheit, mal so richtig zu segeln. Bei 7 Beaufort auf die Nase und entsprechender Welle kämpften wir uns mühsam nach Toau. Die Aufnahme in die dort lebende Familie entschädigte jedoch mehr als vollständig für die Strapazen der Anreise und wir konnten uns kaum mehr losreisen. Unter Ausnutzung der günstigsten Winde setzten wir langsam aber sicher unsere Reise gegen den Passat fort. Fakarava, Tahanea und Raroia waren die Stationen unserer Fahrt quer durch das Tuamotu-Archipel. Oberflächlich ähnlich, verbreitete jedes Atoll seinen ganz eigenen Reiz und wir lebten 2 Monate lang eine traumhafte Robinsonade. Die Einsamkeit, Einfachheit und Kargheit der Atolle haben uns ganz in ihren Bann gezogen.
Doch Anfang Dezember 2007 mußten wir uns wieder losreisen, denn bald schon begann das nur alle 4 Jahre stattfindende Kulturfestival auf den Marquesas, das wir auf keinen Fall verpassen wollten. Die Worte fehlen uns, um das dort Erlebte zu beschreiben. Wir durften eine Intensität an Tänzen und Gesängen erfahren, wie noch nie zuvor. Die Marquesianer feierten und zelebrierten ihre um ein Haar von den Missionaren vollständig ausgelöschte Kultur und Tradition mit einer solchen Begeisterung und Authentizität, dass wir mehr als einmal den Eindruck gewannen, dass wir heute Abend zum Essen eingeladen sind – als Hauptspeise!
Aber wir nutzten die Zeit auf den Marquesas auch, um unseren Vorrat an dem hier üppig wachsenden Obst für die Zeit auf den Atollen Kiribati aufzustocken. Um den zerstörerischen Zyklonen auszuweichen, ging es Ende Januar 2008 auf die 2.000sm lange Segelstrecke zum kaum bewohnten Atoll Kanton, wo wir für vier Monate den Alltag mit den 5 Familien teilten, die dort leben.
Ende Mai segelten wir nach Samoa, wo wir wieder auf die stark besegelte Barfußroute stiessen und nach langer Zeit viele Segler trafen. LA GITANA blieb in Samoa, wir flogen für 2 Monate nach Hause, um im August voller Tatendrang unser Hilfsprojekt SAIL2HELP umzusetzen. Von American Samoa aus ging es für weitere 2 Monate zurück nach Kanton. Ende Januar 2009 segelten wir dann mit Gästen an Bord 1.000sm nach Tarawa, der Hauptinsel in Kiribati.
Die restliche Zyklonensaison 2009 verbrachten wir dieses Mal in Tuvalu bevor wir uns nach 3 Monaten Tuvalu wieder auf den Weg machten. Natürlich sind wir auch in Tuvalu länger geblieben als geplant. Aber die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen hielt uns fest und wir hätten ewig bleiben können.
Anfang Juni 2009 erreichten wir Fiji und seine 330 Inseln. Allein hier könnte man zwei Jahre segeln, ohne dass es einem langweilig würde. Wir entschlossen uns, mit den nördlichen Inseln zu beginnen. Vanua Levu, die zweitgrößte Insel Fijis, hatte es uns mit ihrer Ursprünglichkeit besonders angetan. Also blieben wir einfach in Savusavu und machten einen 7-wöchigen Ausflug in die “verbotene” LAU-Gruppe, für die wir ausnahmsweise eine Erlaubnis bekamen. 7 Wochen einsam in der Natur mit fliegenden Hunden, bellenden Tauben und beissenden Schweinen… Herz, was willst du mehr?!!!
Standort von La Gitana Ende Mai 2010: Vor Anker in Nadala Bay (Land Harbour), Yasawa Island, Fiji (http://www.pangolin.co.nz/yotreps/tracker.php?ident=KI1SSI)
Mit freundlicher Genehmigung von: www.seezigeuner.de/




Donnerstag, 16. September 2010 6:15
[...] Kissling auf ihrer Yacht La Gitana auf ihrem Törn „einmal rum und eine Schleife im Pazifik“ (www.mediamaritim.de/blog/personality/weltumsegelung-routenplanung-und-realitat/#more-7447). Von ihrem letzten Standpunkt in der Vuda Point Marina, Viti Levu, Fiji, wo sie seit Anfang 2009 [...]
Mittwoch, 10. November 2010 10:17
[...] Kissling auf ihrer Yacht La Gitana auf ihrem Törn „einmal rum und eine Schleife im Pazifik“ (www.mediamaritim.de/blog/personality/weltumsegelung-routenplanung-und-realitat/#more-7447) und seit dem 30. Oktober um 02:18 Uhr Ortszeit haben die beiden Weltenbummler zum vierten Mal auf [...]