Über 4000 Meilen in einem offenen Boot
30.04.2010 | AllgemeinDie historische Reise des William Bligh vom Königreich Tonga nach Timor.
In einem knapp acht Meter langen Boot mit zwei kleinen Segeln sind mutige Männer auf eine 4.000 Meilen lange Reise auf den Spuren des legendären Kapitän William Bligh aufgebrochen.
Die Meuterei auf dem britischen Schiff “Bounty” durch Fletcher Christian und seinen Gefolgsleuten im Jahr 1789, bei der Bligh mit 18 Männern auf offener See ausgesetzt wurde, ist mehrfach verfilmt worden. Kaum jemand hat jedoch an die seefahrerische Meisterleistung des Kapitäns erinnert, der 7.000 Kilometer quer durch den Pazifik gesegelt ist. Die Expedition startete in den Gewässern des Königreichs Tonga, in der Bligh damals – am 28. April 1789 – in einem Beiboot ausgesetzt wurde. “Wir werden den Fußspuren von Kapitän Bligh folgen”, so Expeditionsleiter Don McIntyre.
Es wird das erste Mal sein, dass jemand der Spur des berühmten Kapitäns folgt – und das genau 221 Jahre nachdem er sich unfreiwillig auf die Reise gemacht hat. Das “Talister Bounty Boat” wird über Fiji, Vanuatu zur Nordspitze Australiens fahren, anschließend durch die Torres Straße nach West-Timor.
“Expeditionen dieser Art hat es gegeben. Allerdings waren diese Boote mit allen möglichen modernen Navigationsgeräten ausgestattet, machten unterwegs Ruhepausen und wurden zum Teil von Beibooten begleitet”, schreibt Don McIntyre. “Wir haben keine Logbücher, keine Karten, kein modernes Equipment. Außerdem ist die Talister Bounty nur halb so groß wie das Beiboot, in dem Bligh mit seinen Gefolgsleuten ausgesetzt wurde.”
Gemeinsam mit dem Australier David Wilkinson, dem Hongkonger Business-Mann David Wilkinson und dem britischen Studenten Christopher Wilde will McIntyre diese Expedition durchführen.
Nachdem Bligh am 3. Mai auf der Insel Tofua landete, einer seiner Leute von Einheimischen getötet wurde und das Boot vier Tage später in den Gewässern von Fiji von Indigenen in Kanus gejagt wurde, beschloss er vor der Küste der Neuen Hebriden (dem jetzigen Vanuatu) keinen Stopp mehr einzulegen.
Am 28. Mai wurde Neu-Holland und das Great Barrier Reef gesichtet, einen Tag später landeten sie, dem Hungertod nahe, auf der Restoration Insel. Insgesamt verbrachten sie dort einige Tage – ernährten sich von Fisch, Vögeln, Austern und Beeren. Am 14. Juni – 48 Tage nach der Meuterei – erreichte Bligh Kupang, eine Handelsniederlassung auf der Insel Timor.
Die erfolgreiche Fahrt des überladenen Bootes galt, auch in Kreisen seiner Kritiker, als eine seemännische Meisterleistung Blighs. Zeitweise war der Seegang so stark gewesen, dass die Segel im Wellental keinen Wind mehr fassten, zeitweise hatte es Flauten gegeben, in denen die unterernährte Mannschaft rudern musste. Nach der Landung in Kupang starben zwei weitere Seeleute Blighs an den Strapazen der Reise.
Ursprünglich plante McIntyre eine Expedition mit einem Boot, das exakt den Maßen des Bounty-Beiboots entsprach. “Der Grund, warum wir das nicht machen konnten, waren die hohen Kosten für die Beschaffung eines solchen”, so der Expeditionsleiter. “Das Interessante an der Talisker Bounty ist, dass es eine Replik jenes Bootes ist, mit dem der Polarforscher Ernest Shackleton von der Elephant Island nach Süd-Georgien segelte. Historiker und Akedemiker streiten darüber, welche dieser Reisen die gewaltigste war”, meint der Expeditionsleiter. “Wenn wir unsere Expedition überleben und den Humor beibehalten, werden wir auch diese Reise ernstlich in Bedacht ziehen.”
Die Reise von McIntyre und seiner Besatzung kann im Internet mitverfolgt werden. Das Talisker Bounty Boat ist mit einem automatischen Satelliten-Tracking-System mit der Google Earth Web Map verbunden. Darüber hinaus hat der Expeditionsleiter den Blog bountyboat.blogspot.com eingerichtet.
Mehr Informationen unter: taliskerbountyboat.com



