mediamaritim internationalNeues aus der Welt des WassersportsJobbörseVideosBücherMaritimes Antiquariat
Mediamaritim international
Emo

AIS auf Segel- und Motoryachten

20.04.2010 | Allgemein

Ein automatic identification system (AIS) erhöht die Sicherheit an Bord.

Der Begriff Automatisches Identifikationssystem (AIS) oder englisch Automatic Identification System bezeichnet ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Daten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert. Anfänglich (1998 bis ca. 2002) wurde es auch als Universal Automatic Identification System erwähnt; diese Bezeichnung ist inzwischen nicht mehr gebräuchlich.

AIS-Transponder senden in regelmäßigen Abständen ihre Position als Datenpakete auf einem von zwei AIS-Kanälen im UKW-Band (AIS1 / UKW-Kanal 87B entspricht 161,975MHz, AIS 2 / UKW-Kanal 88B entspricht 162,025MHz). Wie oft sie senden, hängt von der Schiffsgeschwindigkeit ab: Alle 3 min bei Schiffen vor Anker bis zu alle 2 sec bei Fahrt über 23 kn. Der Empfänger dekodiert die Pakete und stellt sie auf einem Bildschirm als Symbol mit Positionsangabe und Richtungs- bzw. Fahrtvektor dar. Die Länge des Fahrtvektors ist geschwindigkeitsabhängig. Ein GPS-Empfänger ist erforderlich, um am Bildschirm die eigene Schiffsposition darzustellen. Durch Überlagerung der Daten auf einer elektronischen Seekarte erhält man somit alle navigationsrelevanten Informationen.

Seit Mitte 2008 sind alle Berufsschiffe über 300 BRZ in internationaler Fahrt beziehungsweise über 500 BRZ in nationaler Fahrt verpflichtet, eine AIS-Anlage zu betreiben. Auch Schiffe, die länger als  Meter sind oder mehr als 50 Passagiere an Bord haben, müssen mit einer AIS-Einheit ausgerüstet sein. Die Ausrüstungspflicht wurde Mitte 2002 zunächst für neu gebaute Schiffe eingeführt. Für Passagierschiffe, Fähren, Frachter und Tanker legte die IMO unterschiedliche Übergangszeiten fest. In der Türkei wird über eine Ausrüstungspflicht für Sportboote diskutiert.

AIS ist inzwischen auch im Yachtbereich als eine sehr sinnvolle Navigationshilfe angesehen, was durch die wachsende Nutzeranzahl bestätigt wird. Doch AIS ist nicht gleich AIS. Wer mit dem Kauf einer Anlage liebäugelt, hat die Auswahl zwischen drei in ihrer Leistungsfähigkeit ausgestatteten Typen.

1) AIS Class A
2) AIS Class B
3) AIS Empfänger

Class A ist das System, welches hauptsächlich auf ausrüstungspflichtigen Schiffen in der Berufsschifffahrt zum Einsatz kommt, während Class B und reine Empfangsgeräte auf Sportbooten ihren Platz gefunden haben. Von der rechtlichen Seite gesehen, ist es aber auch möglich eine Class A Anlage auf einem Sportboot zu installieren.

Class B Geräte sind in Leistungs- und Funktionsumfang den Class A Geräten unterlegen, erfüllen aber ebenfalls den wichtigen Zweck das eigene Fahrzeug für andere AIS-Teilnehmer sichtbar zu machen. Im Wesentlichen wurden die Class B Anlagen eingeführt, um das für die Berufsschifffahrt unentbehrliche System bei einer zu großen Anzahl von Teilnehmern nicht zu stören.

Nicht nur der Wunsch nach der aktuellsten Technik an Bord veranlßt Yachteigner, AIS an Bord zu installieren, denn es gibt wesentliche Merkmale, welche die Sicherheit auf einem Fahrzeug erhöhen können.

Das empfangene Radarecho einer vergleichsweise kleinen Yacht ist auf einem Berufsschiff unter Umständen nicht immer ausreichend, um das Fahrzeug überhaupt erkennbar zu machen. Jeder Schiffs- oder Bootsführer der bereits im dichten Nebel in viel befahrenen Küstengebieten unterwegs war, weiß wie schnell es zu gefährlichen Begegnungen kommen kann. Aber selbst wenn die eigene Yacht trotz Aussendung von AIS-Daten beim Kollisionsgegner nicht registriert wird, so bietet AIS den großen Vorteil dieses Schiff mit direktem Namen oder Unterscheidungssignal auf VHF-Funk ansprechen zu können.

Abgesehen davon liefert AIS, neben Schiffsnamen und Position anderer Fahrzeuge, die Information, ob überhaupt und falls ja, wann Kollisionsgefahr besteht, denn Parameter wie CPA und TCPA berechnet AIS aus den Bewegungsparametern zweier Schiffe automatisch.

Und auch fernab der Küste kann AIS rechtzeitig vor einer drohenden Kollisionsgefahr warnen, lange bevor RADAR oder das eigene Auge es können. Denn im Gegensatz zu der quasi optischen Wellenausbreitung von RADAR und VHF-Funk, funktioniert AIS auch weit über den Horizont hinaus.

Zusätzlich ist jeder AIS-Transceiver mit einem eigenen, unabhängigen GPS-Empfänger ausgestattet. Bei Ausfall, des an Bord für die Navigation genutzten GPS Gerätes, bietet AIS neben seiner eigentlichen Funktion zusätzlich die Möglichkeit eines „Backup GPS“. Für Leute auf Langfahrt sicherlich auch ein interessanter Aspekt.

Insgesamt kann AIS sogar mehr leisten, als der bloße Name „automatic identification system“ verspricht, zumal auf weitere verfügbare Funktionen, wie beispielsweise das Aussenden von Text- und Sicherheitsmeldungen, die hier noch gar nicht berücksichtigt wurden.

Die Installation an Bord ist relativ unkompliziert, da das eigentliche System neben diversen Kabeln lediglich  aus einer kleinen Box besteht, deren Daten mittels mitgelieferter Software auf einem Notebook sichtbar gemacht werden. Als Antenne dient eine handelsübliche VHF-Antenne, da AIS ebenfalls auf dem UKW Marinefunkband sendet und empfängt. Wer sein Schiff nicht mit zusätzlichen Antennen schmücken möchte, hat auch die Möglichkeit den Transceiver mittels Antennensplitter über die bereits an Bord installierte VHF-Funkantenne zu betreiben.

Wenn die Kosten bei der Anschaffung eine untergeordnete Rolle spielt, sollte man sich für eine Class A Anlage entscheiden, da Class B und reine Empfänger hinsichtlich ihrer Funktionen lediglich einen Kompromiss darstellen. Hinzu kommt die Tatsache, dass Class A Teilnehmer Fahrzeuge mit Class B Anlagen auf ihren Darstellungsgeräten ausblenden können, um beispielsweise in Gebieten mit sehr vielen „AIS Targets“ nur kommerzielle Schiffe angezeigt zu bekommen. Dennoch stellen Class B und auch AIS-Empfangsgeräte eine sehr sinnvolle Ergänzung zur klassischen an Bord befindlichen Navigationsausrüstung dar.

Doch auch wie bei jedem technischen System ist auch AIS trotz der hohen Zuverlässigkeit des Systems nicht unfehlbar ist. Wie jedes System hat auch AIS ein gewisses Fehlerpotential, insbesondere da eine Abhängigkeit zu GPS besteht. Dort wo AIS kein „Target“ anzeigt, können sich dennoch eine Insel oder ein 300 Meter langer Öltanker befinden – die Wachsamkeit des Skippers an Bord kann nicht abgeschaltet werden.

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0

3 Kommentare

1

[...] AIS genau funktioniert und was das für Yachteigner bedeutet, hat Mediamaritim zusammen gefasst. Sehr [...]

2

Ich befasse mich seit kurzer Zeit damit, eine 48´ Yacht für Langfahrt auszurüsten. Damit bin ich zwangsläufig auch auf das Thema AIS gestoßen. Dieser Artikel hat mich endgültig überzeugt, ein Gerät der Class A zu installieren. Danke für den Beitrag.

3

[...] von Navigations- und anderen Daten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert (www.mediamaritim.de/blog/2010/04/20/ais-auf-segel-und-motoryachten/#more-6646). AIS ist inzwischen auch im Yachtbereich als eine sehr sinnvolle Navigationshilfe angesehen, was [...]


Kommentar abgeben