Jessica Watson: Am Ende wird´s noch heftig
16.04.2010 | AllgemeinHarte Bedingungen kurz vor dem Ziel mit 50 Knoten Wind und zerfetztem Segel.
Es ist ein herber Rückschlag bei der Weltrekordjagd einhand um die Welt für 16-jährige Jessica Watson rund 2.000 Seemeilen vor ihrem Ziel. Sechs Meter hohe Wellen, heftige Windböen und starke Gewitter begleiten zur Zeit den Teenager die kleine Jessica Watson bei der Endphase ihrer Weltumsegelung.
Drei Tage durchgehendes Gewitter und ein Schaden am Großsegel bereiten der 16 jährigen viel Arbeit und eine schlaflose Zeit. Es ist einer der schwersten Stürme des Jahres vor der Südküste Australiens durch den das Großsegels des pinkfarbenen Segelboots zerfetzt wurde. Bei ruhigeren Bedingungen hofft die junge Australierin ihr beschädigtes Großsegel reparieren und ihre Fahrt nach Sydney fortzusetzen zu können.
Noch vor ihrem 17. Geburtstag am 18. Mai will sie im Hafen von Sydney einlaufen. Jessica: „Ich freue mich schon auf ein Bett, das nicht feucht ist.“ (www.mediamaritim.de/blog/personality/den-segel-olymp-zum-greifen-nah/#more-6533).
Aber nicht nur Sturm setzt die junge Seglerin unter Druck, sondern auch die Britin Abby Sunderland – die 16-Jährige will ebenfalls den Weltrekord, ist im Januar gestartet und auch noch vier Monate jünger als Jessica.
Die dritte Mitstreiterin im Kampf um den Weltrekord will im Juli die Leinen loswerfen: Es ist die 14-jährige Niederländerin Laura Dekker. Letztes Jahr untersagte zwar ein Gericht der damals 13-Jährigen die Weltumsegelung. Von ihrem Vorhaben will sie sich aber nicht abbringen lassen (www.mediamaritim.de/blog/personality/laura-dekker-plant-neuen-start/#more-6038).
Erstmal hat aber Watson gute Chancen auf den Sieg. Klappt der Segel-Austausch und kommt sie tatsächlich in Sydney an, schnappt sie ihrem Landsmann Jesse Martin, der seine Umrundung 1999 als 18-Jähriger beendete, den Weltrekord weg.
Jessica Watson von der PINK LADY:
„Noch mehr starker Gegenwind und schwere Gewitter machten mir die letzten Tage etwas schwierig. In dem chaotischen Seegang und bei den vielen Blitzen rund um uns erlebte ich heute Morgen einige wirklich dramatische Augenblicke. Die Nacht davor hingen rundherum viele ungemütliche Gewitter, zwar bei weniger Wind und Regen, was die Situation aber irgendwie noch schlimmer machte, weil ich sehen konnte wie nahe die Blitze ins Wasser einschlugen. Eine Gewitterzelle nach der anderen rollte über uns und hielt meine Nerven bis an die Grenzen gespannt und verhinderten, dass ich schlafen konnte. Einige der Blitze waren so hell, dass ich fast meine Sonnenbrille aufsetzen musste. Nach ein paar Stunden habe ich beschlossen, dass zuschauen und sich Sorgen machen nicht gut ist, also grub ich den schlimmsten Schundroman aus den ich finden konnte und spielte auf meinem iPod ganz sanfte Musik, aber nur mit einem Kopfhörer im Ohr. (Ich verwende meistens nur einen, damit ich hören kann was sich so an Deck abspielt). Nach so langer Zeit auf dem Meer segelt die PINK LADY durch meine Ohren und ich kann die kleinsten Änderungen hören. Später frischte der Wind auf 25 bis 30 Knoten genau auf die Nase auf und es begann in Strömen zu regnen. Das ist wirklich nicht meine Definition von komfortablem Segeln. Als ich glaubte, die Umstände verbessern sich kam der Wind plötzlich in verrückten Böen und legte die PINK LADY so sehr auf die Seite, das sie dort wie angenagelt war. Während ich dabei einigen Spaß im Cockpit hatte (sarkastisch gemeint) die Segel zu reffen hatten wir im Salon eine Überschwemmung über das Ventil des Spülbeckens. Normalerweise schließe ich es wenn es ein bisschen härter wird, aber diesmal dachte ich nur ich hätte es getan und habe es wieder geöffnet. Das Wasser überflutete die ganze Pantry und rann dann in die Bilge, aber PINK LADY´s Pumpen hatten es bald wieder draußen. Ich bin über mein aufgeweichtes Durcheinander in der Küche nicht besonders begeistert, aber was mich noch viel mehr nervt, ist, dass das Großsegel an zwei Stellen einriss bevor ich genug davon herunter geholt hatte. Der Wind hielt nicht lang an und wenn sich das Wetter ein bisschen bessert, habe ich eine Menge Näharbeit vor mir. Alle sagen mir, ich soll meinen Mut so nahe von zu Hause nicht sinken lassen, aber glaubt mir, das Wetter hält mich so auf Trab, dass ich mich nicht im Geringsten entspannen kann. Ich dachte ja, dass ich schon fast alles an Wetter gesehen habe, aber dieses Gewitter ist etwas völlig neues gewesen. Aber das ist alles Teil der Herausforderung, und ich werde es umso mehr schätzen können wenn wir sicher und entspannt am Kai von Sydney liegen. Ich freue mich auch sehr auf ein Bett das nicht feucht ist. Nach ein bisschen Schlaf und einem Telefonat mit meiner Schwester, dem Team und ein paar Freunden fühle ich mich so gut, dass ich mich nicht mehr über das nasse Chaos, das gerissene Segel und das anhaltende Schlechtwetter ärgere. Gerade jetzt könnte wir viel mehr Segel setzen, damit es schneller voran geht aber nach den letzten Tagen bin ich glücklich es einfach ein bisschen ruhiger anzugehen bis sich alles wieder geklärt hat.“



