Auf Plastikflaschen nach Sydney segeln
23.03.2010 | AllgemeinDer Öko-Aktivist David de Rothschild wirbt für verstärktes Recycling.
Der Katamaran “Plastiki”, der aus 12.500 PET-Flaschen besteht, hat San Francisco verlassen und ist auf eine 11.000 Seemeilen-Reise nach Australien gegangen. An Bord: der Öko-Abenteurer David De Rotschild, die bekannte Skipperin Jo Royle und Olav Heyerdahl, der Enkel von Thor Heyerdahl, der 1947 mit seiner “Kon-Tiki” über den Pazifik segelte (www.mediamaritim.de/blog/bootsbau/plastiki-ein-traum-wird-langsam-wahr/#more-5795).
Ziel dieser Reise ist, auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam zu machen. Das Schiff mit dem bezeichnenden Namen “Plastiki” besteht zu fast 100% aus Plastik und will ein Appell an die Wegwerfgesellschaft der heutigen Zeit sein. Die Botschaft lautet, den Abfall weitgehend wiederzuverwerten und die Verschmutzung der Meere endlich zu beenden. Laut UNEP macht Plastikmüll etwa 80% des Mülls in den Weltmeeren aus, man geht davon aus, dass an diesem Müll jedes Jahr etwa 1 Million Vögel und 100.000 Meeressäugetiere sterben.
Müll soll als Ressource angesehen und neue Lösungen gefunden werden. Die Crew auf dem Segelboot hat, nach eigenen Aussagen, auch nicht die Antwort auf all diese Fragen. Aber sie möchten das Denken darüber in Gang bringen.
Wissenschaftler verweisen schon länger auf eine schwimmende Plastikmüllhalde im Pazifik (Great Pacific Garbage Patch) von der Größe Mitteleuropas. Nach anderen Schätzungen ist der Müllstrudel sogar doppelt so groß. Wegen der Oberflächenströmungen sammelt sich dort der Müll an. Im Januar stellten amerikanische Meeresforscher zudem einen Bericht über ein ähnliches Phänomen im Nordatlantik vor. Die größte Dichte entdeckten sie oberhalb der karibischen Inseln. Dort schwammen bis zu 200 000 Plastikstücke je Quadratkilometer auf der Meeresoberfläche.
Übrigens ist das Boot extrem “ökologisch”. Nicht nur der Rumpf der Plastiki ist aus PET-Flaschen. Der Aluminium-Mast besteht aus einer ehemaligen Bewässerungsanlage, das Segel ist aus recycelten PET-Kleidern und das ganze Schiff steckt voller Öko-Technik vom Solar-Panel über eine Windkraftanlage bis hin zu einer Wasserwiedergewinnungsanlage.
100 Tage, so schätzt, der „Öko-Krieger“ David de Rotschild, wird die Reise nach Sydney auf dem 60-Fuß-Katamaran dauern – eine beinahe kurze Zeit im Vergleich zu den Vorbereitungen, die nun schon seit über vier Jahren andauern. Ursprünglich sollte der Start bereits im letzten Jahr erfolgen, musste dann aber in dieses Jahr verschoben werden, genau 62 Jahre nach der Fahrt von Thor Heyerdahl.
Dass die Expedition auf dem Flaschenboot neben dem Umweltschutz auch Rothschilds Abenteuerlust entgegenkommt, deutet schon der Name der von ihm gegründeten Organisation „Adventure Ecology“ an. Immer wieder hat der Spross der britischen Bankiersfamilie mit Expeditionen in entlegene Regionen der Welt von sich reden gemacht. Vor vier Jahren durchquerte er die Arktis von Russland nach Kanada und brach ein Jahr später mit einer Gruppe von Künstlern nach Ecuador auf, um auf die Zerstörung des Regenwaldes durch die Ölindustrie aufmerksam zu machen. Das Interesse des diplomierten Alternativmediziners an Plastikmüll weckte ein Bericht der Vereinten Nationen über den Zustand der Weltmeere.




Mittwoch, 28. Juli 2010 6:11
[...] Nach 130 Tagen auf hoher See lief er Katamaran Plastiki in triumphaler Fahrt im Hafen von Sydney ein. David de Rothschild und seine Crew, die rund 8.000 Seemeilen (rund 15.000 Kilometer) von San Francisco über den Pazifik segelten, wurden von einer begeisterten Menge in Empfang genommen. Der Öko-Aktivist will mit dieser spektakulären Aktion für verstärktes Recycling werben. Auch die Uhrenmanufaktur IWC Schaffhausen als offizieller Partner dieser Aktion zeigt sich hocherfreut über die erfolgreiche Expedition im Zeichen des Umweltschutzes (www.mediamaritim.de/blog/allgemein/auf-plastikflaschen-nach-sydney-segeln/#more-6146). [...]