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America´s Cup: Der Tag danach

16.02.2010 | Allgemein

Nach einer grandiosen Feier verspricht der Sieger einen besseren Cup.

Noch am Abend ihres Triumphes vor Valencia hat der neue mächtige Mann im Cup, Russell Coutts, im Angesicht des Erfolges „ein faires Spielfeld für alle“ versprochen. Coutts hält 15 Jahre nach seinem ersten Sieg mit Team New Zealand die Fäden für die Organisation der bekanntesten Regatta selbst in Händen. Der Neuseeländer Coutts, der die Kanne1995 in San Diego für sein Heimatland gewann und ihn 2003 und 2007 für Alinghi in die Schweiz, hat ihn nun in die Staaten zurück gebracht. Der viermalige Cup-Sieger war allerdings nur im zweiten Rennen an Bord der USA 17, ebenso wie Teameigner Ellison. Das erste Duell hatten Coutts und Ellison noch von einem Begleitboot aus verfolgt.

Mit einem prächtigen Feuerwerk kurz vor Mitternacht und einer rauschenden Siegerparty im Basiscamp der Amerikaner ging der 33. America’s Cup am Sonntagabend in Valencia zu Ende. „Ich bin stolz darauf, den America’s Cup nach so langer Abwesenheit zurück nach Amerika zu bringen“, sagte Teamgründer Larry Ellison, nachdem er die verschnörkelte Silberkanne viele Male stolz in den Nachthimmel über Valencia gehoben hatte. In den 34. Cup-Zyklus starten die Sieger nun mit einem großen Versprechen.

„Wir wollen ein neutrales Management, eine absolut unabhängige Jury und ein faires Spielfeld für alle Teilnehmer schaffen“, gelobte der viermalige Cup-Sieger Russell Coutts im Angesicht des Erfolges. BMW Oracle Racings CEO ist der neue mächtige Mann im Cup. Dazu wird er erste einmal alle diejenigen wieder mit in ein gemeinsames Boot holen müssen, die durch den jahrelangen Rechtsstreit und die Gerichtsentscheidungen zu einem Matchrace zwischen zwei Booten geführt haben, sich von der ältesten Regatta abgewendet haben. Die beiden Milliardäre Ernesto Bertarelli und Larry Ellison reduzierten die traditionelle Regatta auf eine Machtdemonstration zweier verfeindeter Männer, für die zwei Rennen reichten, um sich einen Titel zu sichern.

Russell Coutts ist jetzt dort angelangt, wo er schon immer hinwollte: Er kann den nächsten America’s Cup bestimmen. Angesichts der ihm jetzt zustehenden Machtfülle steht Coutts aber auch in der Verantwortung und in der Pflicht. Man wird ihn an seinem Versprechen messen: die Schaffung eines unabhängigen Managements, das für den Defender und die Challenger faire Bedingungen aushandelt, spannende Rennen mit guten Booten ermöglicht. Die Zauberformel von Russell Coutts lautet „Mutual Consent“ – gegenseitiges Einverständnis. Das sei der schönste Begriff in der Stiftungsurkunde. In Larry Ellison, so glaubt Coutts, hat er den richtigen Mann gefunden, um diese Zauberformel umzusetzen und den Cup besser zu machen. Die 34. Austragung wird zeigen, ob das zutrifft.

In ihr erbittertes Ringen um die Trophäe hatten die beiden Teams nach Schätzungen insgesamt bis zu eine halbe Milliarde Euro gesteckt – viel Geld für insgesamt nur 280 Minuten Segelsport in den beiden absolvierten Cup-Rennen. Und auch unglaublich viel Geld für zwei Hightech-Boote, die sich nur noch als museale Ausstellungstücke eignen werden. Ob die Cup-Gemeinde, die fast drei Jahre lang von der Exklusiv-Partie zwischen Amerikanern und Schweizern ausgeschlossen war, eine solche Materialschlacht beim nächsten Cup mitmachen wird, darf bezweifelt werden. Coutts wird Modalitäten finden müssen, den Cup attraktiver für Herausforderer zu machen und ihn auch den Zuschauern wieder nahe zu bringen. Erste Schritte dazu scheinen bereits angedacht zu sein. Schon vor der Vorstellung der Pläne für die kommenden Jahre schien am Sonntag klar, dass die neuen Sieger die Austragung von Vorregatten in Europa planen und Italien einer der Gastgeber sein könnte. Neuer Challenger of Record dürfte das italienische Team Mascalzone Latino sein. Offiziell mochten die Amerikaner ihre Wahl zwar noch nicht bestätigen, aber alle Indizien sprachen am Sonntagabend dafür, dass Coutts künftig mit seinem Fan Vincenzo Onorato über den Austragungsmodus des America’s Cup verhandeln wird.

Der 34. America’s Cup könnte in drei Jahren vor Newport in den USA stattfinden. Hier hat BMW Oracle Racings Gründer Larry Ellison Anfang des Jahres ein Gelände erworben, das sich als Cup-Hafen bestens eignen würde. Ellison schloss aber auch das Revier seines Heimatvereins Golden Gate Yacht Club in San Francisco oder gar einen Verbleib in Valencia nicht aus. „Wir sind noch nicht entschieden“, gab der 65-Jährige diplomatisch zu Protokoll und kündigte gleichzeitig die baldige Bekanntgabe seiner Pläne an.

Stimmen der am Cup Beteiligten

Alinghi-Chef Ernesto Bertarelli konnte sich nach dem Verlust des America’s Cup einige spitze Bemerkungen über die juristische Offensive von BMW Oracle nicht verkneifen. „Gratulation an BMW Oracle. Ihr Boot war schneller. BMW Oracle hatte auch neben dem Wasser eine Strategie. Sie erhielten ein wenig Rechtsbeistand aus New York. Dies macht es für uns Europäer immer schwierig, während die Amerikaner daraus ihre Vorteile zogen. Auf dem Wasser war unser Boot zu wenig schnell. Doch wir kämpften als Team so hart wir konnten. Deshalb können wir diese Niederlage mit erhobenem Haupt akzeptieren. Ob Alinghi im America’s Cup weitermacht, kann ich noch nicht sagen. Ich werde abwarten, in welche Richtung sich der Cup entwickelt und dann entscheiden.“

Larry Ellison (Teambesitzer BMW Oracle): „Ich bin so stolz auf dieses Team und ein Teil davon zu sein. Es ist fantastisch und ein unbeschreibliches Gefühl, diesen Cup nach einer solch langen Zeit in die USA zurückzubringen.“

Russell Coutts, CEO des BMW Oracle Racing Team: “Ich denke, das war eine echte Herausforderung. Noch vor drei Monaten war ich mir nicht sicher, ob wir unser Team effektiv genug bekommen und diese Leute zu schlagen. Ich weiß, wovon ich rede denn ich war im Team bei Alinghi und ich weiß, wie gut sie sind.”

James Spithill (Au), Skipper und Steuermann: „Das ist ein wundervolles Gefühl. Mit zwei problemlosen Siegen wurden wir für die ganze Arbeit belohnt, die wir in dieses Boot gesteckt haben. Den Sieg müssen wir den Bootsbauern, den Designern und allen, die uns unterstützt haben, widmen. Sie alle haben uns ein phantastisches Werkzeug gebaut.“

Ernesto Bertarelli: “Es liegt nicht mehr an mir, die Zukunft des Cups zu bestimmen. Ich werde abwarten und schauen, wohin die Zukunft uns führt, und dann entscheiden.”

Brad Butterworth (Neus/Skipper von Alinghi): „Wir sind enttäuscht, dass alles schon nach zwei Regatten zu Ende ist. BMW Oracle kam mit einem Fortbewegungsmittel, das mehr mit einem Flugzeug denn mit einem Boot zu vergleichen war. Es war unglaublich.“

Loïck Peyron (Fr/Alinghi-Steuermann): „Das Team von BMW Oracle hat starke Leistungen gezeigt. Es arbeitete sauber. Sie haben ihre technologische Ausrichtung mit der strammen Segelführung perfekt umsetzen können.“

Pierre-Yves Jorand (Sz), Coach bei Alinghi: „Wir waren am Limit und konnten nicht mehr herausholen. BMW Oracle hat einen sehr guten Job gemacht und mit Sicherheit ist dieses Flügelsegel eine starke Waffe.“

Bruno Troublé (Gründer und Organisator des Louis Vuitton Cup): „Es gab kein richtiges Match zwischen den beiden Teams, auch wenn Alinghi-Steuermann Loïck Peyron am Sonntag seine Sache gut machte. Doch die Amerikaner waren einfach zu stark. Dieser Sieg befriedigt mich. Ich hatte immer schon den Eindruck, dass BMW-Oracle-Besitzer Larry Ellison den Cup mehr respektiert als Ernesto Bertarelli von Alinghi. Sollten bei der Cup-Austragung eine Rückkehr zu Einrumpf-Booten mit mehreren Herausforderern erfolgen, würde Louis Vuitton wie früher die Ausscheidungsregatten organisieren. Ich gehe allerdings davon aus, dass diese Wettfahrten dann nach dem Willen des Titelverteidigers in den USA durchgeführt würden.“

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