Zypern ist easy…und heavy
15.02.2010 | AllgemeinGute Erfahrungen mit Nordzypern – und Probleme im Süden.
Ein Erfahrungsbericht von einem Zypern-Törn von Wolfgang Horn, Skipper der ANAHITA II, vom September 2009.
Nordzypern ist easy…
Wir waren in Girne und in Nikosia, leider war es sehr, sehr heiß. Der erhoffte halbe Wind, der uns von der türkischen Küste nach Zypern und wieder zurück bringen sollte war zurückhaltend, wir mussten viel motoren. Entfernung vom türkischen Festland nach Girne ca. 48 Meilen.
Wir hatten Kontakt mit Hassan Kacmaz aufgenommen. Er gab uns die Email-Adresse der Delta Marina in Girne. Sie lautet: kpt.ilkin@gmail.com oder deltamarinacyp@gmail.com Weitere Infos: klick
Dort hatten wir per Email um die Reservierung eines Platzes gebeten. Die Antwort kam postwendend und war positiv. In Girne wurden wir am Kai empfangen, alle waren hilfsbereit. Ein Marina-Angestellter ging mit uns zusammen zum Immigration Officer, alle waren freundlich und hilfsbereit. Die Ein- und Ausklarierungsformalitäten waren völlig problemlos und kostenlos. Wir sind mit dem Personalausweis eingereist und bekamen den üblichen Zettel mit dem Stempel. In der Türkei haben wir nicht ausklariert und das hat auch weiter niemanden interessiert, so dass wir bei der Rückreise auch keinerlei Einklarierungsformalitäten hatten.
Dann sind wir an der türkischen Küste weiter nach Osten gesegelt, zunächst nach Tasucu. Bis dahin war die Welt auch noch in Ordnung aber die Strecke nach Mersin und Mersin selbst sind nicht empfehlenswert. Wer von der türkischen Küste Südzypern runden möchte, sollte den Absprung in Tasucu einplanen. Wer in Tasucu Gäste an Bord nehmen möchte, kann diese via Istanbul über den Flughafen Adana einreisen lassen. Von Adana kann man mit dem Bus (preiswert) oder für Euro 100 mit dem Taxi nach Tasucu fahren. Die Fahrzeit dauert ca. zwei Stunden. Soviel zum ersten Teil Nordzypern und türkische Küste.
…Südzypern dagegen ist heavy
Hier haben wir einiges erlebt, das wir anderen Seglern nicht vorenthalten wollen:
Nachdem wir das Ostende von Nordzypern gerundet hatten, liefen wir windbedingt zunächst in Richtung Famagusta. Ca. 5 Meilen von der Küste entfernt liefen wir dann in südlicher Richtung Richtung Kap Greko mit Maschine.
Alsbald passierten wir den Bereich der Grenze zwischen Nord- und Südzypern. Plötzlich tauchte ein hoch motorisiertes Schlauchboot der Port- und Marine- Polizei von Südzypern auf. Sie waren freundlich und stellten die üblichen Fragen: “Woher, wohin, wie viele Personen an Bord, welche Nationalität?” Dann wollten sie auch noch den Namen des Skippers wissen, den wir Ihnen über VHF buchstabierten. Sie wünschten uns gute Fahrt und verschwanden. Für diese Maßnahme hatten wir volles Verständnis, denn wir waren ja im Bereich der europäischen Außengrenze.
Unser Ziel war die Marina Larnaca. Hier klarierten wir für Südzypern ein. Sowohl die Passport-Polizei als auch Custom und zum Schluss der Doktor erschienen in ihren Büros. Alle waren freundlich und nun waren wir in Südzypern einklariert.
Als wir Larnaca verließen, gab man uns eine abgestempelte Crewliste mit und machte uns klar, dass wir in jedem weiteren Hafen beim Zoll ein- und ausklarieren müssten. Für uns total unverständlich, denn wir sagten immer wieder, dass wir das Land noch nicht verlassen wollten, erst in Paphos.
Unser nächstes Ziel war die Marina Raphael vor Limassol. Wir liefen in die Marina und legten am Wartekai an. Nichts rührte sich, keiner kümmerte sich um uns. Die Marina ist eingezäunt. Das Marina Büro liegt ausserhalb des eingezäunten Hafenbereichs nur ein Steinwurf entfernt. Plötzlich erschien eine Dame auf dem Balkon des Marinabüros und fragte uns, was wir wollten. Ich sagte, dass wir einen Platz für zwei Nächte brauchen. Wir erhielten eine barsche, unfreundliche Antwort: “We are fully booked!”.
So schnell lässt sich Wolfgang Horn nicht abwimmeln. Ich machte mich auf den Weg in das Marinabüro, es war ja in Rufweite. Nach 60 Metern den Zaun entlang musste ich einen Wachposten passieren. Er war mit zwei Mann von der Port- und Marina-Polizei besetzt. Keiner hatte unser Kommen bemerkt und so waren sie sichtlich erschrocken, als ich plötzlich auftauchte. Hastig öffneten sie die Tür und fragten mich, woher ich käme. Ich zeigte auf unser Schiff, es war nur 60 Meter entfernt. Sie waren ausgesprochen unfreundlich und fragten sofort nach einer Crewliste. Ich habe erst einmal ganz freundlich: “Good afternoon” gesagt und gefragt, warum sie so unfreundlich sind. Meine Reaktion hatte sie sichtlich verwirrt. Ich sagte, dass ich zum Marina Büro gehe und entfernte mich.
Ich ging ins Büro und verhandelte eine halbe Stunde mit der Dame und einem weiteren Angestellten der Marina. Ob es nicht doch möglich sei, wenigstens für eine Nacht einen Platz zu bekommen? Sie machten mir klar, ich hätte vorher reservieren müssen – es gäbe keinen Platz. Mein Eindruck: wenig hilfsbereit. Tipp für andere Segler: unbedingt vorher einen Platz reservieren! Den beiden Polizisten im Wachhäuschen reichte ich grinsend noch eine Crewliste und ging.
Da der Diesel in Südzypern relativ günstig ist (0,89 Cent/Liter) wollten wir an der Tankstelle der Raphael Marina wenigstens noch tanken. Ich brauchte ca. 450 Liter. Wir legten an und sahen ein Schild: “Service charge 10%” Das habe ich noch nirgends auf der Welt erlebt. Wir haben dankend abgelehnt und den Hafen verlassen. Unser nächstes Ziel war, irgendwo in Limassol einen Platz zu bekommen.
Wir liefen in Richtung Fischereihafen. So 1,5 Meilen vor dem Hafen tauchte wieder ein hoch motorisiertes Schlauchboot mit zwei Mann von der Port- und Marine-Polizei auf. Die üblichen Fragen: “Woher, wohin, wie viele Personen an Bord, Nationalität?” Wir machten klar, dass wir zum Fischereihafen wollten um dort einen Platz zu bekommen.
Sie meinten wir müssen uns mit Traffic Control auf VHF Channel 09 melden und um Genehmigung bitten. Das taten wir. Die Traffic Control sagte, im Fischereihafen sei kein Platz für uns. Wie oben schon erwähnt, lässt sich ein Wolfgang Horn so schnell nicht abwimmeln. Wir fuhren in den Hafen, drehten eine kleine Runde und gleich vorne rechts war der Kai auf 40 Meter Länge frei. Dahinter lagen zwei große Touristenkatamarane. Wir sprachen die Crew auf dem ersten Katamaran an und fragten, ob wir uns dorthin legen können. Sie antworten ja, es sei der Platz eines dritten Katamarans, der für eine Woche mit Touristen ausgelaufen ist. Der Platz war also frei. Die Crew half uns beim Anlegen und wir gingen brav um den Hafen herum zur Port- und Marina Polizei.
Wir betraten den Raum, drei Polizisten empfingen uns mit finsterer Miene und den Worten: “Wir warten schon auf sie, Traffic Control hat uns informiert, sie dürfen dort nicht liegen!” Meine Erklärung, dass der Platz der Stammplatz eines Katamarans sei, der für die nächsten sechs Tage ausgelaufen sei, half nichts. Sie stellten eine Telefonverbindung zur Traffic Control her. Diese blieb hart – sie erlaubten uns nicht im Fischereihafen liegen zu bleiben.
Wir fragten dann, ob wir vor dem Fischereihafen frei ankern dürften. Das wurde uns erlaubt, aber es wurde uns verboten, das Schiff zu verlassen!
Als Alternative schlug Traffic Control vor, uns einen Platz im Commercial Harbour zu geben. Wir müssten dort aber für fünf Tage Liegegebühr bezahlen (Euro 60 für fünf Tage). Wir haben zugestimmt, schauen wir uns das mal an. Entfernung vom Fischereihafen zum Commercial Harbour ca. eine Meile.
Wir verließen den Fischereihafen und liefen Richtung Commercial Harbour. Plötzlich tauchte das Port Marine Polizei Boot wieder auf und man rief uns zu, wir sollten ihnen folgen. Wir fuhren in den Commercial Harbour und es wurde uns ein Platz angewiesen. Wir dachten, wir trauen unseren Augen nicht. An einer ca. zwei Meter hohen Kaimauer, mit Gummipuffern für die Großschifffahrt, unmittelbar ca. 20 Meter hinter einem riesigen Containerfrachter, dessen Generatoren und Maschinen mit einem entsprechenden Geräuschpegel liefen, vor uns eine Wasserfläche von einer knappen Meile, dazu noch auflandigem Wind mit einer entsprechenden Welle im Hafenbecken. Dieser Platz war völlig unakzeptabel für eine Segelyacht. Traffic Control hat offenbar keine Vorstellung was für eine 14 Meter Segelyacht zumutbar ist.
Wir haben diesen Platz nicht akzeptiert, dankend abgelehnt und den Hafen in Richtung Süden verlassen und ankerten nach 3,5 Meilen vor dem Strand im Bereich von Akrotiri. Dahinter liegt die British Airbase. Traffic Control sagte uns, dass das nicht mehr ihr Bereich sei, gab uns aber mit auf den Weg, dass wir das Schiff dort nicht verlassen dürften.
Fazit: Wir haben es nicht geschafft Limassol zu besuchen. Alles was wir erlebt haben war uns Seglern völlig fremd und ich, Wolfgang Horn, bin schon in vielen Häfen dieser Welt gewesen unter anderem in Hongkong und Singapur, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.
Weiter ging es nach Paphos mit dem Gefühl, Zypern so schnell wie möglich wieder zu verlassen. In Paphos angekommen kümmerte sich zunächst keiner um uns. Der Hafen war voll, aber irgendwo findet ein Wolfgang Horn immer noch ein Plätzchen. An einem größeren Fischtrawler erlaubte man uns, längsseits zu gehen, die Crew war nett und hilfsbereit. Wir waren noch nicht richtig fest, kam schon wieder ein Port- und Marine-Polizei Schlauchboot. Die Jungs waren dieses Mal freundlich und forderten uns auf, mit unseren Papieren ins Büro der Port- und Marine-Polizei zu kommen. Wir hatten keinen direkten Landzugang und fuhren deshalb mit dem Dingi und mit den üblichen Unterlagen (Schiffspapiere, in Larnaca abgestempelte Crewliste etc.) zur Hafenpolizei.
Der Empfang dort war wieder cool bis unfreundlich. Ich zeigte brav meine Papiere und die in Larnaca abgestempelte und mit Passnumern versehene Crewliste. Das genügte ihnen nicht, sie forderten die Pässe der gesamten Crew. Ein Port- und Marine-Polizist, wippte auf zwei Stuhlbeinen und hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt. In dieser Pose forderte er von mir ausdrücklich noch einmal die Pässe. Ich musste wieder zurück zum Boot und die Pässe holen. Sie schrieben eine neue Crewliste aus, stempelten diese und dann war bei der Polizei alles erledigt. Jetzt musste ich noch zum Zoll. Es war Freitag, der Zoll sollte irgendwann kommen und man bot mir an, mich auf Kanal 16 zu benachrichtigen. Die Benachrichtigung kam natürlich nicht und ich verpasste den Zoll.
Am Samstagmorgen um 9.00 Uhr ging ich wieder zur Hafenpolizei, nur um zu fragen, wann der Zoll kommen würde. Natürlich war inzwischen Schichtwechsel und man empfing mich abermals recht unfreundlich mit den Fragen: “Woher, wohin, um wie viel Uhr ich gekommen bin, wie viele Leute an Bord sind, Nationalität?” Ich machte klar, dass ich doch nur die Frage gestellt habe, wann der Zoll käme? Und alles andere sei doch alles gestern schon erledigt worden.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich von Südzypern so die Faxen dicke. So viele Kontrollen habe ich in meiner 45-jährigen Segelpraxis mit 70.000 Meilen in vielen Revieren dieser Welt noch nicht erlebt.
Karin, ein Crewmitglied, die schon öfters Landurlaub auf Zypern gemacht hatte, machte uns mit einem älteren und seriösen Herrn Spiros bekannt, der sich anbot, uns durch den archäologischen Park zu führen und uns die berühmten Mosaiken zu erklären. Es ergab sich, dass wir auch von unseren Erlebnissen mit der Port- und Marine-Polizei erzählten, speziell auch von unserem Erlebnis in Limassol. Was wir nicht wussten war, dass Herr Spiros ein ehemaliger hochkarätiger Polizeioffizier im Ruhestand ist. Er machte sich ein paar Notizen, stellte ein paar Fragen und verabschiedete sich.
Einen Tag später, am Sonntag, klingelte Karins Handy. Am Telefon war Spiros, der Polizeioffizier im Ruhestand. Er bat noch einmal um ein Treffen und sagte, dass zu diesem Treffen der derzeit amtierende Chief Inspector Deputy Commander of Port- and Marine-Police aus Limassol zugegen sein werde. Das Treffen kam zu Stande, ich erzählte meine Erlebnisse, er machte sich viele Notizen, entschuldigte sich immer wieder für das Verhalten der Polizei und versprach glaubhaft für Abhilfe beim Verhalten der Port- und Marine-Polizei zu sorgen. Wie ernst sie meine geschilderten Erlebnisse genommen haben zeigte die Tatsache, dass sowohl Herr Spiros als auch der amtierende Kollege am Sonntag aus Limassol angereist waren.
Am nächsten Morgen, am Montag, kurz bevor wir ausliefen, tauchte der örtliche Chef der Port- und Marine-Polizei von Paphos an Bord auf und erkundigte sich eingehend, was denn alles geschehen sei? Da wir gerade beim Frühstücken waren, gab ich ihm zu verstehen, dass ich in sein Büro kommen werde. Er sagte, ich solle gleich die ganze Crew für einen Kaffee mitbringen. Dort bekamen wir u.nter anderem den Tipp bei ähnlichen Vorfällen die Nummer des Polizisten aufzuschreiben – die Nummer steht auf den Achselklappen jedes Polizisten. Nur mit der Nummer kann man gezielt etwas gegen deren Verhalten unternehmen.
Wir glauben, dass sich unser Treffen mit den oberen Polizei-Offizieren positiv auf das Verhalten der unteren Dienstgrade auswirken wird. Sie werden lernen müssen, wie man mit friedlichen, europäischen Segeltouristen umzugehen hat.
Bei ähnlichen Problemen sollte man Herrn Theocharis Christodoulon, Chief Inspector Deputy Commander of Port & Marin Police, Tel. +357 994 91 974, anrufen und um Hilfe bitten.
P.S. Es wird eine neue DVD geben: “Segeln in der Türkei von Kemer entlang der türkischen Küste bis Mersin inklusive Nordzypern und Südzypern von Larnaca bis Paphos” nach dem Motto: “Vom Skipper für den Skipper”, zu beziehen bei: info@anahita2.de
Quelle: www.anahita2.de/blog und www.insidersegeln.de



