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BMW Oracle Racing hat 33. America’s Cup gewonnen

14.02.2010 | Allgemein

Nach 18 Jahren ist die älteste Sporttrophäe der Welt wieder zurück in den USA.

Das Team von BMW Oracle setzte sich gegen das Schweizer Syndikat auch in der zweiten Regatta der Best-of-3-Serie deutlich durch. Der Rückstand von Alinghi betrug an der Ziellinie nach einem Strafkringel 5:26 Minuten. Diesen Strafpunkt zogen sich die Schweizer durch einen groben Fehler zu weil sie beim 5-Minuten-Signal schon in der Pre-Start-Zone waren.

Erst um 16.25 Uhr, fünf Minuten vor dem Ablauf des möglichen Zeitfensters, gab Rennleiter Harold Bennett den Start frei. Mit Bertarelli am Steuer startete Alinghi ins zweite Rennen, das über einen 74 Kilometer langen Kurs in Form eines gleichschenkligen Dreiecks führte.

Wie bereits in der ersten Regatta konnte Alinghi trotz eines schlechten Starts das US Team am Anfang des ersten Schenkels hinter sich lassen, musste dann aber schon vor der ersten Wendemarke einen Rückstand von 28 Sekunden hinnehmen. In der Folge hatte das Schweizer Syndikat nie eine reelle Chance, den Rückstand aufzuholen, der an der Halse-Boje bereits zwei Kilometer betrug. Alinghi blieb mit seinem Katamaran chancenlos gegen die überlegene Technologie des US-Trimarans mit dem monströsen Flügelsegel, der zeitweise bis zu 30 Knoten dem Titelverteidiger davonfuhr.

Mit großem Vorsprung konnte BMW-Oracle damit auch das zweite Rennen gewinnen und damit den America’s Cup nach 18 Jahren wieder zurück in die USA holen. “Es ist ein unglaubliches Gefühl”, sagte Ellison, “ich bin wirklich stolz, Teil dieses Teams zu sein. Segeln ist ungleich härter als ein Softwareunternehmen zu führen” Als Crewmitglied umarmte er die gesamte Mannschaft um Steuermann James Spithill und Teamchef Russell Coutts.

Es war nicht nur ein sportlicher Sieg, sondern auch die letzte Regatta eines jahrelangen Streits vor Gericht. Die Amerikaner mussten ihre Jubelfeier zwar kurz aufschieben, da Titelverteidiger Alinghi die Ziellinie mit einer roten Protestflagge am Heck erreichte, doch wurde dieser Protest später zurückgenommen. Der Triumph der Crew von Teamgründer Larry Ellison bedeutete den 28. Sieg eines US-Teams im wichtigsten Segel-Wettbewerb der Welt. Damit wird BMW Oracle nach der Stiftungsurkunde, einem eineinhalb Jahrhunderte alten Regelwerk, automatisch zum Veranstalter des nächsten America´s Cup, der Bootstyp und Austragungsort bestimmt.

Der America’s Cup gilt als die exklusivste Segelregatta der Welt, die aber durch einen über zweijährigen Rechtsstreit um Formularien zu einem Streitobjekt zweier Milliardäre geworden ist. Der Herausforderer, Lawrence Joseph Ellison, genannt Larry, 65 Jahre alt, Gründer und Präsident des Softwarekonzerns Oracle, ist nach letztem Stand viertreichster Mensch der Welt und wird allgemein als gewöhnungsbedürftig eingestuft. Sein Widerpart ist der Titelverteidiger: Ernesto Bertarelli, 44 Jahre alt, ehemaliger Biotechmogul (Serono) und mit einem Vermögen von 10,5 Milliarden Franken laut „Forbes“ der reichste Schweizer.

Nach dem letzten US-Sieg 1992 konnte Neuseeland zweimal den America’s Cup gewinnen (1995 und 2000) bevor Alinghi zuletzt zweimal siegte.

Regattaverlauf:
16.25 Uhr: Mit über sechsstündiger Verspätung ist vor Valencia der Start zur 2. Regatta erfolg. Diesmal ein ganz schlechter Start von Alinghi, BMW Oracle dagegen ist sehr gut aus den Blöcken gekommen.
16.26 Uhr: Die Teams haben ganz unterschiedliche Taktiken gewählt. Alinghi ist rechts weggefahren, BMW Oracle ist in die andere Richtung unterwegs.
16.28 Uhr: Alinghi hat im Startprozedere wieder eine Strafe aufgebrummt bekommen. Die Schweizer sollen sich beim Startsignal nicht ausserhalb der Box befunden haben.
16.36 Uhr: Die «USA 17» weist einen Vorsprung von rund 400 Metern auf die «Alinghi 5» auf.
16.40 Uhr: Alinghi jetzt vorne. Wegen des Splits ist aber schwierig zu beurteilen, was dies bedeutet. Bei BMW Oracle ist Teambesitzer Larry Ellison mit an Bord.
16.46 Uhr: Die Amerikaner sind in ein Windloch gefahren und Alinghi hat jetzt über 200 Meter Vorsprung.
16.52 Uhr: Der Wind scheint auf der Seite, wo Alinghi segelt, stärker zu sein. Die Schweizer scheinen die bessere Taktik gewählt zu haben. Aber: Es bleibt die Strafe: Alinghi muss noch eine 360-Grad-Drehung machen.
16.56 Uhr: Der Vorsprung pendelt zwischen 300 und 500 Meter.
17.01 Uhr: Alinghi weiterhin in Front. Noch scheint der Vorsprung nicht gross genug, um die Drehung zu machen.
17.04 Uhr: Noch gut 7 Kilometer zur ersten Tonne. Die Winde sind momentan bis maximal 7 Knoten stark. Deutlich schwächer als bei der ersten Regatta.
17.13 Uhr: Alinghi hat einen Protest gegen BMW Oracle hinterlegt. Der Grund ist momentan nicht bekannt.
17.16 Uhr: Orcale hat jetzt gewendet und nimmt jetzt direkt Kurs auf die Tonne. Alinghi bleibt auf Kurs und die Boote fahren jetzt aufeinander zu.
17.18 Uhr: Es wird ganz eng an der Tonne. Wer kann zuerst wenden?
17.20 Uhr: Alinghi wendet, der Vorsprung ist weg.
17.21 Uhr: Das scheint kein gutes Manöver gewesen zu sein. Alinghi ist jetzt hinter den Amerikanern. Schon über 200 Meter Vorsrpung für Oracle.
17.24 Uhr: Oracle hat an der ersten Tonne 28 Sekunden Vorsprung. Alinghi fährt jetzt den Amerikanern einfach hinterher, scheint aber nicht wirklich aufzuholen.
17.31 Uhr: Jetzt fahren die Amerikaner den Schweizern davon. Oracle segelt deutlich schneller und hat schon über 600 Meter Vorsprung.
17.36 Uhr: Bitter, bitter für Alinghi: Nach dem tollen ersten Drittel haben die Schweizer jetzt gar keine Chance mehr. Oracle ist deutlich schneller und hat schon über einen Kilometer Vorsprung. Dazu noch die Strafe. Es sieht ganz schlecht aus.
17.47 Uhr: Alinghi gibt sich noch nicht geschlagen und versucht mit einem Wechsel der Segel noch einmal näher an Oracle heranzukommen. Der Rückstand beträgt allerdings fast 2 Kilometer.
17.53 Uhr: Oracle hat die zweite Boje passiert und segelt dem zweiten Sieg am America’s Cup 2010 entgegen. Die Entscheidung scheint gefallen.
17.56 Uhr: Nun hat auch Alinghi die zweite Boje passiert. 2 Minuten 44 Sekunden hinter Oracle. Die Distanz beträgt rund 1920 Meter. Bis ins Ziel sind es noch rund 20 Kilometer.
18.05 Uhr: Der Vorsprung von Oracle wächst wieder an, nun sind es bereits 2200 Meter. Auch bei der Geschwindigkeit hat das US-Syndikat wieder Vorteile.
18.24 Uhr: Oracle hat das Ziel vor Augen, noch rund 3 Kilometer und die Amerikaner haben den America’s Cup erstsmals seit 1995 zurückgeholt.

Die Geschichte des America’s Cup
„America“ hieß der Schoner, der 1851 allen 14 britischen Yachten davonsegelte, ein Schock für die stolze Seefahrernation. Die Frage von Queen Victoria, wer Zweiter sei, soll mit „There is no second“ beantwortet worden sein. Es dauerte 132 Jahre und 26 Herausforderungen, bis ein Schiff dem verteidigenden New York Yacht Club den Cup wieder entreißen konnte. Die „Australia II“ beendete die längste Erfolgsserie der Sportgeschichte. 2003 ging der Cup dank des Schweizer Teams Alinghi nach 151 Jahren erstmals wieder nach Europa, wo die Schweizer ihn 2007 vor Valencia verteidigten.

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