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Zukunft des Segelsports

9.02.2010 | Allgemein

Ein Expertenforum wagte einen Blick in die Zukunft.

Spitzenvertreter der Segelszene diskutierten bei einem Expertenforum des Norddeutschen Regatta Vereins (NRV) über die Zukunft des Segelsports und seine Möglichkeiten.

Von den eher abenteuerlichen Anfängen des Segelns hat sich der Segelsport bis heute stets weiterentwickelt und seinen Facettenreichtum ausgebaut. Vielseitigkeit ist zu seinem besonderen Merkmal geworden. Segelsport erstreckt sich von leistungsorientierten Aspekten mit olympischen Bootsklassen bis hin zum Breitensportbereich mit diversen internationalen und nationalen Klassen, dem Seesegeln und dem Fahrtensegeln. Wie wird sich der Segelsport weiter entwickeln? So lautete eine der Fragen in der Diskussion.

Beim NRV-Expertenforum, wagten die geladenen Vertreter der Segelszene einen Blick in die Zukunft und diskutierten über neue Möglichkeiten. Dabei waren: Dr. Manuel Cadmus (NRV Vorstandsvorsitzender), Tornadolegende Roland Gäbler (vierfacher Olympiateilnehmer), Mark Oliver von Ahlen (Yachtkonstrukteur), der 15-jährige Florian Haufe (Deutscher Jugendmeister), Profisegler Tim Kröger (Whitbread, America’s Cup), Oliver Schwall (Geschäftsführer Sailing Team Germany) und Ferdinand Ziegelmayer (Geschäftsführer Laser Deutschland). Die Vielseitigkeit der Standpunkte, die von den Gästen vertreten wurden, spiegelte einmal mehr die Vielfältigkeit des Segelsports wider. Alle fanden jedoch einen gemeinsamen Nenner: Der Segelsport braucht mehr Klarheit und Struktur vor allem in den Systemen zur Nachwuchsförderung und -rekrutierung. Dann würden auch mehr internationale Erfolge möglich sein, war die Meinung.

Zu diesem Ziel erwartet Manuel Cadmus zukünftig überwiegend Zusammenschlüsse und Kooperationen der Vereine: „Die Folge der Tendenzwende wird sein, dass sich mehr Segler in weniger Vereinen zusammenschließen”, erklärte er.

Der Tornadosegler Gäbler forderte „einen Segelsport zum Anfassen und dessen professionelle Vermarktung. Seen und kleine Tümpel müssen für Regatten genutzt werden, damit der Sport zuschauernah Publikum anzieht und so in den Medien platziert werden kann.“

Profisegler Kröger appelliert an die Verbände: „Die Nachwuchstalente im Opti sind da. Das Problem kommt im Alter von 16 bis 20 Jahren. Verbände und Fördersysteme müssen dann diesen Talenten durch professionelle Betreuung und Beratung zur Seite stehen. Berufliche Chancen, optimales Training und Sponsorenverträge ermöglichen sportliche Erfolge”.

Dieses Ziel hat sich auch Oliver Schwall, auf die Fahne geschrieben: „Die Generation Play Station gefährdet nicht die Talentsicherung im Segelsport. Die Vereine entwickeln tolle Konzepte zur kooperativen Arbeit mit diversen Grundschulen. Die Basis ist da. Auf dem weiteren Weg gehen uns aber zu viele verloren.” Das Sailing Team Germany baut laut Schwall ein klares Gerüst mit festen Strukturen auf. In einem Zusammenschluss mit den großen deutschen Vereinen, dem DSV und Partnern aus der Wirtschaft wird seinen Angaben nach versucht, eine deutsche Segelnationalmannschaft zu etablieren, die Deutschland zu einer der führenden Segelnationen machen soll.

Der Deutsche Jugendmeister Florian Haufe muss seine Segelkarriere planen: „Ein festes Fördersystem würde mir sehr helfen gewisse Entscheidungen zu treffen”. Sein Lösungsansatz: „Segeln ist als Sport noch nicht so sehr akzeptiert. Es müssen mehr Idole geschaffen werden, die in der Öffentlichkeit den Segelsport verkörpern – ähnlich wie Boris Becker im Tennis oder Michael Ballack im Fußball”.

Ferdinand Ziegelmayer gibt zu Bedenken, dass „Segeln keine Sportart ist, die schnell und einfach zu erlernen und auszuüben ist. „Beim Fußball braucht man einen Platz und einen Ball – das ist alles. Wenn man sich in ein Boot setzt, passiert erst mal gar nichts. Es braucht einige Zeit bis man den Dreh raus hat. Segeln muss mit Spaß vermittelt werden und den richtigen Booten”.

Diese Meinung vertritt auch Mark Oliver von Ahlen: „Der Segler ist traditionell. Trotzdem setzen sich neue Materialien und Bootsbautechniken durch, die spektakuläres Segeln mit mehr Gleitphase bei einfacherem Handling ermöglichen”.

In Bezug auf den Breitensport waren sich die Experten einig, dass die Zukunft von mehr Quereinsteigern geprägt sein wird. „Die Freizeitgestaltung der Menschen hat sich gewandelt: Man hat nicht mehr nur ein Hobby und steckt jeden Cent in sein Boot. Heute spielt man Golf, morgen Tennis und übermorgen kauft man ein Boot, das man noch gar nicht bedienen kann. Nach zwei bis drei Jahren verkauft man das Boot wieder, da dann andere Sportarten noch interessanter geworden sind,“ erklärte von Ahlen.

Ein All-Inclusive-Verein, der die Boote fertig aufgetakelt seinen Mitgliedern an den Steg liefert, ist in diesem Zusammenhang für Manuel Cadmus vom NRV nicht der richtige Weg: „Diese Altersgruppierung der 30- bis 50jährigen hat bei uns im Verein die Möglichkeit über eine Mitseglerbörse Steuermann oder Crew zu finden. Die noch im Studium befindlichen 20 – bis 30jährigen versuchen wir mit unserem Match- Race-Format einzusammeln. Alle Segler haben die Möglichkeit auf vielen verschiedenen Bootsklassen in einem Team zu segeln, an attraktiven Regatten teilzunehmen und auch einige Reisen zu unternehmen.“

Der NRV Vorstandsvorsitzende erhielt viel Zustimmung für die Aktivitäten in seinem Verein. Ungewollt unterstrich er damit aber auch noch einmal die große Vielfalt des Segelports, dessen Förderung bundesweit in seiner Gesamtheit nur schwer möglich sein wird

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