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Schlacht der Milliardäre kann beginnen

1.02.2010 | Allgemein

Die Klage von BMW Oracle gegen Alinghi wurde aufgeschoben.

Richterin Shirley Kornreich vom New York Supreme Court hat entschieden, dass es auf die Klage von BMW Oracle gegen die angeblich illegalen Alinghi-Segel nicht vor Beginn des 33. America’s Cup eingehen wird. Somit wird am 8., 10. und 12. Februar vor Valencia in einer Best-of-3-Serie um den America’s Cup gesegelt. Jedenfalls, wenn es nach New York Supreme Court geht, denn kurz nach dieser Entscheidung reichte BMW Oracle bei der Internationalen America’s-Cup-Jury eine weitere Klage ein, dieses Mal bei der Internationalen America’s Cup Jury.

„Nachdem es ihnen nicht gelungen ist, uns in New York noch vor dem Match zu disqualifizieren, ist BMW Oracle nicht zufrieden mit den Entscheiden der New Yorker Gerichte und den Meinungen der Expertengremien. Die Jury wird sich diesen und anderen Eingaben zu gegebener Zeit annehmen, und wir freuen uns, das Rennen um den America’s Cup am 8. Februar zu starten“, sagte Alinghi-Designteamkoordinator Grant Simmer.

Trotz dieser erneuten Anrufung der Jury können aber wohl doch nun zwei schwerreiche Männer ihren Streit um die wichtigste Trophäe im Segelsport auf dem Wasser austragen. Der zweifache Gewinner des Cups, Ernesto Bertarelli, freute sich über den Spruch der Richterin Shirley Kornreich als er vom Trainings-Törn zurück kam: “Das sind hervorragende Neuigkeiten. Es freut uns, dass die Versuche von BMW Oracle, Alinghi zu disqualifizieren und den America’s Cup vor Gericht zu gewinnen, abgewiesen worden sind. Wir freuen uns darauf, ihnen am 8. Februar in Valencia an der Startlinie gegenüberzustehen und um den Cup zu segeln; sie können nun nicht länger versuchen, dies zu vermeiden.” (www.mediamaritim.de/blog/regatta/ernesto-bertarelli-„wir-wollen-segeln“/#more-5547). Das war, bevor BMW Oracle einen erneuten versuch unternommen hatte, Alinghi disqaulfizieren zu lassen.

Aber auch wenn es jetzt zum Duell auf dem Wasser kommen sollte, heißt aber noch nicht, dass mit dieser Entscheidung New York Supreme Court ein Erfolg auf außerhalb des gerichtsaals, dem Wasser, für die eine oder andere Seite auch einen endgültigen Sieg bedeutet, denn gestritten wird nach Ende des Cups sicherlich noch weiter, da sich jeder der beiden Kontrahenten nach dem Siegschuß benmachteiligt fühlen wird, sei es wegen des Materials oder der Regeln zur Austragung des Cups. Die Regatta ist zum Spielball zweier eitler und von Rachsucht getriebener Milliardäre geworden, die sich mit einer Schlacht auf dem Wasser nicht zufrieden geben werden, für eine Veranstaltung, in die beide Seiten zusammen geschätzte 300 Millionen Dollar gepumpt haben, um die perfekten Rennmaschinen aufs Wasser schicken zu können.

Noch nie konnten sich Bootsbauer so austoben wie beim diesjährigen America’s Cup, der ältesten Segelregatta der Welt. Frei von Beschränkungen und Budgetsorgen bauten sie Maschinen, die der Luftfahrt näher sind als dem Wassersport. DDieaktuelle Auflage des America´s Cup ist selbst nach Maßstäben der spektakulären Cup-Historie einzigartig. Da sich die beiden Kontrahenten – die Teams BMW Oracle Racing um Oracle-Chef Larry Ellison und Alinghi des Biotech-Unternehmers Ernesto Bertarelli – nach einem beispiellosen juristischen Scharmützel nicht auf ein gemeinsames Reglement für ihre Rennyachten einigen konnten, gilt nun: Anything goes, solange die Wasserlinie nicht 90 Fuß (knapp 30 Meter) überschreitet.

Für die Bootsbauer beider Teams war das ein Freibrief, ohne Rücksicht auf die Kosten edelstes Material und aufwendigste Technik einzusetzen. Titelverteidiger Alinghi tritt mit einem Kohlefaser-Katamaran an, Herausforderer BMW Oracle hält mit einem Trimaran dagegen, dessen Segel durch einen starren Flügel ersetzt worden ist. Mit einer Masthöhe von 57 Metern und einer Fläche von 625 Quadratmetern ist der Flügel größer als die Tragfläche eines Airbus A 380. Da er – anders als ein Segel – stets die aerodynamisch optimale Form beibehält, soll er für unübertroffen effizienten Vortrieb sorgen. Das BMW-Oracle-Team spricht davon, 2- bis 3-mal schneller als der Wind zu segeln und eine Spitze von rund 40 Knoten (etwa 74 km/h) zu erreichen.

Das Flügelsegel läutet eine neue Ära im Regattasport ein, denn das Aufgabengebiet der Segler hat sich mit Einsatz dieser Hightech-Komponente dramatisch verändert. Dirk de Ridder, Großsegeltrimmer bei BMW Oracle Racing: “Wir schauen kaum noch nach oben zum Flügel, denn man kann mit bloßem Auge nur sehr schwer einschätzen, wie viel Twist und Wölbung er hat. Wir verlassen uns viel stärker auf die Instrumente und fast gar nicht mehr auf unsere Augen.” Gefragt ist bei den Regatten gekonntes Knopfdruck-Segeln. Immer besteht bei einem Trimaran die Gefahr des Kenterns, vor allem über den Bug “Wir fahren am absoluten Limit.” „Dieser Cup ist kein Segelwettbewerb, sondern eine Technologieschlacht”, gibt denn auch Design-Koordinator Ian Burns zu. Daher müssen sich die Segler sich nun auf die Anzeigen ihrer PDAs am Unterarm verlassen. Dort finden sie unter anderem die Echtzeit-Daten der überall an Bord einlaminierten Belastungssensoren sowie Luftdruckmessungen von verschiedenen Stellen des Flügels. Per Computersimulation haben Ingenieure zuvor den besten Trimm für verschiedene Kurse und Windverhältnisse berechnet und daraus Kennfelder für die Sensor-Daten abgeleitet. Während des Segelns muss die Crew nun dafür sorgen, dass die aktuellen Werte innerhalb der berechneten Kennfelder bleiben.

Auch Bertarellis Alinghi-Team will mit einem kaum weniger beeindruckenden Boot starten, einem Katamaran, breiter als zwei Tennisfelder, der besonders bei Leichten Winden dem US-Herausforderer überlegen sein soll. Und so wird auch die Begrenzung der beim Cup noch zulässigen Windgeschwindigkeit für Streit sorgen, dessen Wert die Schweizer passend für ihren Katamaran niedrig gehalten haben. Denn sollte es mehr als 15 Knoten Wind auf 60 Meter Höhe und/oder mehr als einen Meter hohe Wellen (im Durchschnitt) wird nicht gesegelt. Und so kommt der Februar-Termin zur Unzeit, denn die Windverhältnisse vor der spanischen Küste sind dann unberechenbar.

Wie weit dieses bisher immer weltweit Beachtung gefundene Ereignis auch beim 33. America’s Cup noch im Mittelpunkt des Sports stehen wird, bleibt abzuwarten. Abgesehen davon, dass bisher nur TV-Eurosport live von den Regattabahnen berichten wird (www.mediamaritim.de/blog/regatta/americas-cup-2010-live-bei-eurosport/#more-5569) , richtet sich das Interesse der sportinteressierten Öffentlichkeit richtet in dieser Zeit im Wesentlichen auf die Olympischen Winterspiele, die am 12. Februar im kanadischen Vancouver anfangen. Der 159 Jahre alte Wettbewerb zu See, die “Formel 1 auf dem Wasser”, könnte zur Nebensache verkommen, zu einem Spiel zweier Milliardäre.

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Ein Kommentar

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[...] Mit der Ablehnung der Beschwerde wegen der Position und der Menge von Alinghis Wasserballast rückt die Wahrscheinlichkeit näher, dass das 33. Duell um den America´s Cup termingerecht am 8. Februar vor Valencia starten kann. Dann können die beiden Streithähne ihren bisher in Gerichtssälen ausgetragenen Kampf aufs Wasser verlegen (www.mediamaritim.de/blog/regatta/schlacht-der-milliardare-kann-beginnen/#more-5605). [...]


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