Signale für Klimawandel in Nord- und Ostsee
19.01.2010 | AllgemeinBSH betreut 116 Tiefendrifter zu Klimamessungen im Meer.
Die Veränderung des Weltklimas ist eine der größten Herausforderungen für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Für das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bedeutet dies, die Veränderungen im Meer genau zu beobachten, zu analysieren und die Ergebnisse für andere nutzbar zu machen.
Direkte Beobachtungen des BSH, die mit weltweiten Anzeichen einhergehen, bestätigen den beginnenden Klimawandel auch für Nord- und Ostsee.
Die seit 22 Jahren anhaltende Warmphase in Nord- und Ostsee setzte sich 2009 fort. Normalerweise kippen derartige Warmphasen nach etwa 8 bis 12 Jahren zurück in eine Kaltphase. Die monatlichen Oberflächentemperaturen in der Nordsee lagen ganzjährig etwa 1°C über dem langjährlichen Mittel, es wurden aber keine Rekordtemperaturen mehr beobachten. Die veränderten Temperaturbedingungen wirken sich zunehmend auf das Artenspektrum bei Tieren und Pflanzen aus.
Mit KLIWAS startete das BMVBS 2009 ein spezielles Klimafolgenforschungsprogramm zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Schifffahrt und Wasserstraßen in Deutschland, in dem das BSH mitarbeitet. Ziel ist es unter anderem, Anpassungsoptionen für Schifffahrt, nautische Warn- und Beratungsdienste und für Offshore-Nutzungen insbesondere im Nordseeraum zu entwickeln.
Das BSH koordiniert den deutschen Beitrag des internationalen Ozeanbeobachtungs-
programms (ARGO), mit dem bessere Aussagen über Klimaveränderungen im Meer
ermöglicht werden sollen. 2009 wurden weitere 18 Tiefendrifter im Nordatlantik ausgebrach, so dass inzwischen 116 der weltweit eingesetzten 3.260 Tiefendrifter vom BSH betreut werden. Die im europäischen Nordmeer ausgesetzten Drifter bestätigen den langzeitigen Trend zu höheren Meerestemperaturen.
Im Oktober 2009 ging unter BSH-Beteiligung ein Gemeinschaftsprojekt des Bundes-
forschungsministeriums zum klimatischen Einfluss des Atlantiks auf den Bereich der Nordsee in die zweite Phase. Auch die Universitäten Hamburg, Kiel und Bremen sind beteiligt. Ziel der Arbeiten ist ein besseres Verständnis der regionalen Änderungen des Klimawandels. Unter anderem hat das BSH ca. 1.000 km südöstlich von Grönland drei Tiefseeverankerungen für Dauermessungen ausgebracht.
Trendaussagen zur Klimaentwicklung benötigen generell lange Zeitreihen. 2009 hat das BSH dem Washingtoner Weltdatenzentrum der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission (IOC) der UNESCO umfangreiches historisches Datenmaterial übermittelt. Insgesamt wurden 7.500 Temperaturprofilmessungen aus dem Zeitraum 1869 bis 1945 zur Verfügung gestellt.



