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Umweltdaten gehört die Zukunft

13.01.2010 | Allgemein

Wer Umwelt oder Klima sinnvoll schützen will, benötigt Daten.

Erst genaue Daten machen Veränderungen des Ökosystems messbar, vom Menschen verursachte Störungen erkennbar, aber auch Erfolge im Umweltschutz langfristig nachweisbar. Zudem haben sie eine immer größere wirtschaftliche Bedeutung, etwa im Offshore-Bereich. „Für uns ist die Beobachtung und Analyse des Meereszustandes von Nord- und Ostsee sowie die Sicherung langer Datenreihen eine der zentralen Aufgabenstellungen des Jahres 2010″, sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Monika Breuch-Moritz, vor Journalisten in Hamburg.

Auch mit Blick auf die Klimapolitik sei dies unverzichtbar, ergänzte Breuch-Moritz. Vor allem das Thema der Über-prüfbarkeit von Klimaschutzmaßnahmen, das zuletzt beim Kopenhagener Gipfel stark umstritten war, mache deutlich, wie abhängig man nicht nur vom politischen Konsens sondern auch von konkreten Daten sei. Sie sei überzeugt, dass das BSH mit seinen Leistungen dazu beiträgt, die anspruchsvollen Herausforderungen im Umgang mit dem globalen Klimawandel positiv zu flankieren.

Breuch-Moritz: „Investitionen in Forschung und Datenerfassung sind Grundvoraussetzung, um auch künftig einen leistungsstarken Meeresschutz aufrecht erhalten zu können und nachhaltige Nutzungen zu ermöglichen”. Hier hoffe sie auf zügige Weichenstellungen für einen Ersatzbau des BSH-Schiffes ATAIR, das bereits über 22 Jahre im Einsatz sei.

Klimaüberwachung und Umweltbeobachtung: Die Überwachung des Meeresklimas auf dem Nordostatlantik wird 2010 erweitert. Von einer Forschungsfahrt zum nordwest-europäischen Kontinentalhang, wo für die klimatische Situation der Nordsee wichtige Vermischungsprozesse stattfinden, verspricht sich das BSH wichtige Erkenntnisse.

Mit 12 Forschungsfahrten in Nord- und Ostsee wird das BSH neue Messergebnisse zu aktuellen Veränderungen im Meer gewinnen. Ergänzt werden diese um Daten der festen BSH-Messstationen, die automatisch physikalische und chemische Messungen durchführen. Dabei kommen 2010 erstmals sogen. „Passiv-Sammler” zum Einsatz. Dies sind Spezial-Folien, die Schadstoffe aus dem Meerwasser anreichern können – ähnlich wie eine Muschel filtert.

Offshore-Windenergie/Raumordnung: Mit Inkrafttreten der vom BSH für die deutsche AWZ entwickelten Raumordnungspläne Ende 2009 können Flächen für neue Energienutzungen jetzt gezielt vergeben werden. Drei bis fünf Entscheidungen über weitere Offshore-Windparks stehen 2010 an. Es ist zu erwarten, dass bald der Bau von Offshore-Anlagen im großen Stil beginnt. Naturschutz und die verschiedensten Nutzer werden sich arrangieren, sich gegenseitig respektieren und noch stärker zusammenarbeiten müssen.

Erstmals wird das BSH im Rahmen der ökologischen Begleitforschung zu Offshore-Windenergieanlagen Schallmessungen innerhalb und außerhalb des Testfeldes „alpha ventus” durchführen. So soll festgestellt werden, ob marine Säugetiere wie Schweinswale durch Lärmbelastungen beeinträchtigt werden.

Umweltschutz in der Seeschifffahrt: Ab Juli 2010 dürfen Schiffe in den speziellen SOx-Emissions-Überwachungsgebieten wie der Nord- und Ostsee nur noch Schweröl mit max. 1,0 % Schwefelgehalt nutzen (bisher 1,5 %). Bereits seit Jahresanfang gilt eine EU-weite Verschärfung für die Liegeplätze von See- und Binnenschiffen, wo der zulässige Schwefelgehalt 0,1% nicht überschreiten darf. Die Einhaltung dieser neuen Vorgaben ist für die Luftreinhaltung entscheidend. Das BSH-Labor wird dem durch chemische Analyseverfahren Rechnung tragen, mit denen die Qualität der Schiffstreibstoffe erfolgreich überwacht werden kann. Gegenwärtig bereitet sich das BSH darauf vor, seine Schiffe 2010 mit dem „Blauen Umwelt-Engel” zertifizieren zu lassen.

2010 wird das BSH voraussichtlich zwei weitere Typengenehmigungen für technische Systeme zur Behandlung von Ballastwasser erteilen. Gegenwärtig gelangen durch den Austausch unbehandelter Ballastwasser von Seeschiffen gebietsfremde Arten in einheimische Gewässer.

Seevermessung in Nord- und Ostsee/BSH-Schiffe: 2010 steht in der Nordsee die Vermessung von Hauptschifffahrtswegen in der Deutschen Bucht an, wo jährlich mehr als 50.000 Schiffe auf aktuelle Informationen über Veränderungen der Fahrwasser und Tiefen angewiesen sind.

In der Ostsee liegt der Vermessungs-Schwerpunkt in den flachen Boddengewässern zwischen Ribnitz und Barhöft. Selbst für die mit 1,80 m sehr flachgehende CAPELLA wird dies eine besondere Herausforderung. Die Boddenkette, deren Topographie sich hier durch hohe Sedimenteinträge nachhaltig verändert hat, ist vor allem für Sportschifffahrt und Tourismus bedeutsam.

2010 wird das BSH rd. 1 Mio. Euro in die Modernisierung seiner Schiffe investieren. Schwerpunkte sind die Navigations-, Vermessungs- und Maschinentechnik. Erstmals soll auch ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug für meereskundliche Arbeiten beschafft werden.

Neue Antarktis-Seekarte: Das zunehmende wissenschaftliche und touristische Interesse an der Antarktis-Region erfordert zuverlässige Navigationskarten für diese Seegebiete. Das BSH wird gemeinsam mit dem Alfred-Wegener-Institut, dessen Forschungsschiff „Polarstern” die Daten geliefert hat, im Projekt Coolchart II” eine dritte Antarktis-Seekarte herausgeben. Dabei wird erstmals auch auf die Messungen britischer Forschungsschiffe zurückgegriffen.

Vorhersagedienste: 2010 wird ein Fokus auf der Verbesserung der Eisnachrichten für die Schifffahrt liegen. Künftig sollen die in den Wintermonaten erscheinenden Eiskarten auch über das elektronische Seekartensystem abrufbar sein.

Außerdem wird sich das BSH an einem deutsch-russischen Projekt zur Routenoptimierung auf dem nördlichen Seeweg in der Arktis beteiligen.

Auf europäischer Ebene wird ein Netzwerk ozeanographischer Vorhersage- und Datenzentren aufgebaut. Dabei wird das BSH den Aufbau eines europäischen Vorhersagezentrums für den Ostseebereich und dem nordwest-europäischen Schelf unterstützen.

Geologie: Das BSH und 14 weitere geologische Dienste starten 2010 ein Projekt zur Herstellung einer einheitlichen geologischen Übersichtskarte der Sedimente von Nord- und Ostsee. Das von der EU geförderte Vorhaben ist ein Beitrag zur besseren Nutzung mariner Ressourcen in Europa.

Schifffahrtsrecht: Neben einer vereinfachten Prüfung „Seefunk” zum Nachweis der Befähigung von Seeleuten wird für 2010 vor allem der grundlegenden Überarbeitung des STCW-Übereinkommens gerechnet, die im Juni auf einer Konferenz in Manila abgeschlossen werden soll. Ziel ist es, die Qualität der Ausbildung weiter zu verbessern und so die Sicherheit in der Schifffahrt zu erhöhen.

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