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Eisgekühlter Antarktis-Whisky

1.01.2010 | Allgemein

Seit 100 Jahren liegen zwei Kisten Whisky im Eis der Antarktis.

Im Jahr 1914 brach der Polarforscher Ernest Shackleton mit 27 Männern auf, um erstmals den antarktischen Kontinent zu durchqueren. Nachdem der Norweger Roald Amundsen 1911 den Südpol erobert hatte, verlagerte Shackleton sein Augenmerk auf das, was er als letzte verbleibende Herausforderung in der Antarktisforschung erachtete: Die Durchquerung des antarktischen Kontinents von Küste zur Küste über den geographischen Südpol hinweg. Die Mission scheiterte, das Expeditionsschiff wurde im Packeis zerquetscht. Die Besatzung rettete sich auf eine einsame Felsklippe. Shackleton trennte sich von seiner Crew und legte in einem winzigen Rettungsboot 800 Seemeilen bis zur nächsten bewohnten Insel zurück. Dort organisierte er Hilfe für seine auf dem Felsen gefangenen Männer. Alle Expeditionsteilnehmer konnten vor dem sicheren Tod bewahrt werden.

Aber schon vor dieser Expedition war Shackleton in der Antarktis auf Forschungsreise, zuerst 1901 mit Robert Scott. Doch Shackleton plante ein eigenes Unternehmen, das er 1907 realisieren konnte. Während der so genannten Nimrod-Expedition überwinterte er 1908 mit seinem Team in einem Basislager im McMurdo-Sund am Kap Royd. Im Sommer 1908/1909 wagte das Expeditionsteam den Vorstoß in Richtung Südpol. Shackleton und drei Gefährten kamen bis 88 Grad 23 Minuten Süd, näher an den Pol heran als jeder andere zuvor. Doch Vorräte und Kräfte schwanden, und Shackleton entschied sich, nur 180 Kilometer vor dem Südpol, zur Umkehr. Sie schafften es zur Hütte zurück, gerade rechtzeitig, um im März 1909 vor dem Winter mit dem Expeditionsschiff Nimrod die Antarktis zu verlassen.

Die heute immer noch gut erhaltene Hütte, die vom neuseeländischen Antarctic Heritage Trust als Denkmal gepflegt wurde hatte bis vor ein paar Jahren ein Geheimnis verborgen: unter den Bodenbrettern lagerten unversehrt zwei Kisten mit Mackinlay-Whisky, einer Marke, die heute dem Spirituosenproduzenten Whyte & Mackay gehört. Vermutlich haben die Expeditions-Teilnehmer diesen Teil des Proviants auf dem Rückmarsch vergessen. Die Flaschen waren bisher zu tief im Eis eingefroren, um sie gefahrlos bergen zu können. Anfang 2010 will der Antarctic Heritage Trust eine Expedition schicken, die mit Spezialbohrern die Kisten nun aus dem Eis schneiden soll, damit die antarktische Sommersonne die Flaschen frei schmelzen kann.

Ob dieser Whisky on the rocks jemals verkostet werden kann wird zur Zeit zwischen dem Spirituosenproduzenten Whyte & Mackay und dem Antarctic Heritage Trust abgeklärt.

Der Antarktis-Forscher Ernest Shackleton war ein Gentleman, Abenteurer und Dichter; sein Charisma war berühmt. Solche Persönlichkeiten faszinieren die Nachwelt. Wenn derjenige dann noch wie Shackleton fast ein Wunder vollbracht hat, natürlich erst recht. Er schaffte es auf seiner Expedition mit der Endurance, die Mannschaft nach dem Schiffbruch und einem zweijährigen grausamen Überlebenskampf im Eis vollzählig zurückzubringen. Dabei bewies er eine Führungskunst und ein Krisenmanagement, die ihn als geborenen Anführer auswiesen. Obwohl seine Expeditionen um die Zeit des ersten Weltkriegs herum stattfanden, sind seine Führungsprinzipien wie gemacht für heutige Unternehmenskulturen. Eigentlich erstaunlich. Damals war ein eher hierarchischer Stil wie der des Forschers Robert F. Scott üblich: Er galt als mürrisch, herrschsüchtig und steif; in militärischer Tradition stellte er das Ziel über Menschenleben. Shackleton dagegen führte unautoritär und demokratisch, er galt als herzlich, humorvoll und gerecht. Besonders sein unerschütterlicher Optimismus und sein Einfühlungsvermögen für seine Männer halfen ihm in der Antarktis. Seine Crew dankte es ihm mit großer Loyalität.

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