Discovery 55: Villa unter Segeln für Weltenbummler
22.12.2009 | AllgemeinEine kompromisslose Yacht für anspruchsvolle Blauwasser-Segler.
Von Klaus Bartels. Während des Sommers im Mittelmeer kreuzen, wenn der Herbst kommt, Kurs auf die Kanarischen Inseln nehmen und dann weiter über den Atlantik in die Karibik segeln…
Die 17 Meter lange Discovery 55 soll genau die richtige Yacht für diese Pläne sein. „Sie ist als Blauwasseryacht konzipiert“, sagt John Charnley, Ex-Pilot von British Airways. Blauwasseryacht bedeutet in diesem Fall ein Segelboot, dass gleichermaßen für sichere und komfortable Reisen über die Ozeane gebaut wurde. Charnley muss es wissen, denn der ehemalige Pilot und begeisterte Langstreckensegler und seine Frau Caroline wollen mit der Yacht zum großen Törn rund um die Welt starten. Der Plan wurde jedoch erst einmal zurückgestellt, denn John Charnley engagierte sich beruflich auf dem Wasser. Er wurde Chef von Sunsail, eine der größten Charterfirmen mit Stützpunkten an den schönsten Segelrevieren der Welt.
Als Segler kennt Charnley einige dieser Reviere. Ganz genau wusste er jedoch wie seine zukünftige Langstreckenyacht beschaffen sein sollte. Dem Ex-Piloten war von Anfang an klar gewesen, dass er bei der Konstruktion seiner Traumyacht fachliche Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Mit dem Yachtkonstrukteur Ron Holland und dem Innendesigner Ken Freivokh, die beide weltweit zu den Großen in diesem Metier zählen, traf Charnley nach eigenen Worten die richtige Entscheidung.
Mittlerweile sind sechs der Langfahrtyachten in der dafür von Charnley gegründeten Werft Discovery Yachts Limited gebaut worden. Fünf von ihnen sind auf großer Fahrt. Auf einem Testtörn, der von der Isle of Wight startete, sollte die als bisher jüngste gebaute Discovery ihre Fähigkeiten als ideale Langfahrtyacht unter Beweis stellen. Dazu gehört, dass sie auch von einer kleinen Crew einfach zu beherrschen ist. Schon das Ablegen mit der 22-Tonnen-Yacht im engen Hafen von Cowes, oftmals ein Problem, wurde durch das Bugstrahlruder und dem kräftigen Bootsdiesel mit 140 PS zum Kinderspiel. Ähnlich einfach gestaltete sich anschließend das Setzen der Segel. Mit Hilfe einer elektrischen Winsch wurde per Knopfdruck die 162 Quadratmeter große Segelfläche ausgerollt. Trotz der eher schwachen Brise brachte vor allen Dingen das riesige Leichtwindvorsegel von 90 Quadratmetern die Discovery schnell in Fahrt. Die Yacht segelte auf Kursen hoch am Wind rund sieben Knoten (13 km/h) und zeigte auf allen Kursen ausgewogene Segeleigenschaften.
Genauso schnell wie das Vorsegel gesetzt werden konnte, war es bei zunehmenden Wind wieder eingerollt. Die elektrische Winsch sorgte wiederum dafür, dass sich die kleiner Selbstwendefock, die hinter der großen Genua auf einer eignen Rollanlage gefahren wird, entfalten konnte.
Obwohl die Discovery eine sogenannte Deckssalonyacht mit einem erhöhten Aufbau ist, hat der Mann am Ruder auch im Sitzen einen störungsfreien Blick nach vorn. Das Cockpit in der Mitte der Yacht wurde dafür etwas höher gelegt. Das sorgt dafür, dass auch bei höheren Wellen kein Spitzwasser die Crew durchnässt und als gewollter Nebeneffekt kommt es der Höhe der Eignersuite im darunter liegenden Achterschiff zu gute.
Schon im Hafen fiel die Discovery durch ihre schönen Rumpflinien, ihr harmonisch eingepasste Deckshaus und ein sorgfältig verlegtes Teakdeck auf. Etwas seltsam mutet da der Platz des Steuermannes in einem vom Cockpit abgeschottetem Plastikwanne an. Aber es ist ein von Charnley gewünschtes Extra: ein kleiner Pool. Wenn es zu heiß am Ankerplatz oder im Hafen wird, kann er mit Wasser gefüllt und sogar als Badewanne genutzt werden. Gleich dahinter befindet sich auf dem Achterdeck die kleine „Liegewiese“ aus Teak.
Als Raumwunder präsentiert sich die Yacht in dem mit wertvollen Edelhölzern verkleideten Deckshaus und unter Deck. Es war Bedingung für den Konstrukteur, dass der Blick von dem fast runden Sofa an der linken Seite auch im Sitzen rundum nach draußen möglich ist. Dafür muss die Crew jeweils zwei Stufen nach unten gehen, wenn sie den Gästebereich mit zwei Doppelkojen im Vorschiff oder den Gang an der linken Seite zur großen Eignersuite mit viel Schrankraum und einem Badezimmer im Achterschiff erreichen will. Im Gang befindet sich eine Küche, in der auch bei Seegang gekocht werden kann. Im Deckshaus wurde neben dem großzügigen Navigationsschreibtisch eine seefeste Lotsenkoje untergebracht. Dort gibt es auch bei Schräglage der Yacht einen gemütlichen Schlafplatz und von dort ist man schnell im Cockpit, wenn der Steuermann Hilfe benötigt. Aber das wird selten nötig sein, denn die Winschen und die anderen Bedienungselemente für die Segel wurden so platziert, dass ein Segler im Cockpit die Segeltechnik beherrschen kann.
Irgendwann in den nächsten Jahren wird es John Charnley sein, der dort am Ruder steht, wenn er zusammen mit seiner Frau im Sommer im Mittelmeer und im Winter in der Karibik segelt.
Technische Daten
Die Discovery ist ein Kurzkieler mit ausgewogenen Segeleigenschaften und einer umfangreichen Standardausrüstung für lange Reisen.
Länge: 17 m
Länge Wasserlinie: 13,64 m
Breite: 4,78 m
Tiefgang: 2,23 m
Verdrängung: 22,5 t
Ballastanteil: 9,5 t
Segelfläche am Wind: 162 qm
Motor: 140 PS
Dieseltank: 800 l
Wassertank: 1,3 t
Kojenzahl: 7
Sicherheit: kevlarverstärkter Rumpf, 2 Sicherheitsschotts
Preis: rund 880.00 Euro
Mehr Informationen unter: www.discoveryyachts.com



