Schiffbruch am Ende der Welt
24.11.2009 | Allgemein
Bernt Lüchtenborg muß nach einem Ruderschaden seine zweifache Nonstop-Weltumsegelung aufgeben.
Am 148. Seetag nach dem Start am 27. Juni 2009 in Cuxhaven zu einer zweifachen Weltumsegelung (www.mediamaritim.de/blog/allgemein/aufbruch-in-ein-segel-abenteuer/#more-3224) muß Bernt Lüchtenborg sein Vorhaben aufgeben. Ein Törn, der bisher schon einige Pannen beinhaltete, die Lüchtenborg aber immer wieder meistern konnte. Nur jetzt heißt es: Schiffbruch am Ende der Welt.
Und diesen Zustand kommentiert Lüchtenborg in seinem Logbuch so: „So könnte der Anfang vom Ende lauten, wenn ich über diesen unglaublichen Törn voller Pech und Pannen schreiben sollte. Samstagnacht, Sturm mit 45 kn. Zwischen heftigen Schauerböen lugte der Mond durch eine aufgerissene Decke tief hängender Bewölkung. Draußen streunt der Regen, drinnen quillte Hefe durchs Gehirn und nachdem das Becks zu wirken begann, fühlte ich mich angenehm allein. Angenehm im Sinne von „So wolltest du es“ Und doch: Quo vadis, stranger in the night? Spätestens an der Südspitze Neuseeland, muss ich mich entscheiden: Reparaturstopp oder nicht. Der Unterwassergegenstand, der uns abrupt stoppte (vermutlich ein schlafender Wal) hat die Frage beantwortet: Denn das Ruder hat keinen Anschlag mehr, auch über die Notpinne ließ sich das Schiff nicht mehr steuern. Manövrierunfähig trieb ich zwischen 6m hohen Wellen und setzte am So. einen Notruf an Neuseeland Rescue ab. Der Flieger checkte heute die Lage. Morgen soll ich abgeborgen werden und muss Horizons zurück lassen! Im Bewusstsein des Scheiterns griff die Ohnmacht nach meiner Seele und durchdrang mich, wie der nasse, kalte Regen.“
Der 145. Seetag hingegen sah noch nach Zuversicht aus: „145.Seetag – Meer. Nur Meer. Das Meer inspiriert. Phantasie entzündet sich an wechselnden Horizonten, an verändernden Stimmungen, an Ruhe und Sturm. Die Anziehung des Meeres ist ein Spiegel der Seele. Wir sind geängstigt und fasziniert zugleich. Blau spannte sich der Himmel über eine geweitete Landschaft. Wolken, wie aus Glas geblasen, zogen mit uns durch einen unendlichen Raum. Auch unsere Aktion nimmt Fahrt auf. Viele haben sich bereits in die Unterschriftenliste eingetragen. Die Ostseezeitung druckt den Brief an die Kanzlerin ab, ruft zur Unterstützung auf. Wismar-TV (danke Christina) produziert einen Film, worin die Kinder „von Licht am Horizont e.V.“die Politiker auffordern, sich sofort für den Klimaschutz einzusetzen. Es geht um die Zukunft der Kinder, die einmal diese Welt übernehmen werden. Klickt auf www.klima.sail2horizons.com und macht mit: „Gemeinsam für ein besseres Klima zwischen den Horizonten“….Das sind so meine Gedanken an diesem Freitag, aber die Gedanken sind nur die Wolken im Wind der Gefühle, also sind das meine Gefühle, während es draussen mit 40kn mal wieder anständig hackt.“
Bisher gibt es noch keine Informationen, wie das Projekt weitergeführt wird.



