Bareboat oder Luxusyacht: Fluchtpunkt Karibik
3.11.2009 | Allgemein
Den europäischen Winter zum karibischen Sommer machen. Immer mehr Segler starten zum Sommertörn mitten im Winter.
Von Klaus Bartels. Strahlendblauer Himmel, Luft 30 Grad, Wasser 28 Grad und die Yacht ankert in einer geschützten, palmenumsäumten Bucht: Charterurlaub mitten im Winter, wenn sich die Temperaturen in Deutschland um den Gefrierpunkt bewegen und ein eiskalter Wind die warme Stube zum Fluchtpunkt macht. Kein Wunder, dass immer mehr Segler einen längeren Fluchtweg in Kauf nehmen und einen Platz an der Sonne suchen. In Charterrevieren wie die Karibik, das Segler von Europa aus in acht Stunden per Flugzeug erreichen können, boomt es vor allen Dingen um die Jahreswende, aber auch die europäischen Wintermonaten zählen als Hochsaison.
„Von einer konjunkturellen Krise gibt es bei uns keine Spur“, sagen viele Anbieter von Charteryachten auf der zu Ende gegangenen Wassersportmesse Interboot. Neben den Charterseglern, die ihren Sommerurlaub mitten im Winter schon Monate im voraus geplant haben, gibt es auch immer mehr Kurzeitbucher, die durchgefroren vom Winter kurzfristig Sonne und Segeln wünschen.
Revier für Einsteiger
Eines der beliebtesten Karibiksegelreviere mit ungebrochener Nachfrage ist British Virgin Island, kurz BVI genannt. Die von den hohen Atlantikwellen gut geschützten britischen Jungferninseln mit ihrer Hauptinsel Tortola reihen sich wie auf einer Perlenschnur aneinander und bieten mit versteckten Ankerbuchten, weißen Palmenstränden und faszinierenden Schnorchelgründen eine Art Karibikklischee. Die Insellandschaft eignet sich für alle Crews die keinen Stress beim Segeln haben wollen, denn die Winde wehen im Durchschnitt mit moderaten vier Beaufort. Es gibt mit 40 Zentimeter Tide kaum bemerkbare Gezeitenunterschiede und dadurch auch keine Strömungen und alle 10 bis 15 Meilen öffnet sich eine neue Ankerbucht oder ein Hafen. Da die Törns zwischen den Insel auch navigatorische keinerlei Schwierigkeiten bereiten, sind die Gewässer ein beliebtes Revier für weniger geübte Segler. Sie, wie die Meilenfresser, die BVI von anderen Karibikrevieren per Yacht ansteuern, schwärmen gleichermaßen von den Jungferninseln und erinnern sich auch gerne an das rumhaltige Nationalgetränk der Inseln, den „Painkiller“. Aber Achtung: Der Schmerztöter kann nach zu starken Zuspruch seine eigentliche Wirkung ins Gegenteil verkehren.
Revier für Meilenfresser
Karibikgefühle entfalten sich auch bestens in dem Revier der Grenadinen. Die fünf kleinen Eilande der berühmten Inseln Tobago Cays zählen zu den Schnorchel und Taucherparadiesen der Welt. Von hier sind es gerade einmal 20 Seemeilen bis zur Prominenteninsel Bequia, auf der viele Künstler eine Zweitwohnung besitzen. Bequia ist aber gleichermaßen für Traumbuchten zum Ankern bekannt. Bei dem für das Winterhalbjahr typischen Nordostpassat um fünf Windstärken führt der Kurs von den Cays nach Bequia hoch am Wind durch dunkelblaues Atlantikwasser mit weißen Wellenköpfen und wird vor allen Dingen sportliche Crews erfreuen.
Regatten mit der Charteryacht
Segler, die sich während ihres Karibiktörns auch auf Regattabahnen mit anderen Crews messen wollen, kommen im März und im April auf ihre Kosten wenn die Regatten um den St. Maarten Heinecken Cup gestartet werden. In der Flotte von bis zu 250 Yachten segeln auch viele Charterschiffe. St. Maarten ist der holländische Teil der zweigeteilten Karibikinsel St. Martin, deren andere Hälfte zu Frankreich gehört. Die Feiern vor und nach den Wettfahrten haben auf St. Maarten den gleichen legendären Ruf wie die Regattafeste mit Reggaemusik und Rum während der Antigua Classic Yacht Regatta und der Antigua Sailing Week in der zweiten Aprilhälfte. Beide Veranstaltungen finden in der Karibischen See vor der Insel Antigua statt. Die 365 Stränden dieser Insel sollen zu den schönsten in der Karibik zählen.
Luxus der privaten Kreuzfahrt
Die Regattaereignisse in der Karibik sind nicht nur zum Treffpunkt von Segelcrews geworden. Eine kleine, aber feine Gruppe reist per Luxusyacht an. Sie sind allerdings keine Segler, sondern zahlende Gäste von großen, luxuriösen Motoryachten, die als Charterschiffe in der Karibik kreuzen.
Einige Charterkunden der Luxusyachten haben auch den Karneval in Trinidad im März als Ziel entdeckt. Nach Worten von Charterspezialisten werden immer mehr Traumschiffe der Luxusklasse geordert, in denen sich eine kleine Gästeschar von den Crews verwöhnen läßt, die vor Trinidad ankern und zusammen mit den vielen Seglern, die per gemieteter Yacht gekommen sind, gemeinsam unter der Karibiksonne Fasching feiern.
Flüge und Kosten
Charterflüge zu den großen Charterstützpunkten in der Karibik von Deutschland aus gibt es ab 800 Euro. In der Regel buchen die Charteragenturen die Flüge. Eine 12,70 Meter lange Oceanis 411 mit acht Kojen kostet für eine Woche im Januar für einen einwöchigen Törn durch British Virgin Island rund 3.000 Euro. Man sollte die Yacht allerdings nur mit sechs Person belegen. Sonst wird es zu eng. Fast alle Agenturen bieten auch Kojencharter – beispielsweise auf einer Charteryacht während der Antigua Race Week – oder Flottillentörns und Fun-Regatten in der Karibik an.
Adressen von Charteranbietern unter
www.vdc.de
oder zum Beispiel direkt bei
www.khp-yachtcharter.de/
www.scansail.de/
www.moorings.de/
Zur Einstimmung auf die nächste Charterreise empfiehlt sich das Buch „Wasser im Schiff“ und andere Segelgeschichten. Die Autorin Silke Eggers, eine erfahrene Charterskipperin, die zehntausende Meilen
abgesegelt und dabei auch bisher viermal den Atlantik überquert hat, hat ihr Wissen zusammengetragen und ein Lese(lehr)buch geschrieben. Hier können nicht nur angehende Charterskipper erfahren, wie man richtig mit einer Yacht umgeht, auch Yachteigner finden eine gleichermaßen unterhaltsame wie auch lehrreiche Lektüre. Es bringt Spaß, die „Segelabenteuer“ von Silke Eggert zu lesen. Durch kurzgefasste Resümees am Ende jedes Kapitels kann der Leser schnell feststellen, was die Autorin in ihren authentischen Geschichten falsch oder richtig gemacht hat.120 Seiten, ISBN 3-934919-04-9, EUR 13,20 oder bei www.mediamaritim.de/shop (Bücher)




Montag, 11. Januar 2010 9:50
[...] Die Route von Grenada über Carriacou, die Tobago Cays, Mayreau, Bequia bis St. Vincent und St. Lucia gilt als Segel-Paradies. Gleichmäßige Winde, zahllose Inseln und Inselchen, weiße Sandstrände, Kokospalmen, geschützte Buchten und Korallen-Riffe bieten perfekte Voraussetzungen zum abwechslungsreichen Insel-Hüpfen mit einer Segelyacht (www.mediamaritim.de/blog/charter/fluchtpunkt-karibik/#more-4579). [...]