Neuer Eigentümer bei Bavaria in Sicht
29.08.2009 | Allgemein
Anteilseigner Bain Capital will aussteigen.
In Verhandlungen über die Zukunft des Yachtbauers Bavaria, könnte sich eine Lösung abzeichnen. Nachdem der Finanzinvestor Bain sich aus dem Unternehmen herausziehgen will, musste ein neuer Investor gefunden werden. Die Commerzbank, als einer der Hauptgläubiger, hat nach Informationen des Handelsblatts ihre Kredite an den amerikanischen Hedge-Fonds Anchorage Advisors verkauft. Nun sei eine Kapitalerhöhung im Gespräch, berichtet das Handelsblatt weiter.
Bavaria war Mitte 2007 auf dem Höhepunkt des Booms von der US-Beteiligungsfirma Bain Capital zu einem, wie Fachkreise kommentierten, überzogenen Preis von rund einer Milliarde Euro übernommen worden, mit einer Summe, die im Wesentliche auf Fremdfinanzierung beruhte. Zweitgrößter Kreditgeber ist Oaktree mit Darlehen von etwa 300 Mio. Euro, die man in zwei Schritten zu 35 Prozent und 65 Prozent des Nennwerts von Goldman Sachs erworben hatte. Nun wollte Bain Capital kein weiteres Eigenkapital in das Unternehmen investieren. Angesichts der Verschuldung drohte damit die Pleite von Bavaria Yachtbau, die nur durch eine Stundung der Zinsen der bisherigen Hauptgläubiger Commerzbank und der Investmentgesellschaft Oaktree abgewendet werden konnte. Bavaria drücken Schulden über mehr als 800 Mio. Euro. Davon trägt die Commerzbank etwa die Hälfte der Last. Damit scheint die damalige Übernahme durch den US-Finanzinvestor zu einem der größten Fehlschläge der Private-Equity-Branche in Deutschland zu werden. Für den damals schuldenfreien, hoch profitablen und stark wachsenden fränkischen Mittelständler zahlte Bain den Traumpreis von gut 1,1 Mrd. Euro. Dies entsprach dem 14-Fachen des operativen Gewinns (Ebitda) von damals 83 Mio. Euro.
Anchorage ist ein auf notleidende Kredite spezialisierter Hedge-Fonds mit sieben Milliarden Dollar in der Verwaltung. In Finanzkreisen geht man davon aus, dass die Commerzbank für ihr zum Teil abgeschriebenes Kreditengagement über etwa 400 Mio. Euro einen Preis von über 30 Prozent des Gesamtvolumens erzielen konnte. Bei notleidenden Krediten werden teilweise nur gut zwanzig Prozent bezahlt. Derzeit finden “konstruktive Gespräche” über die Zukunft Bavarias zwischen den beiden großen Kreditgebern, Oaktree und Anchorage mit dem Finanzinvestor Bain statt. Ziel sei es, einen teilweisen Forderungsverzicht zu erzielen, indem Schulden in Eigenkapital umgewandelt werden (Debt-Equity-Swap). Damit soll die bilanzielle Restrukturierung vorangebracht werden. Außerdem gibt es offenbar Überlegungen des Eigentümers Bain Capital, eine Kapitalerhöhung im zweistelligen Millionenbereich auf die Beine zu stellen.
Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) warnte bereits im Dezember 2008, dass die Zahl der Insolvenzen bei Firmen im Eigentum von Finanzinvestoren steigen wird. Wie ein zusätzlicher Mühlstein wirkt die hohe Verschuldung, wenn in der Rezession auch noch das Geschäft einbricht. Beim Bootsbauer Bavaria beispielsweise ist der Umsatz um 50 bis 60 Prozent abgestürzt. Ende 2008 musste bereits der Rivale Dehler Insolvenz anmelden. Der italienische Edelyachten-Bauer Ferretti – ein Investment des Bain-Rivalen Candover – schrammte kürzlich nur knapp an der Pleite vorbei. Die Bavaria-Yacht-Übernahme war der letzte größere Private-Equity-Deal vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Bain zahlte dem Unternehmensgründer Winfried Herrmann rund 1,1 Milliarden Euro, was mehr als dem 12-Fachen des operativen Gewinns entspricht. Konkurrenten wie CVC Capital oder Doughty Hanson hatten bis zuletzt mitgeboten. Andere waren ausgestiegen, weil sie die Höhe des Kaufpreises für unvertretbar hielten.
Der Umsatz der Firma aus Giebelstadt bei Würzburg ist in Folge der Rezession eingebrochen. Neue Zahlen wollte das Beteiligungsunternehmen Bain auf Anfrage nicht nennen. Im Juli 2007 erzielte die Firma mit 620 Mitarbeitern noch Erlöse von rund 290 Mio. Euro. „Alle an der Umgestaltung der Finanzstruktur Beteiligten agieren relativ rational“, sagte ein Beteiligter. Es gebe kein Interesse, Bavaria „vor die Wand fahren zu lassen“.
Eine sichere Grundlage zur Fortsetzung der Geschäftstätigkeit von Bavaria Yachtbau muß jedoch schnell gefunden werden, denn die wichtigen Bootsmessen in Friedrichshafen, Hamburg und Düsseldorf sind für den Umsatz von größter Bedeutung. Mögliche Käufer müssen sicher sein können, dass ihre bestellt Yacht auch ausgeliefert werden kann.
Quelle: Handelsblatt



