Schwierig, aber erfolgreich: Lapita-Voyage
19.07.2009 | AllgemeinDer Nachweis des Migrationswegs der Polynesier ist gelungen.
Die Lapita-Voyage, die erste Segelexpedition auf dem Migrationsweg der Polynesier, erreichte nach knapp fünfmonatiger Reise, ihre Zielinseln Tikopia und Anuta. Der Weg von den Philippinen zu den entlegenen Inseln im Pazifik war beschwerlich, die Reise im Rückblick jedoch alle Strapazen wert und ein voller Erfolg: Sowohl der nautische als auch der wissenschaftliche Nachweis des historischen Migrationswegs sind erbracht.
Im Rahmen seiner Weltumseglung besuchte Klaus Hympendahl 1989 erstmals die Insel Tikopia. „Von der hieß es, dass die Menschen dort noch mit Lendenschurz bekleidet und tätowiert seien und ihre großen Ohrlöcher mit Blumen oder Pfeifen schmückten. Mir war sofort klar, dass ich da hin wollte“, berichtet Hympendahl. 1997 kehrte er für einige Monate auf die Insel zurück. Danach entstand der Kontakt zu Hanneke Bohn und James Wharram, die, wie der Düsseldorfer, von der Bauweise der historischen polynesischen Doppelrumpfboote fasziniert sind. Im Jahre 2002 hatte Hanneke Boon nach einer Herzoperation die Vision, den Insulanern von Tikopia und denen der kleinen Schwesterinsel Anuta je einen Wharram-Katamaran, gezeichnet nach polynesischem Vorbild, zu schenken. ,. Diesen war im Zuge der Kolonialisierung ihre Bootsbaukunst verloren gegangen. Daraus entwickelte Klaus Hympendahl die Idee zur Südsee-Expedition Lapita-Voyage.
Hintergrund
Die Expedition, die sich durch Spenden und Beiträge von Mitseglern finanzierte, sollte als erste auf dem Migrationsweg der Polynesier von Südostasien aus in den Pazifik segeln. Und damit belegen, dass sich der Norweger Thor Heyerdahl Mitte des 20. Jahrhunderts geirrt hatte: Die Polynesier waren keineswegs von Südamerika in den Pazifik gezogen, sondern konnten schon vor Jahrtausenden dank ihrer hervorragenden Bootsbau- und Navigationskunst gegen Passatwinde und Meeresströmungen von Asien aus nach Osten segeln und dabei gezielt Inseln ansteuern. Doch die Lapita-Voyage lieferte nicht nur den seglerischen Nachweis sondern auch einen wissenschaftlichen. Die mitsegelnden Wissenschaftler fanden bei Landgängen im Bismarck-Archipel und auf den Santa Cruz Inseln „Lapita-Keramiken“, die beweisen, dass die Vorfahren der Polynesier, die „Lapita-People“, auf ihrem Migrationsweg vor Jahrtausenden hier Station gemacht hatten. Während der Expedition genommene DNA-Proben, die z. Zt. in Laboren ausgewertet werden, werden diese Beweise wohl erhärten.
Eine Reise gegen das Wetter
„Die Monate auf See waren geprägt von schlechtem Wetter: Flauten, Regen, ungünstige Böen und Stürme wechselten sich ständig ab. Vor allem der ständige Regen sorgte dafür, dass am Ende nur noch der Sherry trocken war“, resümiert Klaus Hympendahl. Er selbst ging während der Wetterkapriolen einmal über Bord, viele der Mitsegler litten unter Infektionen, da sich in den feucht-heissen Tropen selbst kleinste Verletzungen der Haut sehr schnell entzünden. Wetter und Klima machten die Expedition auf natürliche Weise beschwerlich, örtliche Behörden taten ihr Übriges hinzu. Nicht selten mussten hohe Schmiergelder und überzogene Liegegebühren für Ankerplätze gezahlt werden.
Am Ziel
Wenige Tage vor Erreichen der Zielinseln trennten sich die beiden Boote, die fast die gesamte Strecke gemeinsam zurückgelegt hatten, um sowohl den Bewohner Tikopias als auch Anutas die Ehre zu erweisen. Hympendahl, Skipper des Bootes „Lapita Tikopia“, steuerte entsprechend Tikopia an und erlebt mit seiner Crew einen herzlichen Empfang durch seine polynesischen Freunde. Im Rahmen eines großen Festes wurden Geschenke ausgetauscht, Reden gehalten, getanzt, gesungen und der Katamaran getauft. Mit ihm können die Tikopianer nun wieder ihre Kranken ins Krankenhaus und ihre Kinder in die 230 Seemeilen entfernte Schule bringen, sie können ihre Verwandten auf den Nachbarinseln besuchen und im offenen Ozean auf Fischfang gehen. Hympendahl: „Allein diese Gewissheit und der herzliche Empfang waren die Strapazen der Reise wert. Doch auch der gelungene Nachweis des Migrationswegs der Polynesier und die Erfahrungen mit der einzigartigen, tapferen Crew machen die Expedition zu einem vollen Erfolg“.




Donnerstag, 2. September 2010 6:15
[...] 18 Monate nach Beendigung der Lapita-Expedition ist ein Film von Uta von Borries über die Expeditions-Tour mit Klaus Hympendahl fertig gestellt. Der Sprecher ist Frank Glaubrecht, die Stimme von Al Pacino und Kevin Kostner. In dieser Fernseh-Dokumentation wird der richtige Migrationsweg der Polynesier von Südost-Asien in den Pazifik gezeigt und es werden wissenschaftliche Beweise erbracht, dass auf der Route der Lapita-People, die Vorfahren der Polynesier, gesegelt sind. Durch den Einsatz von zwei identischen Nachbauten polynesischer Katamarane wird demonstriert, dass es möglich war, auch lange Distanzen um 4.000 Seemeilen zu segeln (www.mediamaritim.de/blog/allgemein/schwierig-aber-erfolgreich-lapita-voyage/#more-3403). [...]