Arved Fuchs segelt ins Packeis
30.06.2009 | AllgemeinDer Polarforscher ist in ein neues Abenteuer gestartet.
Mit einem Segelschiff macht er sich gerade auf den Weg in die Arktis. Dort will er nicht nur wissenschaftliche Daten zum Klimawandel sammeln, sondern sich auch auf die Spuren einer dramatischen historischen Expedition begeben.
Mit 18 Kollegen ist Arved Fuchs von Hamburg aus in See gestochen. “Das Leben an Bord ist einfach und spartanisch – aber wir mögen das”, meint Fuchs. Über Island geht es nun zur spektakulären Hochgebirgslandschaft mit den mächtigsten Gletschern der Arktis, tief eingeschnittenen Fjordlandschaften und entlegenen Inuitsiedlungen. Während der Überwinterung im Packeis vor der Nordwestküste Grönlands ist ein umfangreiches Forschungsprogramm geplant, bei dem das Expeditionsschiff als Basislager dient.
Arved Fuchs scheut keine Abenteuer: 1989 erreichte er als erster Deutscher den Nordpol zu Fuß. Jetzt, zwanzig Jahre später, begibt er sich erneut dort hin, diesmal allerdings mit einem Segelschiff: Mit der “Dagmar Aaen” – früher Fischkutter, heute Expeditionsschiff – will er an die Nordwestküste Grönlands sowie an die Nordostküste Kanadas segeln. Zahlreiche Forschungsreisen hatten bereits im 19. Jahrhundert in diese Region geführt – und wegen der noch bis vor Kurzem vorherrschenden Eislage meist in einer Katastrophe geendet. Auf die Spuren einer der bedeutendsten und dramatischsten will sich Fuchs nun mit seiner einjährigen Expedition “Nordpoldämmerung” begeben.
Oberleutnant Adolphus Washington Greely (1844-1935) erreichte die Lady Franklin Bay auf Ellesmere Island mit seinem Team am 11. August 1881. Ziel der 26 Männer war es, dort, an der Nordostküste Kanadas, eine ganzjährige Polarstation zu errichten und Beobachtungen zum Magnetismus, zum Klima und zu den Gezeiten durchzuführen – damals ein absolutes Novum. Doch Greely war im Bereisen arktischer Regionen gänzlich unerfahren. Nach einem Jahr hatten die Forscher zwar eine beachtliche Datenmenge gesammelt, doch das Schiff, das sie in die USA zurückbringen sollte, konnte aufgrund der Eismassen nicht zu ihnen durchdringen. Hierfür waren die Expeditionsteilnehmer nicht gewappnet, ihnen ging die Nahrung aus, sie mussten sich schließlich von Moosen und Flechten ernähren. Im Juni 1884 konnten schließlich nur noch Greely selbst und fünf weitere Männer lebend geborgen werden.
Trotz des tragischen Endes: “Die Expedition Greelys kann aus heutiger Sicht als Grundlage der modernen Erkundung der Arktis und Antarktis angesehen werden”, meint Fuchs. Der Route von 1881 will er nun folgen, Schauplätze und Hinterlassenschaften der gescheiterten Forschungsreise aufspüren und selbst wichtige Daten zum Wachsen und Schmelzen des Meereises sammeln. “Aufgrund des zurückweichenden Packeises ist es möglich, mit der ‘Dagmar Aaen’ früher unzugängliche Region anzusteuern”, erzählt Fuchs.
Die Arktis ist von den Auswirkungen der Klimaerwärmung stark betroffen, in den vergangenen Jahren ist das Meereis bereits deutlich schneller zurückgegangen als von Klimamodellen vorausgesagt. Schon in wenigen Jahrzehnten könnte das Nordpolarmeer im Sommer komplett eisfrei sein. Die “Dagmar Aaen” wird versuchen, so weit wie möglich in den Norden zu reisen, um die historischen Orte aufzusuchen und dem zurückweichenden Packeis zu folgen.
“Das Schiff wird bis Ende Mai kommenden Jahres eingefroren sein”, schätzt Fuchs. Dann soll die “Dagmar Aaen” von ihrer Reise wieder zurückkehren. Im Gegensatz zu Adolphus Greely hat Arved Fuchs mittlerweile genügend Polarerfahrung, um nicht nur gesammelte Daten heil heimzubringen
Geplante Messungen
Das Team um Fuchs will dabei helfen, das Wachsen und Schmelzen des dünnen Meereises besser zu verstehen und so dessen Entwicklung genauer vorauszusagen. Hierfür setzen die Wissenschaftler erstmals Messinstrumente ein, die vor Beginn der Überwinterung im offenen Wasser installiert und dann vom wachsenden Meereis eingeschlossen werden. Insgesamt sollen während der Expedition folgende Daten erhoben werden:
* Temperatur im Meereis, im Ozean und in der Luft
* Salzgehalt im Meereis und im Ozean
* Eisdicke
* Lokale Wetterbedingungen
* Schadstoffgehalt im Ozean und in der Luft, um den Transport von Schadstoffen aus Industrienationen in die Arktis zu untersuchen
Der Schleswig-Holsteiner Arved Fuchs unternimmt seit 1977 verschiedenste Expeditionen: 1981 überquerte er den Atlantik in einem Segelboot, 1983 durchquerte er Grönland mit einem Hundeschlitten, 1984 umrundete er Kap Horn in einem Faltboot, 1989 war er der erste Deutsche am Nordpol. Im gleichen Jahr durchquerte er auch die Antarktis und war damit als erster Mensch innerhalb eines Jahres an beiden Polen. 2004 umrundete er den Nordpol ohne Hilfe eines Eisbrechers.
Über seine Abenteuer hat Fuchs viele Bücher geschrieben, die bei Delius Klasing erschienen sind. Das neueste Werk ist „Arved Fuchs Kein Weg ist zu weit“, 144 Seiten, 80 Farbfotos, 10 S/W Fotos, 3 Karten, Format 21 x 24 cm cm, gebunden mit Schutzumschlag, Verlag Delius Klasing, ISBN: 978-3-7688-2597-9, EUR 22.00




Dienstag, 20. Oktober 2009 9:40
[...] die Pim Island ansteuern, die im Smith Sound zwischen Grönland und EllesmereIsland liegt (http://www.mediamaritim.de/blog/personality/arved-fuchs-segelt-ins-packeis/#more-3248). Dort fand die Mannschaft zahlreiche Relikte der historischen Greely-Expedition von 1881-84, auf [...]