Auf altem Segler rein ins neue Jahr
31.12.2008 | AllgemeinZum siebten Mal startete Skipper Ewald Huß mit der “Platessa” zum Silvestertörn.
Unter vollen Segeln ins neue Jahr! Mit dieser Wunschvorstellung verließ der Traditionssegler “Platessa von Esbjerg” am Tag nach Weihnachten den schützenden Heimathafen von Eckernförde. Ziel des frisch-frostigen Silvestertörns: die dänische Südsee.
Als der knapp 20 Meter lange und fünf Meter breite Zweimaster die geöffnete Holzbrücke passierte und Skipper Ewald Huß vom Hafenmeister noch eine “Gute Fahrt!” zugerufen bekam, war an volle Segel allerdings nicht zu denken. Totale Flaute begleitete die “Platessa” und ihre 17-köpfige Crew auf den ersten Seemeilen über die spiegelglatte Bucht.
Doch das, so weiß Huß, kann sich schnell ändern. “Einmal war es so kalt und stürmisch, dass die Segel eingefroren sind”, erzählt der 70-Jährige, der mit seinem grauen Vollbart und dem furchigen Gesicht dem typischen Klischee eines Seemanns entspricht. Dass das kein Seemannsgarn ist, kann Michael Barz bestätigen. Seit über zehn Jahren ist der Berliner Schauspieler regelmäßig an Bord der “Platessa”, die 1935 auf der dänischen Jensen-Werft als Haikutter gebaut wurde und noch bis 1981 für den Fischfang eingesetzt wurde.
Barz betrat als 15-Jähriger erstmals die hölzernen Planken des Schiffes, das längst so etwas wie eine zweite Heimat für ihn geworden ist. Immer, wenn es die Zeit erlaubt, begleitet er Huß bei den Törns des Projekts Erlebnis-Segeln. Dieses ist – initiiert von der Lebensgemeinschaft Eiderdrift e.V. – in erster Linie für Jugendliche, aber auch für Erwachsene gedacht, die an Bord ganz neue Kräfte freisetzen und so neue Fähigkeiten für sich entdecken können.
Die Mannschaft, die jetzt zum Silvestertörn die Leinen los machte, ist bunt gemischt. Nicht nur Mitglieder des Vereins, unter dessen Fahne die “Platessa” seit 1995 segelt, sondern auch befreundete Gäste wollen das neue Jahr auf ganz besondere Art begrüßen. So hat Eric Harhaus aus Wuppertal, der seit acht Jahren zur Crew gehört, nicht allein Schwester Tanja, sondern auch seine Eltern Regina und Helmut aus Remscheid überredet, mit nach Dänemark zu segeln. Vater Helmut Harhaus ist ein erfahrener Seemann. Bei der Marine war er lange Zeit auf einem Zerstörer stationiert. “Da hatten wir aber sehr viel mehr Platz an Bord”, macht ihm die Enge unter Deck doch etwas Sorgen.
Aber wenn man etwas zusammenrückt, dann kann es ja auch bei kühleren Temperaturen sehr gemütlich sein. Für den Silvesterabend ist Michael Barz nicht nur für ein spezielles Sechs-Gänge-Menü verantwortlich, sondern auch für das Programm mit Sketchen und Mitmachtheater. “Mal sehen, ob’s klappt und alle mitmachen”, freut sich der 26-Jährige auf den Törn, der am ersten Tag in Maasholm oder Kappeln enden sollte. An welchem Ort man das neue Jahr begrüßen wird, steht noch nicht fest. “Mal sehen, wohin der Wind uns treibt”, meint Eric Harhaus. Nicht nur er ist sich sicher: An Bord eines Traditionsseglers mit einem Glas Sekt anzustoßen und dabei das Feuerwerk an Land zu beobachten – so etwas wird für alle zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Quelle: www.kn-online.de



