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Sydney Hobart: Gesamtsieg zum zweiten Mal

29.12.2008 | Allgemein

Der Gesamtsieg nach berechneter Zeit beim 64. Rolex Sydney Hobart Yacht Race geht an die australische “Quest” von Eigner Bob Steel.

Seine Crew der knapp 16 Meter langen Segelyacht vom Typ TP 52 gewann den Hochseeklassiker über 628 Seemeilen, der traditionell am Zweiten Weihnachtstag im Hafen von Sydney startete, nach 2002 bereits zum zweiten Mal. Obwohl am Montag (29. Dezember) noch zwei Drittel der 100 gestarteten Boote unterwegs waren, konnte keines mehr die vorgelegte Zeit schlagen. Die Wertung unterschiedlich großer Yachten gegeneinander erfolgt nach international anerkannten Handikapfaktoren, den so genannten IRC-Rennwerten, mit denen die gesegelte Zeit multipliziert wird.

Quest: Sieg nach berechneter Zeit

Bereits am Vortag war die 30 Meter lange “Wild Oats XI” von Bob Oatley zum vierten Mal nacheinander als Erste über die Ziellinie vor der tasmanischen Hauptstadt Hobart gesegelt und hatte sich in den Rekordbüchern der Regatta verewigt. Die “Walross IV” aus Berlin als einzige deutsche Yacht wurde in der Nacht zu Dienstag im Ziel erwartet.

Als Bob Steel den Hauptpreis des Rennens, den begehrten Tattersalls’ Cup, und eine Rolex Yacht-Master in den Händen hielt, gab es am Constitution Dock von Hobart wohl keinen glücklicheren Menschen. Für den Eigner war es nach fünfjähriger Pause eine Rückkehr in die Erfolgsspur. Mit seiner vorigen “Quest”, eine Nelson/Marek 46, hatte er das Rolex Sydney Hobart zuletzt 2002 mit gesegelt und zugleich gewonnen. Unvergessen von damals blieb, dass Steel seine alte Armbanduhr abnahm und spontan ins Wasser des Sulliman Cove geworfen hatte.

An Bord der “Quest” waren fünf Segler aus der damaligen Mannschaft, darunter der erfahrende Segelmeister Michael Green, der nun sein 30. Sydney Hobart absolvierte. Drei Tage vor dem Start hatte er aufgrund der vorhergesagten komplizierten Wetterlage noch den Navigator von 2002, Carl Crafoord, von einer erneuten Teilnahme begeistert, um den aktuellen Navigator Bruce Baker zu unterstützen. “Carl und Bruce sollten wie ein Ehepaar zusammen arbeiten und mir ihre gemeinsame Empfehlung weitergeben, damit ich mich auf meine Stärke konzentrieren konnte, nämlich das Boot schnell zu machen”, erklärte Green das Konzept, “und das hat hervorragend funktioniert.”

Der entscheidende taktische Schachzug gelang bereits in der ersten Nacht auf See. Als ein Pulk von etwa gleichschnellen Konkurrenten dicht beisammen lag, halste die “Quest” von den anderen weg zurück zur Küste von New South Wales. “Wir haben die Meeresströmung genau beobachtet und diese mit der Windentwicklung abgewogen”, so Green, “und die Vorhersagen hatten sich plötzlich verändert.” Etwa vier Stunden segelten sie mit einem Knoten mehr mitlaufendem Strom als die direkten Gegner. Danach betrug der Vorsprung, den sie nicht mehr abgaben, etwa vier Seemeilen. So blieben der “Cougar II” von Alan Whiteley eine knappe halbe Stunde und der “Quest” und der “What Now” von Graeme Wood (beide ebenfalls Australien) gut eine Stunde zurück nur die Plätze.

Gleichwohl war der weitere Rennverlauf alles andere als ein Selbstgänger. Die letzten 40 Seemeilen im Fluss Derwent, die immer als besonders trickreich gelten, forderten Mensch und Material diesmal mit stürmischem Nordwestwind. Die “Quest” wurde von einer schweren Sturmböe der Stärke zehn getroffen. “Es gab nur 15 Sekunden Vorwarnzeit”, berichtete Michael Green, “danach riss das Großsegel, das wir bis ins Ziel genäht haben.”

Der Eigner, Mitte 60, stellte bei der Siegerehrung im Hafen die Leistung seiner Mannschaft heraus. “Das Teilnehmerfeld war sicher eines der besten in der Geschichte des Rennens”, sagte Bob Steel, “und vor allen anderen gelandet zu sein, war Ergebnis einer außergewöhnlichen Teamarbeit. Ich habe dabei ja nur in meiner Ecke gesessen und zugeschaut.” Letzteres jedoch entgegnete sein Taktiker Green entschieden: “Bob ist alles andere als ein ruhiger Beobachter. Rund um die Uhr spornt er uns an, hinterfragt Bootsgeschwindigkeit und Strategie. Er ist ein Motivator par excellence mit unglaublicher Ausdauer. Den ersten Tag ist er überhaupt nicht unter Deck gegangen.” Die gesamte Crew war beinahe 48 Stunden ununterbrochen wach und erkämpfte den Gesamtsieg bis zum Umfallen.

Das Ergebnis (vorläufig)

IRC OVERALL (Provisional Top Three)
1. Quest, Bob Steel (AUS/NSW), TP52
2. Cougar II, Alan Whiteley (AUS/VIC), TP52
3. Wot Now, Graeme Wood (AUS/NSW), TP52

PROVISIONAL DIVISION LEADERS
IRC Div 0: Quantum Racing, Ray Roberts (AUS/NSW), Cookson 50
IRC Div 1: Quest, Bob Steel, (AUS/NSW), TP52
IRC Div 2: Ragtime, Chris Welsh (USA), Spencer 65
IRC Div 3: Tow Truck, Anthony Paterson (AUS/NSW), Ker 11.3
* IRC Div 4: Maluka of Kermandie, Sean Langman (AUS/NSW), Gaff Rigger
PHS Div 1: Getaway-Sailing.com, Peter Goldsworthy (AUS/NSW), Volvo 60
* PHS Div 2: Inca, Noel Sneddon (AUS/ACT), Vickers 41
* Sydney 38: Morris Finance Cinquante, Ian Murray (AUS/VIC)
* Cruising: Somoya, Garry Rose (AUS/VIC), Northshore 46

(*still racing)

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